Die Kunstbiennale in Venedig gilt neben der documenta in Kassel als wichtigste Präsentation zeitgenössischer Kunst. Erst kürzlich wurde bekanntgegeben, dass die Direktorin des Georg Kolbe Museums in Berlin, Kathleen Reinhardt, den Deutschen Pavillon im kommenden Jahr kuratiert.
Künstlerinnen stellen Frage nach historischer Verantwortung
Über die Benennung der Künstlerinnen, die in Berlin leben und arbeiten, sagte Reinhardt: "Mit ihrem konzeptuellen und bildhauerischen Werk stellen Sung Tieu und Henrike Naumann Fragen nach historischer Verantwortung und der Rolle individueller wie kollektiver Handlungsmacht aus der Perspektive einer jungen Generation, die die großen Themen des Deutschen Pavillons in einem komplett anderen Koordinatensystem verortet."
Die 1984 in Zwickau (damals DDR) geborene Henrike Naumann nutzt Möbel und Design in ihrer Kunst, um über Gesellschaft und Politik zu sprechen. Sie beschäftige sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit der Frage, wie Gesellschaften soziale und politische Umbrüche gestalten und verarbeiten, sagt Naumann.
Aufgewachsen zwischen politischen Systemen, entwickelt die 1987 in Vietnam geborene Sung Tieu ihr Werk im Spannungsfeld von Biografie und Geopolitik. In ihren Arbeiten setzt sie sich etwa mit den Nachwirkungen des Kalten Krieges und kolonialen Verflechtungen auseinander, hieß es. Dabei verbindet sie Skulptur, Fundstücke, Klang, Video, Fotos und Text zu Installationen.
Yael Bartana und Ersan Mondtag gestalteten Pavillon 2024
Die 1895 gegründete Kunstbiennale Venedig ist weltweit das älteste Forum für zeitgenössische Bildende Kunst. Künstler wie Gerhard Richter und Joseph Beuys haben den Deutschen Pavillon bespielt. 2024 wurde er von der israelischen Künstlerin Yael Bartana und dem Berliner Theaterregisseur Ersan Mondtag gestaltet.
Österreich hat bereits Anfang des Jahres bekanntgegeben, wer den heimischen Pavillon in Venedig bespielen wird: die Choreografin und Tänzerin Florentina Holzinger. Die 39-Jährige hat kürzlich an der Berliner Volksbühne mit "A Year without Summer" für Furore gesorgt. Die Produktion gastiert von 19. bis 21. Juni zum Ende von Bettina Koglers Intendanz am Tanzquartier Wien im Wiener Volkstheater. Holzinger hat die Jury gemeinsam mit Kuratorin Nora-Swantje Almes mit dem Projekt "Seaworld Venice" (Arbeitstitel) überzeugt. Im Vorjahr gestaltete Anna Jermolaewa den österreichischen Beitrag.