Hamilton baute mit Singapur-Sieg WM-Führung aus

Lewis Hamilton fährt unaufhaltsam seinem fünften Formel-1-WM-Titel entgegen. Der britische Mercedes-Star dominierte am Sonntag den Hitze-Grand-Prix von Singapur und baute sein Punktepolster auf den nur drittplatzierten Ferrari-Piloten Sebastian Vettel auf 40 Zähler aus. Profiteur von Ferraris falscher Reifenstrategie wurden auch Red Bull und Max Verstappen, der Zweiter wurde.

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Das Nachtrennen am Marina Bay Street Circuit war im Vorfeld als idealer Ort für Vettel zum WM-Konter ausgemacht worden - es endete aus Ferrari-Sicht mit einer Enttäuschung. Denn nachdem Hamilton sich am Vortag mit einer "magischen" Qualifying-Runde die Pole Position geschnappt hatte, gab der fehlerlose Brite den Platz an der Sonne auch tags darauf nicht mehr her. Als in Singapur das Flutlicht ausging, stand Hamiltons 69. Karriere-GP-Sieg zu Buche, es war sein insgesamt vierter in Singapur nach 2009, 2014 und 2017.

"Was für ein Wochenende!", jubelte der Sieger am Boxenfunk und lobte später seinen Mercedes-Rennstall überschwänglich. "Wir haben als Team einen super Job gemacht." Auch Motorsportchef Toto Wolff war im ORF-Interview hochzufrieden. "Heute ist alles super gelaufen, wir haben die Pace kontrolliert. Es freut mich ganz besonders, dass wir in Singapur - wo wir schon so gelitten haben - ein Auto hatten, das schnell war." Weil auch Valtteri Bottas (Mercedes) als Vierter vor Kimi Räikkönen (Ferrari) ankam, baute Mercedes die Führung in der Teamwertung auf 37 Punkte aus.

Vettel deutete einen Selbstfaller in Rot an. "Ich habe vor dem Wochenende gesagt, dass wir uns nur selbst schlagen können. Heute haben wir ganz klar nicht das herausholen können, was möglich wäre", sagte der fast resignierend wirkende Deutsche. "So, wie wir heute gefahren sind, hatten wir keine Chance. Unter dem Strich waren wir einfach nicht schnell genug."

Ganz anders sah die Bilanz freilich im Red-Bull-Rennstall aus. Verstappen freute sich über ein "großartiges" Ergebnis, der Niederländer wollte wie Motorsportberater Helmut Marko das Maximum herausgeholt haben. "Wir sind froh, dass es Platz zwei geworden ist. Taktisch war nichts anderes möglich, wir haben das Tempo von Mercedes nicht mithalten können", sagte Marko.

Der Stadtparcours von Singapur gilt wegen der Hitze und Luftfeuchtigkeit als der härteste des ganzen Jahres. "Es war gefühlt das längste Rennen meines Lebens, Max hat mir das Leben wirklich schwer gemacht", sagte Hamilton, der erst vor wenigen Tagen für den Launch seiner Modekollektion quer über den Globus gejettet war.

Das nächste Rennen findet in zwei Wochen in Sotschi in Russland statt, danach folgen noch fünf weitere. Von einer WM-Vorentscheidung wollte im Mercedes-Lager noch niemand sprechen. "Wir haben jetzt noch sechsmal 25 Punkte zu vergeben. Wir haben in Österreich gesehen, wie schnell es gehen kann und plötzlich stehst du mit null Punkten da", erklärte Wolff. "Wir müssen weiter pushen!"

Der Start des Nachtrennens verlief turbulent. Force-India-Pilot Sergio Perez übersah seinen Teamkollegen Esteban Ocon, dessen Auto nach der Rad-an-Rad-Berührung völlig demoliert an der Mauer hängen blieb. Auch Vettel blieb seiner aggressiven Starttaktik von zuletzt treu und anders als in Monza und Spa klappte der Überholversuch: Der Deutsche zog noch vor der Safety-Car-Phase am Quali-Zweiten Verstappen vorbei.

Weniger spannend ging es an vorderster Position zu, wo Pole-Setter Hamilton gut wegkam, um im Anschluss ein anfangs tempoarmes Rennen souverän zu kontrollieren. Ferrari zockte, Vettel kam als erster Fahrer in die Box - der Zug erwies sich als die doppelt falsche Strategie. Denn nicht nur der zwei Runden später reinkommende Hamilton blieb nach seinem Wechsel auf die Soft-Pneus vor Vettel, auch Verstappen platzierte sich später - hauchdünn - wieder vor dem Deutschen.

Dem auf den Ultrasoft-Gummis fahrenden Vettel schwante bereits in Runde 20 Böses: "Mit diesen Reifen werden wir es kaum ins Ziel schaffen." Der wie nun Hamilton vierfache Singapur-Sieger sollte mit seinem Reifensatz zwar durchkommen, rollte am Ende aber knapp 40 Sekunden hinter Hamilton über die Ziellinie.

Aufregend wurde es im Kampf um den Tagessieg nur kurz, als Romain Grosjean und Sergej Sirotkin im Infight um die hinteren Ränge trotz blauer Flagge Hamilton beim Überrunden aufhielten. "Da habe ich einen Moment geschluckt", gestand der Sieger im Anschluss. Verstappen witterte kurz die Überholchance, Hamilton machte aber mit seiner ganzen Routine die Tür zu - und fuhr mit seiner Ein-Stopp-Strategie ungefährdet zu seinem siebenten Saisonsieg.

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