Der Mix aus Theorie und Praxis, den die Lehrausbildung bietet, ist weltweit angesehen und in Österreich zahlenmäßig weiterhin der am häufigsten gewählte Ausbildungsweg nach der Pflichtschule. Externe Faktoren setzen diesem Erfolgsmodell aber zu. Zum einen schlägt die Demografie durch: Es gibt wesentlich weniger Jugendliche als noch vor zwanzig Jahren. Zum anderen strahlt die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage auf den Nachwuchs aus. Die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehre beginnen, wie auch die über Jahre konstante Gesamtzahl an rund 15.000 Jugendlichen in der Steiermark, die gerade eine Lehre absolvieren, gehen leicht zurück.

„Umso wichtiger sind nachhaltige Attraktivierungsmaßnahmen, um dieses Fundament unserer Wirtschaft und damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts abzusichern“, betont der Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Josef Herk. Ein Teil dieses Aus- und Weiterbildungsangebots wurde kürzlich gestärkt: Die zuletzt in Graz-Puntigam untergebrachte Chemie-Akademie ist auf den Bildungscampus der Wirtschaftskammer übersiedelt. Angeboten werden hier ein Chemie-Kolleg, eine Werkmeisterschule für Technische Chemie und Umwelttechnik sowie Fortbildungen. Die Absolventen sind in der Industrie sowie im öffentlichen Bereich und an Universitäten hoch begehrt.

Auf Bundesebene wurde zudem ein wichtiger Schritt Richtung Aufwertung der nichtakademischen Qualifizierung gesetzt. Denn für jene, die zwar über eine Berufsausbildung oder mehrjährige Arbeitserfahrung, jedoch über keine Matura oder einen Studienabschluss verfügten, war auf der Karriereleiter bislang schnell Endstation. Diese Lücke wurde jetzt geschlossen. Mit der Höheren Beruflichen Bildung (HBB) gibt es auf Drängen der Unternehmensvertretung jetzt ein Weiterqualifizierungsangebot, das auf berufsspezifischem Know-how aufbaut und innerhalb des heimischen Bildungssystems entsprechend verankert ist. Ab Anfang kommenden Jahres starten entsprechende Bildungsangebote, die nach und nach ausgebaut werden sollen. Die Ausbildung endet mit einem Fachdiplom bzw. Höheren Fachdiplom und ist dem Bachelor und Master auf akademischer Ebene gleichgestellt. Diese neuen Abschlüsse stärken auch die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Fachkräfte, denn ihre Qualifizierung wird international vergleichbar.

Am Wort

Josef Herk spricht über die Relevanz des Ausbaus von Qualifizierungsmaßnahmen
Josef Herk spricht über die Relevanz des Ausbaus von Qualifizierungsmaßnahmen © Foto Fischer
Ilse Bartenstein betont die guten Jobchancen nach der Chemie-Akademie
Ilse Bartenstein betont die guten Jobchancen nach der Chemie-Akademie © Foto Fischer