Die diesjährige Gautschfeier, die der Verband Druck Medien anlässlich seines 150-Jahr-Jubiläums mit "Der Graphischen" veranstaltete, startete zu Mittag mit einem Umzug von der Grünangergasse 4 bis zum Denkmal des Erfinders des modernen Buchdrucks, wo schon der Wasserbehälter bereitstand - bei großer Sommerhitze für die 55 in historische Gewänder gekleideten Absolventen wohl ein höchst willkommener Anblick. Der Tross wurde von Trommlern begleitet, beim Bottich hatten sich Fanfarenbläser eingefunden. Insgesamt zählte die Veranstaltung, die zahlreiche Schaulustige anzog, rund 120 Teilnehmende.

Gautschen bezeichnet ursprünglich den ersten Entwässerungsvorgang beim Schöpfen von Papier. Ab dem 16. Jahrhundert ist es beim Lehrabschluss als eine Art Freisprechungszeremonie belegt. Dabei werden die Lehrlinge in einem mit Wasser gefüllten Bottich untergetaucht bzw. auf einen nassen Schwamm gesetzt, um symbolisch vergangene Fehler abzuwaschen. Eine zentrale Rolle spielen die Packerinnen und Packer, die auf den Ruf "Packt an!" versuchen, die zu Gautschenden - die sich durchaus wehren dürfen - dem Nass zuzuführen. Der bzw. die Schwammhalterin überwacht unter den strengen Augen eines Gautschmeisters oder einer Meisterin die Zeremonie. Der Brauch wird in Österreich nicht nur beim Lehrabschluss, sondern auch beim Abschluss an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, auch "Schule der Medien" genannt, bis heute praktiziert.