Vertrauen und Engagement sind gefragt

Seit dem Frühjahr 2018 ermöglicht die Pflegestiftung arbeitssuchen Personen eine Ausbildung in der Pflege. Aktuell startet die Stiftung im zweiten Anlauf durch.

Freude am Beruf und die Motivation, die Ausbildung auch abzuschließen werden für die Teilnahme an der Pflegestiftung gefordert © Nicholas Martin
 

Die mit dem Frühjahr 2018 gestartete Stiftung soll in rund zwei Jahren 500 Arbeitssuchenden eine erfolgreiche Ausbildung zur Pflegeassistenz ermöglichen. Ins Leben gerufen wurde die Stiftung durch das Land Steiermark, das AMS und die Trägerorganisationen in der Wirtschaft. Um die Ausbildung absolvieren zu können brauchen Interessenten die Zusage des AMS, einen Betrieb, der einen Stiftungsplatz zur Verfügung stellt und eine Ausbildungsstätte.

Gerade der Start erwies sich für die Stiftung jedoch als holprig. „Der Beginn der Ausbildung hat sich immer weiter verschoben. Die letzten Wochen waren für uns recht nervenaufreibend. Zum Glück hat es aber trotzdem funktioniert“, erzählen Caroline Hermann und Ali Husseini. Gemeinsam besuchen sie im Rahmen der Pflegestiftung die Caritas Schule zur Pflegeassistenz.

Der langsame Start sei in organisatorischen Gründen zu finden, erläutert Birgit Poier, Direktorin der Caritas Schule: „Dadurch, dass die Wirtschaftsinitiative WOF, die gemeinsam mit verschiedenen Ausbildungsbetrieben wie der Caritas für die Abwicklung der Pflegestiftung verantwortlich ist, noch wenig Erfahrung im Sozialbereich hatte, kam es am Anfangs zu Unsicherheiten.“ Auch darum bekundeten viele Betriebe im ländlichen Bereich einen geringeren Bedarf an neuen Pflegekräften als zunächst angenommen. „Gerade durch die Schwierigkeiten zu Beginn haben viele Betriebe zögerlich auf das Angebot reagiert“, führt Poier aus. „Es braucht einfach etwas Vertrauen darauf, dass das Ausbildungsprogramm funktioniert. Das Engagement der einzelnen Beteiligten ist auf alle Fälle da.“

Birgit Poier, Direktorin der Caritas Schule Foto © Nicholas Martin

Nun nimmt die Pflegestiftung einen zweiten Anlauf. Die Abwicklung des Kontakts zu den Pflegeeinrichtungen wurde an einen neuen Anbieter, die Zam Steiermark, überantwortet und erfolgt jetzt über Regionalstellen – so ist eine engere Zusammenarbeit mit den Trägerorganisationen möglich. Aktuell wird nach neuen Auszubildenden und neuen Betrieben gesucht. Auch an der Caritas Schule ist bemerkbar, dass die Stiftung erst jetzt richtig durchstartet. „Aktuell haben wir in Graz zwei Klassen, die über das Stiftungsmodell laufen. In Kürze werden vermutlich noch zwei weitere dazukommen“, freut sich Poier. Zusätzlich wird es ab Herbst 2019 noch eine Ausbildungsmöglichkeit in der Oststeiermark bei der Caritasschule in Preßguts geben und eine in Leibnitz.

Sowohl Caroline Hermann als auch Ali Husseini hatten über das AMS von der Pflegestiftung erfahren. Hermann war dabei bis zum Start der Stiftungsausbildung in einem anderen Berufsfeld tätig – Husseini ist ausgebildeter Schneider. Beide haben aus Liebe zum Beruf die Umbildung in Angriff genommen. „Das Interesse am Pflegeberuf war bei mir schon immer da. Gerade aus finanziellen Gründen war für mich eine Umorientierung jedoch erst durch die Stiftung möglich“, erzählt Hermann, die zuvor auch schon als Krisenpflegemutter tätig war.

Die Patienten geben viel zurück, sind sich Hermann und Husseini einig Foto © Rido
„Im Auswahlverfahren achten wir besonders darauf, dass die Bewerber Freude daran haben, mit Menschen zu arbeiten. Alles Fachliche kann man lernen“, betont Poier. An ihrem neuen Beruf in spe schätzen Ali Husseini und Caroline Hermann die Dankbarkeit ihrer Patienten. „Viele Patienten bedanken sich überschwänglich dafür, dass man für sie da ist“, berichtet Husseini. Ihre Jobchancen schätzen die beiden gut ein. Dadurch, dass bereits vor Beginn der Ausbildung eine fixe spätere Arbeitsstelle gefunden wird, ist der Berufseinstieg gesichert. „Es sind sich alle darin einig, dass es die Pflegestiftung braucht. Ohne sie wird der Fachkräftemangel in der Steiermark in den nächsten Jahren nicht zu decken sein“, so Poier. „Was wichtig wäre, ist auch eine Aufwertung des Pflegeassistenzberufs im Allgemeinen. Es wird jeden Tag wichtige Grundarbeit geleistet, ohne die eine Pflegebetreuung nicht möglich wäre.“

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