Auf die Frage, ob sie die von der SPÖ Burgenland beauftragte Umfrage, in der Doskozil als fiktiver Spitzenkandidat besser abschneidet, treffe, antwortete Rendi-Wagner: "Nein, das trifft mich nicht." Es habe in den vergangenen Jahren "sicher hundert Umfragen", wenn nicht mehr gegeben. Diese änderten sich auch sehr schnell. "Sie ist fix", meinte die SPÖ-Chefin zu ihrer Spitzenkandidatur. Doskozil sei auch nie tatsächlich gegen sie angetreten.

Nachdem sich Doskozil zuerst noch Schelte aus Oberösterreich wegen der lancierten Umfrage zur kommenden Spitzenkandidatur bei der Nationalratswahl anhören musste, outete sich Salzburgs Landesparteichef David Egger am Mittwoch als Fan des Burgenländers: "Hans Peter Doskozil macht einen Topjob und trifft mit seiner klaren sozialdemokratischen Politik den Nagel auf den Kopf.", sagte er in den "SN". Man habe mit Rendi-Wagner eine gewählte Bundesvorsitzende, derzeit stehe keine Nationalratswahl an und die Frage der kommenden Spitzenkandidatur würden die Parteigremien entscheiden, sagte Egger freilich auch.

"Die Frage der Spitzenkandidatur wird in der SPÖ innerhalb der entsprechenden Parteigremien geklärt, wenn eine Wahl ansteht", teilte der Kärntner SPÖ-Chef und Landeshauptmann Peter Kaiser auf APA-Anfrage schriftlich mit. In der "Tiroler Tageszeitung" betont er, wenn die SPÖ als Team auftrete, sei sie um ein Vielfaches besser als ÖVP oder FPÖ: "Für mich gehört Doskozil zu diesem Team. Ebenso wie ein Michael Ludwig, Peter Kaiser, Barbara Teiber, Doris Bures, Christian Kern und viele andere." Gleichzeitig bot er Doskozil an, das unter Christian Kern gemeinsam erstellte Asyl-Papier zu bearbeiten, wenn sein Landeshauptmann-Kollege eine Akzentuierung wolle.

Wiens Bürgermeister Ludwig stellte sich indes hinter Rendi-Wagner: "Meine Meinung ist bekannt. Daran hat sich nichts geändert." Zuletzt hatte der Bürgermeister in der "Welt" gemeint, ohne Wenn und Aber werde die Parteivorsitzende auch die Spitzenkandidatin sein.

Auch der Arbeitnehmerflügel der Partei meldete sich zur Debatte zu Wort. "Pamela Rendi-Wagner ist die gewählte Vorsitzende der SPÖ und wird daher die Spitzenkandidatin bei der nächsten Nationalratswahl sein", konstatierte Rainer Wimmer, Vorsitzender der Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen in der SPÖ. Mit Umfragen Politik zu betreiben, sei außerdem nicht immer erfolgreich. "Es gibt dafür aktuelle Beispiele", meinte Wimmer wohl mit Blick auf die ÖVP.

Wir beschäftigen uns nicht mit Umfragen", reagierte die SPÖ Niederösterreich. Die Frage der Kandidatur stelle sich nicht. "Pamela Rendi-Wagner ist eine gute Parteichefin, Hans Peter Doskozil setzt mit Migration und Mindestlohn im Burgenland auf wichtige Themen. An medialen Führungsdebatten beteiligen wir uns nicht."

Für die Vorarlberger SPÖ-Vorsitzende Gabriele Sprickler-Falschlunger gibt es auf APA-Anfrage "auf die Frage nach der nächsten Spitzenkandidatin eine ganz klar Antwort: Pamela Rendi-Wagner mit ihrer offenen Art und kompetenten Herangehensweise." Die Zurufe aus dem Burgenland seien entbehrlich. Doskozil könne sich ja der Wahl in den Parteigremien stellen - "dann wird sich zeigen, wie viel Spitzenkandidat in ihm steckt."

Tirols SPÖ-Vorsitzender Georg Dornauer wollte indes auf APA-Nachfrage zur parteiinternen Führungsdebatte weiter nicht Stellung beziehen. Auch in Bezug auf die Asylfrage wollte sich Dornauer nicht äußern. Zuletzt hatte sich Dornauer allerdings im APA-Interview für einen "restriktiveren Kurs" in der Migrations- und Asylpolitik ausgesprochen.

Der steirische SPÖ-Chef Anton Lang wollte am Mittwoch die Diskussion nicht weiter anheizen: "Wir befinden uns inmitten einer beispiellosen Krise, in der viele vor existenziellen Problemen stehen. Jegliche Personaldiskussionen sind daher aus meiner Sicht entbehrlich und gehören in die dafür zuständigen Gremien."

Unbeeindruckt gab sich Doskozils Seite über die diversen Wortmeldungen aus den Bundesländern. Aus der SPÖ Burgenland hieß es dazu am Mittwoch auf APA-Anfrage nur, dass man sich nicht über andere Landesparteien äußere.