Der Journalist und Regierungskritiker Khashoggi war im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden. US-Geheimdienste sehen den Kronprinzen als Drahtzieher. Das Königshaus weist das zurück. Auch die türkische Regierung hatte Anschuldigungen gegen Saudi-Arabien erhoben und den Mord im eigenen Land verhandelt - das Gerichtsverfahren zur Empörung vieler dann im April aber an Saudi-Arabien abgegeben.

Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz kritisierte den Besuch des Kronprinzen und schrieb auf Twitter: "Sein Besuch in unserem Land ändert nichts an der Tatsache, dass er ein Mörder ist." Diplomatische Bemühungen könnten Ungerechtigkeit und Unrecht nicht legitimieren.

Erdogan war im April erstmals seit dem Mord nach Saudi-Arabien gereist und hatte erklärt, die Beziehungen intensivieren zu wollen. Beobachter sehen hinter der Annäherung vor allem wirtschaftliche Interessen. Die Türkei steckt in einer Währungskrise mit mehr als 70 Prozent Inflation.

Bin Salman, der als faktischer Herrscher Saudi Arabiens gilt, war wegen des Kashoggi-Mords international teilweise isoliert. Inzwischen gibt es auch mit anderen Ländern wieder eine Annäherung. Im Juli wird etwa US-Präsident Joe Biden im Königreich erwartet.