Die Entscheidung hat das Board der AQ Austria Ende vergangener Woche getroffen. Der Bescheid liegt noch nicht vor, die Privatuni wurde aber über die wichtigsten Punkte informiert, wie die Qualitätssicherungsagentur der APA bestätigt hat. In einem Schreiben der Privatuni, das am Dienstagabend an die Studierenden ging, hat die Leitung jetzt über die wesentlichen Punkte informiert.

"Der Master-Studiengang Humanmedizin wird widerrufen werden", heißt es darin. Alle aktuell Studierenden im Medizin-Masterstudium, für das Studiengebühren in der Höhe von 12.500 Euro pro Semester anfallen, würden jedoch ihr Studium an der SFU abschließen können, wird mit Verweis auf entsprechende Aussagen von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) betont. Das vorgelagerte Bachelorstudium Humanmedizin wurde dagegen reakkreditiert.

Auch die SFU als Privatuniversität wurde dem Schreiben der Uni zufolge reakkreditiert, ebenso positiv entschieden wurden demnach alle Studiengänge der Psychotherapiewissenschaft, Psychologie, Rechtswissenschaften und Zahnmedizin sowie neu ein Habilitationsrecht der Fakultät für Psychologie.

Der detaillierte Bescheidentwurf, der vom Bildungsministerium bestätigt werden muss, liegt noch nicht vor. Die SFU kann gegen den Bescheid noch Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) einlegen. Rektor Alfred Pritz hat am Mittwoch per Aussendung auch angekündigt, dass man Rechtsmittel prüfe. Außerdem werde eine Neueinreichung vorbereitet, "um unseren Bachelorstudierenden nach Möglichkeit einen verzögerungsfreien Übergang ins Masterstudium zu ermöglichen". Weitere Details will die SFU mitteilen, wenn der für Anfang Dezember erwartete Bescheid inhaltlich und juristisch geprüft wurde.

In einem im Auftrag der AQ Austria erstellten Gutachten wurden nicht nur Probleme beim Medizin-Masterstudium der SFU, sondern noch zahlreiche andere Abweichungen von den geforderten Standards für Entwicklungsplan und Qualitätsmanagement der Hochschule festgestellt. Die Gutachter empfahlen dem Board der AQ Austria darin für eine Reakkreditierung der Privatuniversität insgesamt 51 Auflagen. Die Zulassung sollte außerdem nur für sechs und nicht wie beantragt für zwölf Jahre verlängert werden. Eine hohe Zahl an Auflagen gibt es dabei auch für die Fakultät für Psychotherapiewissenschaft und Psychologie, mit der die Uni 2005 begonnen hatte.

Beim Masterstudium Medizin wurden die Mängel im Bericht aber als "nicht behebbar" eingeschätzt und deshalb der Widerruf der Akkreditierung empfohlen. Grund sind "große Abweichungen von national und international üblichen Standards" bei Personal, Forschungsinfrastruktur und Studienplänen. Zwar trauen die Gutachter der SFU grundsätzlich zu, einen guten Humanmedizin-Masterstudiengang anzubieten - eine Behebung der vielen Mängel sei innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist von zwei Jahren aber nicht möglich.

Die Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) hat in einer Stellungnahme gegenüber der APA die Entscheidung der AQ Austria begrüßt. Es sei gut, dass auf die Forderung der Studierendenvertretung eingegangen wurde und alle Studierenden ihr aktuelles Studium abschließen können, betonte die Vorsitzende Keya Baier (GRAS). Die ÖH sieht außerdem ein weiteres Signal, dass es mehr öffentlich finanzierte Studienplätze in der Humanmedizin braucht - nicht nur als Maßnahme gegen den Mediziner-Mangel, sondern auch um Qualitätsstandards zu sichern. Außerdem seien die Privatuniversitäten an sich infrage zu stellen.

Das sieht wiederum die HochschülerInnenschaft an der SFU naturgemäß nicht so. Es brauche schnellstmöglich Lösungen und Informationen für die betroffenen Studierenden. Derzeit würden rund 250 Personen im dritten und letzten Jahr des Bachelorstudiums Medizin stehen, insgesamt fehlt 600 Bachelor-Studierenden ein Anschlussstudium an der SFU. Gleichzeitig fordern die lokalen Studierendenvertreter "grundlegende Strukturänderungen auch in der Leitungsebene der SFU". Das Vertrauen in die Entscheidungsträger sei "zerrüttet".

Die verlorene Zulassung hat auch Auswirkungen auf die Steiermark: Das Land hatte erst im Frühjahr ein neues Stipendien-Programm mit der SFU etabliert. Dabei übernimmt das Land für 60 Studienanfänger der kommenden drei Jahre die Studiengebühren, im Gegenzug arbeiten diese nach ihrem Abschluss verpflichtend zehn Jahre für die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes). Neun Mio. Euro investiert der steirische Gesundheitsfonds dafür in Summe. Die ersten 20 Stipendiaten begannen diesen Herbst ihre Ausbildung - und werden diese auch garantiert an der SFU abschließen können, hieß es am Mittwoch aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Aber: "Ob die getroffene Vereinbarung zwischen SFU und KAGes erlischt wird rechtlich geprüft."