Der Tagesrekord fiel auf den 3. Juli, da wurden sechs Geisterfahrer gemeldet. An drei weiteren Tagen wurde jeweils fünf Mal Alarm geschlagen.

Bezüglich der Anzahl der Vorfälle liegt Niederösterreich mit 96 Meldungen (2021: 91) deutlich vor der Steiermark und Kärnten. Die wenigsten Falschfahrer wurden mit sieben Meldungen (2021: zwölf) in Wien gezählt, berichtete Ö3. Kärnten verzeichnete demnach einen starken Anstieg, auch in Niederösterreich stiegen die Zahlen. Das Burgenland erreichte mit 21 Meldungen (2021: 17) "einen historischen Höchstwert", landete aber erneut an der siebenten Stelle der neun Bundesländer. Deutlich weniger Geisterfahrer gab es hingegen in Oberösterreich und der Steiermark, und auch in Salzburg, Vorarlberg und Wien sanken die Zahlen. In Tirol blieb die Häufigkeit gegenüber dem Vorjahr gleich.

Werden die Geisterfahrer-Zahlen in Relation zur Gesamtlänge des Autobahn- und Schnellstraßennetzes gesetzt, so rangiert Kärnten auf Rang 1. Die Südautobahn (A2) blieb die Autobahn mit den meisten Meldungen, nämlich 65. Im Verhältnis zur Gesamtlänge waren auf der Murtal-Schnellstraße (S36) in der Steiermark die meisten Falschfahrer unterwegs. Der "Wörtherseeabschnitt" in Kärnten auf der A2 zwischen Klagenfurt und Villach war laut Ö3 das Autobahnteilstück mit den meisten Meldungen - 18 Geisterfahrer wurden hier bemerkt. Dort würden seit Beginn der Aufzeichnungen die absolut meisten Falschfahrer gemeldet. Ein "Hotspot" sei auch der Großraum Villach, wo auf A2, A10, A11 und am Knoten Villach in Summe 54 Geisterfahrer gezählt wurden - jeder siebente in ganz Österreich.

Am meisten Meldungen gab es mit 44 im Juli 2022. Im Jänner und September wurden mit jeweils 25 Geisterfahrern die wenigsten registriert. Erneut waren diese an Wochenenden häufiger unterwegs als an Werktagen, am öftesten an Samstagen. Mehrheitlich werden Geisterfahrerinnen und -fahrer am späten Nachmittag und am späten Abend gesichtet, das geringste Risiko besteht von 6.00 bis 9.00 Uhr.

Die Zahl der Meldungen sei trotz gestiegener Verkehrsfrequenz fast gleichgeblieben, hieß es von der Asfinag, die meisten Falschfahrten seien auf gravierendes Fehlverhalten zurückzuführen. Das Unternehmen als Autobahnbetreiber arbeite laufend an Verbesserungen, "aber den Faktor Mensch können wir nur sehr bedingt beeinflussen", sagte Verkehrssicherheitsexperte Bernhard Lautner. Bei nur etwa zehn Prozent der Meldungen werde der Geisterfahrer auch "sichtbar". In fast allen Fällen zeigte sich laut Asfinag, dass die Lenkerin oder der Lenker betrunken oder aus anderen Gründen beeinträchtigt war: Neben der Aussage, man habe umdrehen müssen, "weil das Navi es so angesagt" habe, sei Fahruntüchtigkeit aufgrund von Alkohol, Medikamenten, Drogen oder auch generelle Verwirrtheit der häufigste Auslöser.

Als Beispiel nannte er zwei konkrete Fälle im Großraum Villach, wo es mit 54 Meldungen deutlich mehr gegeben hatte als im Jahr zuvor. Die beiden von der Polizei angehaltenen Falschfahrenden hatten jeweils mitten auf der Autobahn umgedreht, so die Asfinag. Wegen der generell stark gestiegenen Zahl in diesem Bereich würden die Ursachen insgesamt aber genauer analysiert. Eine mögliche Erklärung für die Häufung seien zwei Baustellen zwischen Villach und Maria Gail bzw. Klagenfurt-West.

So verhalten Sie sich bei einer Geisterfahrerwarnung richtig: Bewahren Sie Ruhe. Reduzieren Sie die Geschwindigkeit. Erhöhen Sie den Abstand zum Auto vor Ihnen. Reihen Sie sich auf den rechten Fahrstreifen ein und überholen Sie nicht. Bleiben Sie nach Möglichkeit beim nächsten Parkplatz/Rastplatz stehen und warten Sie, bis es Entwarnung gibt.