Der KAC ist ausgeschieden und die 99ers somit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Staatsmeister. Mit dem 0:3 in Fehervar haben die Klagenfurter die Serie 2:4 verloren, und somit sind die Grazer der letzte heimische Verein im laufenden Bewerb. Der wird am Sonntag mit dem Start in das Halbfinale fortgeführt, und da empfangen die Grazer die „Teufel“ von Fehervar im restlos ausverkauften Bunker (15.15 Uhr). Auch wenn Gold glänzt, ist das Ziel noch lange nicht erreicht, denn der Liga-Triumph steht über allem. „Das ist eine tolle Geschichte“, freute sich 99ers-Sportdirektor Philip Pinter. „Aber im Prinzip wissen wir jetzt nur, wer der Halbfinalgegner ist – nicht mehr und nicht weniger. Wir können uns jetzt noch drei Tage gut vorbereiten und sind vor Fehervar gewarnt.“
Ganze zweimal hat sich die Medaille des Staatsmeisters im Eishockey seit der Liga-Gründung im Jahr 2000 nur angefühlt wie ein Trostpflaster, das um den Hals baumelt. Beide Male hat Bozen die Salzburger Bullen im Ligafinale geschlagen und die „Karl Nedwed Trophy“ abgeholt. Den Bullen blieb als am besten platziertes heimisches Team der kleinere Kelch des Meisters. „Ohne den Titel eines Staatsmeisters schmälern zu wollen, aber in so einem Moment ist der einfach nichts wert“, sagt Matthias Trattnig (46), der beide Final-Niederlagen schmerzlich miterlebt hatte. „Du spielst das ganze Jahr über, um die Liga zu gewinnen, und nur das zählt.“ In der Serie 2017/18 verlor Salzburg im siebenten Spiel gegen die Füchse, in der Spielzeit 2013/14 im fünften und entscheidenden, da die Serie auf „Best of five“ wegen Olympia verkürzt wurde. „So ein Spiel zu verlieren, das ist die brutale Härte, die der Sport haben kann. Wenn du diese Niederlage einmal gekostet hast, dann willst du nur noch gewinnen und den Sieg schmecken.“ Der gebürtige Grazer labte sich insgesamt sechs Mal an der Süße des Liga-Triumphs.
Schichl hat „steirisch trainiert“
In der Saison 2017/18 litt auch ein aktueller Spieler der Grazer mit der Staatsmeistermedaille um den Hals auf dem Eis, als Bozen feierte: Michael Schichl. „Du willst einfach nur die Liga gewinnen. Der Meistertitel ist ein Trostpflaster. Aber ob du das bekommst oder nicht, ist eigentlich auch egal.“ Und die Grazer halten so das Ziel, die „Karl Nedwed Trophy“ erstmals nach Liebenau zu holen, fest im Blick, ohne einen Gedanken an zu Fernes zu verlieren. Sie konzentrieren sich einzig auf den kommenden Sonntag, wenn der Bunker im ersten Spiel des Halbfinales restlos ausverkauft ist. „Wir haben saftig, steirisch trainiert“, sagt Schichl und lacht, „wenn du so eine lange Spielpause hast, musst du drauf bleiben, sonst erlebst du vielleicht eine Überraschung.“
Ein Ligatitel für seine Geburtsstadt würde Trattnig sehr freuen und auch Präsident und Mäzen Herbert Jerich hat es ihm angetan. „Ich habe diese Typen immer gemocht. Die, die herausstechen und ein bisschen aus der Linie ausbrechen.“ So erlebte er in der Jugend Grazer Eishockey unter Zampano Hannes Kartnig. Er spielte in der Saison 1995/96 sogar 17 Spiele für die Elefanten, als seine große Karriere im vollkommen verrauchten Bunker begann. „Da stand groß ‚Rauchen verboten‘ auf der Wand, aber es haben alle gequalmt“, sagt Trattnig und lacht. „Dennoch: So eine coole Stimmung wie damals habe ich selten noch einmal erlebt.“