Es ist etwas mehr als 14 Jahre her, da kniete Nathan „Nate“ DiCasmirro (47) am 2. Oktober 2011 auf dem Brunecker Eis neben dem Tor nieder und griff nach einem dort platzierten Puck. Neben ihm war seine Freundin Sabrina Stubner, die er zum Eislaufen und zum Schießen von ein paar Pucks auf das Eis gelockt hatte. Doch plötzlich zauberte der damalige Center des HC Pustertal, gegen den er als Assistant-Coach der 99ers nun um den Titel spielt, einen Ring aus dem präparierten Puck. Er hielt um ihre Hand an. „Damit hatte ich in dem Moment überhaupt nicht gerechnet“, erzählt Sabrina Di Casmirro. Die Antwort der Eishockeyspielerin aus Villach: Ja!
Zwei gemeinsame Töchter
Wortkarger ist da der Gatte, wenn man ihn zum möglichen Meistertitel mit den 99ers befragt. Mit großen Augen schweigt er und bricht dann doch die Stille: „Es zählt nur das nächste Spiel. An das denken wir und sonst an nichts.“ Dass just Pustertal der Gegner im Finale ist, wurde freilich in der Familie besprochen, in der Öffentlichkeit nicht. Immerhin war der Ort prägend für die DiCasmirros. Mittlerweile hat der gebürtige Kanadier mit US-amerikanischem und italienischem Pass mit Gattin Sabrina zwei Töchter: Gianna (14) und Avianna (7), die beide naturgemäß auch Eishockey spielen. Die ältere Tochter sogar gemeinsam mit der Mama in einer Linie bei den Lady Hawks in Villach. Ihr Talent beweist sie aber auch in der österreichischen U16-Nachwuchsauswahl und in den Reihen der Burschen des VSV. „Ich wollte sie nie da reindrängen. Aber sie wusste, dass sie immer zu mir kommen kann, wenn sie spielen wollte. Aber ich bin extrem stolz auf sie“, sagt der Vater.
Er selbst spielte in den Staaten, Kanada, Italien, Schweden, England und Österreich. Oft wechselte der Lebensmittelpunkt. „Das ist mein Leben seit ich 15 Jahre alt bin. Da bin ich von zu Hause weg und ich bin es so gewöhnt. Man lernt viele Orte und Menschen kennen.“ Mit dem Ende der aktiven Karriere 2019 endete das Umziehen nicht. Ein Jahr war DiCasmirro alleine in den Staaten („Das haben wir irgendwie geschafft.“), dann folgte ihm die Familie nach Übersee. Und so erfuhren auch die Töchter die „Hockey-Lebensweise“ selbst. „Sie leben sich beide sehr gut ein und finden sich schnell zurecht“, sagt der Vater. 2024 tat sich dann die Chance auf, nach Österreich zu gehen, das Quartett kehrte gewissermaßen „heim“. Nate arbeitet in Graz, seine Familie lebt in Villach, wo sich die Eltern auch kennen- und liebengelernt haben, als Nate beim VSV spielte.
Eine starke Frau hinter sich
Das Pendeln zwischen Mur und Drau erledigt er gelegentlich mit der Bahn und nutzt die Zeit zum Videostudium. „So zu leben ist vielleicht nicht üblich, aber wir bekommen das so gut hin und es geht uns gut. Auch, weil meine Frau seit Jahren Großartiges leistet.“ Eine starke Frau hinter sich zu haben, „ist in so einem Sport essenziell. Mit mir ist es manchmal sicher nicht einfach, aber jemanden zu haben, der selbst auch Eishockey spielt und einen versteht. Ein Partner, der mit den Stimmungen umgehen kann, ist einfach großartig“. Und wenn es auf dem Eis auch noch so stressig und erfolgreich ist, gibt es nicht viel Besseres, als zu Hause aufzuwachen und selbstgemachte schwedische Pancakes mit seiner Familie zu genießen. „Für so ein Leben ist bestimmt nicht jeder gemacht“, sagt Sabrina, „manchmal ist es schon zach, ja. Aber es ist eben unsere Art, zu leben.“ Ein Leben, dass die Familie DiCasmirro genau so liebt, wie es ist.