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ReportageBlack Wings Linz könnten zur ewigen Baustelle werden

Peter Freunschlag war 13 Jahre Präsident der Black Wings. Sein Rücktritt garantiert nicht, dass Linz wieder eine Eishockey-Hochburg wird. Zu viel Porzellan wurde zerschlagen.

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Peter Freunschlag hat einen Scherbenhaufen hinterlassen
© Gepa
 

Eine klubextern von seinem designierten Nachfolger in Auftrag gegebene und relativ kurz gehaltene Presseaussendung, ein paar Worte des Dankes an seinen Vorgänger und vorbei war sie, die rund 13 Jahre andauernde Präsidenten-Ära von Peter Freunschlag bei den Steinbach Black Wings 1992. Peter Nader, jener 52-jährige Rechtsanwalt, der von seinem Klienten Freunschlag im Mai 2020 in das Amt des Vizepräsidenten gehievt wurde, will/soll/muss der neue starke Mann bei den Black Wings werden.

Eine Position, die er nie angestrebt habe, sagt Nader: „Ich habe mir da jetzt ein Binkerl umgehängt. Es war notwendig, nach einer Saison wie der abgelaufenen einen Umstrukturierungsprozess einzuläuten.“  Infolge eines völlig verkorksten Grunddurchgangs verpasste eine Linzer Mannschaft zum ersten Mal seit 15 Jahren – wenn auch letztlich ganz knapp – den Einzug in die Play-offs.

"Mission impossible"?

Naders ambitionierte Vorstellung, den nach einer eskalierten Vorstandssitzung im März 2020 (damals hatte sich Freunschlag mit seinen „Vizes“ Karl Egger, Peter Zauner und Peter Matausch wegen der Personalie Christian Perthaler überworfen) entstandenen Scherbenhaufen aufzuräumen und aus Linz wieder eine Eishockey-Hochburg zu zaubern, klingt nett. Allein die Umsetzung wird zu einer Herkulesaufgabe, manche sprechen sogar von einer „Mission impossible“. „Es ist notwendig, dass man das Negative rausfiltert und nur nach vorne schaut. Es ist so eine Eishockeylobby in Linz gegeben. Wenn wir gut arbeiten und erfolgreich spielen, kommen auch die Sponsoren wieder“, glaubt Nader.

Die Black Wings brauchen neue Einnahmequellen. Zuletzt war die Zahlungsmoral überschaubar, Profis und Ex-Betreuer haben den Klagsweg beschritten und auch die Spielergewerkschaft kontaktiert. In der Spielzeit 2020/21 haben den Klub Coronaförderungen des Bundes, Kadereinsparungen und der Einstieg des Namens- und Hauptsponsors „Steinbach“ über Wasser gehalten. Letzterer soll nicht der Einzige gewesen sein, der einen Rückzug Freunschlags „angeregt“ hatte. Die vielen Negativschlagzeilen ließen ein Engagement bei den Black Wings nicht unbedingt attraktiv erscheinen.

Wird jetzt wirklich alles anders? „Peter Freunschlag hat keine Funktion mehr im Verein, er wird nicht entlastet“, sagt Nader, der sich trotzdem eine weitere Zusammenarbeit mit Freunschlag vorstellen kann: „Ganz weg wird er nie sein. Ich möchte, dass er dem Verein erhalten bleibt. Es muss geschätzt werden, was er erreicht hat.“

Ganz weg ist Freunschlag nicht

Ein Rücktritt Freunschlags, der sich einen würdevolleren Abgang vorgestellt hatte („Ausgemacht war eine Pressekonferenz“), wirkt sich vorerst nur auf dem Papier aus. „Ich bleibe Sponsor und stehe mit Rat und Tat zur Seite“, erklärte der Immobilien-Unternehmer, unter dem die Black Wings 2011/12 Meister gewesen waren. Auch Spieler- und Trainerwohnungs-Vereinbarungen dürften weiterhin über Freunschlag abgewickelt werden.

Die Sehnsucht nach rosigeren Zeiten könnte einen Dämpfer erleiden, wenn die Black Wings brutal von der Vergangenheit eingeholt werden. Gegen Freunschlag („Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“) ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des schweren Betrugs und der Abgabenhinterziehung (Stichworte: Ticketing, Gastronomie), außerdem prüft die Finanz seit Monaten Freunschlags Firmengeflecht und damit auch die Black Wings. Die Gesundheitskasse könnte ebenfalls Ansprüche geltend machen.

Es verwundert nicht, dass die leidgeprüfte Fan-Szene die Entwicklungen der vergangenen 14 Monate misstrauisch und kritisch beäugt. Dass – wie zu den besten Zeiten – im September Massen in die Eisarena strömen werden, scheint derzeit illusorisch. Freunschlag ist für viele das Feindbild Nummer eins, ein rauer Wind weht auch dem von Freunschlag installierten General Manager Gregor Baumgartner entgegen.

"Match" gegen EHV und Steel Wings

Es gibt unverändert großes Konfliktpotenzial, gefühlt mehr Gegen- als Mitspieler. Zuerst haben die Black Wings mit der Opposition gestritten. Dabei handelte es sich um den zu Ostern 2020 gegründeten EHV Linz (mit Perthaler als Geschäftsführer), der nach dem Absprung der stadtnahen Partner Linz AG und LIWEST Ende Februar 2021 den Antrag auf Aufnahme in die ICE Hockey League zurückziehen sollte.

Jetzt lautet das Match Black Wings gegen die eigenständigen Steel Wings Linz, die mit den Eishockey-Legenden Robert und Philipp Lukas eine gern in Anspruch genommene Heimat für den Nachwuchs anbieten. Geht es nach Nader, sollten aber alle (vom Youngster bis zum Spitzenspieler) unter einem Dach sein – nämlich bei den Black Wings.

Beide Vereine haben Nennungen für die zweitklassige Alps Hockey League abgegeben, am 10. Mai fällt die Entscheidung, wer (von den beiden) an Bord ist. Der Aufschrei ist aber schon jetzt groß. Vor allem bei den italienischen Klubs, die es längst satt haben, mit einer Flut von österreichischen „Farmteams“ überschwemmt zu werden.

Conclusio: Solange in Linz nicht alle an einem Strang ziehen, wird sich diese Eishockey-Großbaustelle nicht schließen lassen.

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