Keine Frage, jeder Mensch freut sich über eine arbeitsfreie Zeit. Bei Ulrich Lanz hat das Hoffen auf einen Tag, an dem nichts zu tun ist, aber einen speziellen Hintergrund: Der Steirer fungiert mit seinem Team als Turnierarzt der Erste Bank Open in Wien. Und die einfache Formel lautet: Je weniger er im Einsatz ist, desto besser geht es den Spielern. 2019 übernahm Lanz, seines Zeichens Leiter des Sportorthopädie-Zentrums Wien-Hitzing, die Rolle als „Stadthallen-Doc“ von Reinhard Weinstabl, bereits im Jahr darauf stand er schon vor einer Riesenherausforderung, als das Turnier während der Corona-Pandemie knapp vor dem zweiten, österreichweiten Lockdown über die Bühne ging.
Doch war dies eine einmalige Erfahrung. Weit mehr sehen sich Lanz und sein siebenköpfiges Ärzteteam aus den Bereichen Orthopädie, Unfallchirurgie und Allgemeinmedizin in der Wiener Turnierwoche mit körperlichen Problemen bei den Spielern konfrontiert, die von den Strapazen der langen Saison herrühren. So war es auch bei Stefanos Tsitsipas, der am Dienstag seine Teilnahme aufgrund von Rückenproblemen absagen musste. „Im Herbst treten die Probleme bei den Spielern am häufigsten auf. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Abnützungserscheinungen, die sich über das Jahr aufbauen. Und irgendwann explodiert es“, sagt Lanz.
Weil das Wiener Turnier an zwei Standorten in Szene geht (Stadthalle und Marx-Halle), benötigt es pro Spielort vier Ärzte, in der Stadthalle verfügt das Medical Center über eine Laser- und Stoßwellentherapie, Kryotherapie und Ultraschall-Diagnostik. „Ein Verantwortlicher der ATP war so begeistert, dass er gleich Fotos gemacht hat“, freut sich Lanz. Neben Akutfällen stehen beim Ärzteteam auch präventive Behandlungen und Regeneration auf dem Dienstplan. Aber: „Die meisten Spieler haben ihren eigenen Physio dabei. Das hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt.“ Und: „Auch die ATP stellt hier mehrere Physios sowie eine Psychologin, die die Spieler auch im Hotel behandeln, zur Verfügung“, erzählt Lanz.
Der Steirer ist in der heimischen Tennisszene längst kein Unbekannter mehr, führt er doch die Lanz-Dynastie fort und übernahm von Vater Edi die Aufgabe als österreichischer Davis-Cup-Arzt. Seine bisherigen Höhepunkte? „2018, als wir in Moskau sensationell Russland bezwungen haben, und jetzt der Überraschungserfolg in Debrecen gegen die Ungarn.“ Auch beim Final-8-Turnier in Bologna (ab 18. November), wo Österreich im Viertelfinale auf Gastgeber und Titelverteidiger Italien trifft, wird Lanz dabei sein. Sein Tipp: „Auch ohne Jannik Sinner sind die Italiener haushohe Favoriten. Aber sag niemals nie, ich setze auf ein 2:1 für Österreich“, schmunzelt der Grazer, der natürlich auch in Bologna auf so wenig Arbeit wie nötig hofft.