Israels Einsatzkräfte hinderten dem Bericht zufolge Krankenwagen daran, zum Angriffsort zu gelangen. Unter den Trümmern der Häuser sollen sich demnach noch viele Menschen befinden. Verletzte und Leichen lägen auf den Straßen. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Israels Armee teilte auf Anfrage mit, dem Bericht nachzugehen.
Razzia in Krankenhaus
Dutzende israelische Soldaten hätten zudem im nahegelegenen Kamal-Adwan-Krankenhaus eine Razzia ausgeführt, berichteten Bewohner der Deutschen Presse-Agentur. Mitarbeiter und Patienten sollen ihren Angaben sowie Medienberichten zufolge gezwungen worden sein, die Klinik in Beit Lahiya zu verlassen. Es habe auch Dutzende Festnahmen bei dem Einsatz gegeben.
Schwere Bombardierungen und ein israelischer Panzer vor der Tür hätten Panik in dem Krankenhaus ausgelöst, berichtete auch der WHO-Vertreter für die von Israel besetzten Gebiete, Rik Peeperkorn. Obwohl es keinen offiziellen Räumungsaufruf der israelischen Armee gab, hätten sich in der Nacht Berichte über einen bevorstehenden Angriff verbreitet. Menschen wären über die Mauern geklettert, um zu fliehen.
Der Direktor des Krankenhauses, Hussam Abu Safiya, sprach von einer katastrophalen Situation in und um die Klinik herum. Demnach gab es heftige Luftangriffe und schweren Beschuss in der Gegend. Nach dem israelischen Einsatz gebe es in der Klinik nur noch zwei unerfahrene Chirurgen, die 20 Patienten, die dringend versorgt werden müssten, operierten.
Die WHO habe nach wochenlangen erfolglosen Versuchen erst vor wenigen Tagen ein Nothilfeteam zu dem Krankenhaus bringen können, darunter zwei indonesische Chirurgen, sagte Peeperkorn. Sie hätten sich heute Morgen gemeinsam mit einem Strom der Fliehenden in Sicherheit gebracht und über die Ereignisse berichtet.
Nach Angaben von Peeperkorn warten schätzungsweise 12.000 verletzte und kranke Menschen dringend auf eine Ausreise, weil sie vor Ort nicht behandelt werden können. Vor dem Beginn der Kämpfe vor mehr als einem Jahr hätten jeden Tag 50 Patientinnen und Patienten den Gazastreifen zur Behandlung verlassen. Seit Mai hätten nur rund 380 evakuiert werden können, überwiegend in die Vereinigten Arabischen Emirate. Darunter sind sowohl Menschen, die durch die israelischen Bombardierungen schwer verletzt wurden als auch Krebskranke.
Peeperkorn forderte sichere Routen für die Evakuierung von Menschen, die dringend Hilfe im Ausland benötigten.
Israel: Wichtige Hamas-Mitglieder getötet
Israels Armee teilte indes mit, mehrere hochrangige Hamas-Mitglieder im Gazastreifen getötet zu haben. Darunter sei einer der Kommandanten gewesen, die am 7. Oktober 2023 das Massaker im israelischen Kibbuz Nahal Oz angeführt hätten, so die Armee und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet. Der Grenzort zählt zu den am stärksten vom Hamas-Terrorüberfall betroffenen Gegenden in Südisrael.
Israels Luftwaffe habe in der vergangenen Woche zudem weitere wichtige Mitglieder eines im Viertel Al-Shati angesiedelten Hamas-Bataillons angegriffen und getötet, unter ihnen einen Kompaniechef, der vor 14 Monaten bei der Entführung von Zivilisten aus Israel in den Gazastreifen geholfen habe. Zudem sei unter den Getöteten auch ein für den Hamas-Tunnelbau Verantwortlicher, der während des Hamas-Massakers am 7. Oktober ebenfalls in Nahal Oz eingedrungen sei.