Länder verfolgen unterschiedliche Konzepte beim Impfen

Nach dem schleppenden Start soll die Corona-Impfung in den kommenden Wochen an Tempo gewinnen. Eine zentrale Strategie zur "Verimpfung" der im März von Pfizer und AstraZeneca erwarteten Million Dosen gibt es aber nicht. Wie ein Rundruf der APA zeigt, setzen die Länder auf teils völlig unterschiedliche Ansätze, von großen Impfstraßen in Wien bis zum dezentralen Konzept Niederösterreichs. Während die NEOS vor Chaos warnen, zeigt sich das Gesundheitsministerium zuversichtlich.

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© APA
 

Mit einer Million Dosen soll allein im März mehr Impfstoff zur Verfügung stehen als im Jänner und Februar zusammen. Für April bis Juni rechnet das Gesundheitsministerium mit durchschnittlich 1,8 Millionen Dosen pro Monat. Wobei der vor der Zulassung stehende Impfstoff von Johnson & Johnson hier noch gar nicht mitgerechnet ist. Damit könnten im März 34.000 Impfungen pro Tag durchgeführt werden, im April 58.000 - vier Mal mehr als noch im Februar.

Ob das gelingt, hängt aber nicht nur von den Lieferungen der Hersteller ab, sondern auch von der Logistik der Länder. Offene Kritik an deren Vorgehen hatte zuletzt Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) geübt und ihnen vorgeworfen, Impfstoff zu horten.

NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker fordert eine zentrale Strategie ein. Denn die Vorreiter wie Israel oder Dänemark hätten das Impfen "generalstabsmäßig organisiert". In Österreich drohe dagegen Chaos: "Ein Bundesland lässt ein Viertel des Impfstoffs ungenutzt herumliegen, ein anderes impft die Partner von Rotkreuzmitarbeitern in der allerersten Gruppe, ein weiteres verliert die über 80-jährigen mit einem komplizierten Terminbuchungssystem. Da fehlt ein Gesamtkonzept."

Tatsächlich gehen die Länder allein bei der Organisation der Impfungen völlig unterschiedliche Wege: Wien setzt - nach dem Testlauf der Grippeimpfung im Herbst - auf sieben zentrale Impfzentren, drei weitere sind mit der ÖGK geplant. Weitgehend dezentral dagegen der Ansatz im größten Flächenbundesland Niederösterreich: Hier wird fast alles über Hausärzte in 340 Impfstellen abgewickelt, organisiert von den Gemeinden. Für die Zukunft plant Gesundheitslandesrätin Elisabeth Köningsberger-Ludwig (SPÖ) auch 30 Impfstraßen mit einer Kapazität von bis zu mehreren Tausend Menschen pro Tag.

Trotz aller Unterschiede: Die Durchimpfung der älteren Bevölkerung ab 85 war sowohl in Niederösterreich als auch in Wien zuletzt vergleichsweise gering. Besonders weit waren Kärnten und Vorarlberg. Wobei Vorarlberg sechs Impfzentren in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Nenzing, Bezau und im Kleinwalsertal betreibt. Kärnten kooperiert wiederum - ebenso Tirol und Wien - mit der ÖGK, in deren Bezirksstellen Impfungen durchgeführt werden. Außerdem nutzt das Land seine Teststraßen am Wochenende für die Immunisierung. Und an der Peripherie (etwa im Lesachtal, in Bleiburg und in Mölltal) soll es eigene Impfstraßen geben. Die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten ist in beiden Ländern geplant.

In der Steiermark gibt es schon jetzt ein Mischsystem: 22 Impfstraßen betreibt das Land. Zusätzlich sind Impfungen bei 760 niedergelassenen Ärzten möglich. Ähnlich im Burgenland: hier wurde die Testinfrastruktur gleich als "Impf- und Testzentren" deklariert. Außerdem gibt es 66 Impfärzte. In Summe sollen so 100.000 Impfungen pro Monat möglich sein - "wäre genügend Impfstoff vorhanden", wie Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) in Richtung Bund deponiert.

Tirol impft in den Krankenhäusern und den Servicestellen der ÖGK. Außerdem sollen auch die schon bei den Corona-Tests eingebundenen über 600 niedergelassenen Ärzte mithelfen. Wie in der Steiermark heißt es übrigens auch in Tirol, dass sich die meisten für einen Termin bei einem Arzt haben vormerken lassen. Mit dem Roten Kreuz kooperieren dagegen Oberösterreich und Salzburg: In Oberösterreich gibt es derzeit sieben Impfstraßen, bis April soll es eine pro Bezirk sein. Auch in Salzburg ist eine pro Bezirk angedacht. Dazu sollen zwei mobile Impfstraßen kommen. Das "Rückgrat" der Immunisierungsaktion sollen aber 280 Hausärzte sein.

Das Gesundheitsministerium sieht die unterschiedlichen Ansätze gelassen. Schließlich könne man die Impfung am Land nicht gleich organisieren wie in der Großstadt Wien. Außerdem tage drei Mal pro Woche die Steuerungsgruppe des Bundes, die sich mit den Impfkoordinatoren der Länder abstimme. Damit sei die Arbeitsteilung klar: "Der Bund kümmert sich um die Beschaffung, den Impfplan, den e-shop, die Logistik und die Auslieferung, die Länder um die organisatorische Umsetzung vor Ort."

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