Es ist doch immer das Gleiche: Er tötet sie und das wird schon einen Grund gehabt haben. Vielleicht ist sie fremdgegangen, hat den Haushalt vernachlässigt oder hat sich wie Marie von einem anderen Mann Ohrringe schenken lassen. Vielleicht war er gestresst, stand unter Druck oder hatte psychische Probleme - auf Woyzeck trifft alles davon zu. Dennoch: Ein Femizid bleibt ein Femizid, und Frauenhäuser reden sich den Mund fusselig, dass es zuerst einmal um die Betroffene gehen muss, bevor man versucht, den Täter zu verstehen. Bösch hat seinen Woyzeck gemäß dieser Empfehlung angelegt und tut alles, um erst gar keinen Anflug von Beschwichtigung à la "sie hat ihn ja betrogen" oder "die Welt war so gemein zu ihm" beim Publikum aufkommen zu lassen - ob das Erfolg hat, liegt freilich auch am Empfänger der Botschaft.
Linz
"Woyzeck" - Femizid mit weiblichem Nachwort in Linz
Ein Femizid der Literaturgeschichte hat in Linz ein ausführliches weibliches Nachwort bekommen: Landestheater-Schauspielchef David Bösch inszenierte Georg Büchners 1836 geschriebenes Dramenfragment "Woyzeck" geradlinig schlicht und setzte dann einen aktuellen Text von Gerhild Steinbuch dran, um der getöteten Marie, aber auch allen anderen von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen, eine Stimme zu geben. Am Samstag war Premiere im Schauspielhaus.
© APA/Landestheater Linz