Der Weg zu einer tiefen Freundschaft mit dem Karst ist steinig. Steinig wie die aufgeschichteten Mauern, die sich als Schutz gegen die wütende Bora durch die Landschaft ziehen. Steinig wie die alten Häuser in den engen Gassen der Dörfer Medeazza, Malchina, Santa Croce, Prosecco, San Pelagio, Contovel lo oder Bagnoli della Rosandra. So wie die rote Erde (Terra Rossa), in der sich die Wurzeln des blutroten Terrano tief in die Erde graben, um die Mineralien des Bodens an die Trauben weiterzugeben und felsig wie die Hundertschaft an Höhlen und Grotten, die den Karst wie einen Emmentaler Käse durchlöchern. Doch wenn man einmal Freundschaft mit der auf den ersten Blick archaischen, oft abweisenden Landschaft geschlossen hat, das unsagbar blaue Meer in der Ferne, die rosa rote Zartheit der Perückensträucher im Frühjahr und im Herbst, das „in allen Rottönen „brennen de Laub“ („il Carso brucia“) erlebt hat, kann man sich nicht mehr trennen. So ist es eben mit guten Freunden.
Die Besitzer der Osmiza „Torri di Slivia“ in Slivia besitzen seit 1990 eine Privatgrotte. Wenn man sich vorher anmeldet, darf man in einem kleinen Zug zur Grotte schaukeln. Nach 50 steilen Stufen tut sich eine wunderbare, bunte Welt aus Stalagmiten und Stalagtiten auf – Tropfen für Tropfen erbaut in Jahrmillionen. „Torri di Slivia“ ist zwar ein gutes Stück kleiner als die „Grotta Gigante“ in deren unterirdischen Saal der Petersdom passen soll, aber durch ihre Formationen wunderschön.
Auch Benjamin Zidarich hat eine private Grotte, dort lagert er in mehreren Etagen bei beständigen 15 Grad Celsius seine Weine: Malvasia, Vitovska und Terrano, die er auch in seiner Osmiza aus schenkt. Ebenso Nachbar Edelwinzer Sandi Skerk nützt die Natur mit ihren großzügigen Lagerräumen unter der Erde. Am Ortsrand von Prepotto geht Dario Zidarich einem ganz anderen Erwerb nach: Er erzeugt Käse aus Kuhmilch. Alle vier Monate schultert er ein paar Käselaibe und seilt sich in seine 70 Meter tiefe Höhle ab. In vier Monaten nimmt der Käse die Mineralien der Felsen in sich auf, dann wird er, unter dem Namen Jamar, wieder an die Oberfläche transportiert. „Ein gefährliches Unterfangen“, sagt Dario, doch was tut man nicht für den besten Käse im Karst.
Wenn im Herbst die Bora oft mit 160 Stundenkilometern übers Land fegt, an Fensterläden rüttelt und die Landschaft zerzaust, freut sich Familie Pahor in Jamiano, nahe dem Karstsee Doberdo, der einmal verschwindet, um dann wieder an die Oberfläche zu kommen. Die Bora lässt ihren Pršut perfekt trocknen und reifen.
Im Val Rosandra wiederum sorgt die salzige Meerluft für das einzigartige Aroma des „Olio extra vergine di oliva Tergeste“ aus der autochthonen Bianchera-Olive.
Der Karst ist eine „Traumgegend“ für Wanderer und Radfahrer. Zahlreiche, gut beschriebene Wege führen durch die Landschaft und überall wird man eine einladende Osmiza finden oder gastliche Bauern, die vorwiegend zur slowenischen Minderheit gehören. Sie laden zu einer Jause und einem kühlen Glas Wein. Die meisten gut beschriebenen Wege führen ans Meer, wie zum Beispiel der Fischer, der Salbei, der Rilkeweg, die Via Napoleonica oder der Alpe Adria Weitwanderweg, der zwei Etappen lang durch den Karst bis Muggia führt.