In Sarah Kanes 1996 uraufgeführter Version des antiken Familiendramas über die von Aphrodite verfluchte und mit leidenschaftlicher Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolytos gestrafte Ehefrau von König Theseus sitzt der schöne Jüngling gelangweilt und depressiv vor dem Fernseher, hat sich von der Welt zurückgezogen und nur an Sex Interesse - obwohl der ihn eigentlich gar nicht anturnt. Junghanns hat die von der britischen Dramatikerin in die Gegenwart geholte und mit heutigen psychischen Leiden in Bezug gesetzte Bearbeitung in ihrer vierten Arbeit für das Volkstheater jedoch wieder in die Ferne gerückt. Ihre 75-minütige Inszenierung ist so etwas wie eine paradoxe Intervention, eine Installation, die innere Vorgänge stilisiert und ausstellt, aber nicht nachvollziehbar macht.
Wien
"Phaidras Liebe" im VT: Die Ausstellung der Innerlichkeit
Halbnackte Gestalten kriechen zwischen herabhängenden Lampen über den Boden und zeigen in engen Lichtkegeln ihr Begehren und ihre Körperbemalung. Dazu tönt ein archaischer Trommelsound vom Band. Für ihre Inszenierung von "Phaidras Liebe" hat Laura N. Junghanns die "Dunkelkammer" unterm Dach des Wiener Volkstheaters in eine Höhle verwandelt, in eine Geisterbahn-Station, eine Peepshow-Bühne für ein Spiel zwischen Abstoßung und Anziehung.
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