Im vergangenen Jahr wurden zwei neue Brutpaare im Kaunertal und Paznauntal erfasst und ein weiteres Paar im Lechtal bestätigt. In der Brutsaison 2024/2025 sind laut Weninger vier der sechs Brutpaare mit der Jungenaufzucht beschäftigt. Aller Voraussicht nach werden diese im Sommer ihren Horst verlassen und den ersten Flug starten, so Weninger. Auch im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol seien Bartgeier - nämlich zwei Brutpaare - zu Hause.
Maßnahmen zum Lebensraum-Schutz
Es gelte mit Nachdruck daran zu arbeiten, die Verbreitung der Vögel mit einer Spannweite von bis zu 2,90 Meter zu ermöglichen und zu sichern, betonte die Bartgeier-Managerin. Für einen intakten natürlichen Kreislauf sei jede Tierart von Bedeutung. Erste Maßnahmen zum Schutz sensibler Lebensräume in Nordtirol wurden entwickelt und sollen noch heuer umgesetzt werden. Wo notwendig, werde den Bartgeier-Paaren durch gezielte Besucherlenkung in den sensiblen Horstbereichen während der Brutzeit genügend Ruhe ermöglicht.
"Der Bartgeier hatte lange einen schlechten Ruf, leider völlig zu Unrecht", sagte Tirols Naturschutzlandesrat René Zumtobel (SPÖ). Entgegen aller Mythen ernähre sich der Bartgeier von Aas, er könne sogar Knochen verdauen und trage zum Verschwinden von Wildtier-Kadavern aus der Landschaft bei. "Dadurch wird die Verbreitung von Krankheiten verhindert", so Zumtobel. Für Haus- und Nutztiere oder gar den Menschen stellten Bartgeier keine Gefahr dar.
Sichtungen können gemeldet werden
Die Kompetenzstelle zum Monitoring der Bartgeier ist im Naturpark Ötztal angesiedelt. Mit dem Beitritt des Landes Tirol zum internationalen Bartgeier-Beobachtungsnetzwerk sei ein wichtiger Schritt zur grenzüberschreitenden Beobachtung der Tiere gelungen, so Weninger. Sichtungen von Bartgeiern können jederzeit über das Online-Formular auf der Website des Naturpark Ötztal eingemeldet werden. Das Land Tirol fördert das Bartgeier-Management mit rund 54.000 Euro bis zum Jahr 2026.