Natürlich ist es eine relativ leichte Übung, die livemäßig ausgehungerten Fans nach "ewig" langer Coronapause mit einer ordentlichen Portion Hits zum Hüpfen, Tanzen, Singen und Schreien zu bringen. Aber was die Fantas in Wien im Rahmen ihrer 30 Jahre Live-Jubiläumstour abgeliefert haben, das war um einige Klassen höher angesiedelt: massiv im Sound, souverän in Stimmen und Hip Hop-Choreographie - in Summe schlicht ein Power-Superspreader-Event; dies großartig unterstützt von der grandiosen Band mit Doppel-Percussion und mächtigem Bläsersatz.

Doch am allerdeutlichsten wurde wieder einmal, was für intensiv lebensbejahende, sympathischen Hip Hop-Jungs aus Stuttgart da unterwegs sind, auch wenn die Herren mittlerweile jenseits der 50 sind. Die Fantastischen Vier haben bei weitem nicht nur "leichte" Mithüpf-Songs im Repertoire - aber: keinerlei trottelhafte Gewalt-Attitüden, keinen tiefergelegten Menschenverstand, keine hochgezüchteten Macho-Posen und schon gar keine Diskriminierungs-"Ausrutscher" wie so viele "Kollegas" im deutschen Rap-Business. Die Fantas sind eigentlich die totale Antipode zu all dem - und hoffentlich ist es auch genau das, was sie so anhaltend erfolgreich macht.

Jedenfalls blieben Band und Publikum einander schon sehr lange "Troy", kein Zufall also, dass der Kracher der Abschluss des regulären Programms war. Zuvor war so ziemlich alles an Material versammelt, was der Fanta4-Fan so benötigt: von "Was geht" (mit dem genialen Sample aus Beyonces' "Crazy in Love") und "Ernten was wir säen" über das programmatische "Zu geil für diese Welt" bis zum sehr entspannten "Ein Tag am Meer". Der ganz besondere Moment des Abends: Thomas D. solo mit einer bombastischen Version von "Krieger".

Verabschiedet von den voll mitgerissenen Wiener Fans haben sich die wirklich sehr Fantastischen Vier mit "Populär" und - eigentlich das Motto des Abends - "Zusammen".