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Weggefährten würdigten Wiens Altbürgermeister Häupl zum 70er

Seit dem Vorjahr ist die Anrede "Herr Bürgermeister" nicht mehr passend - was keinesfalls bedeutet, dass Michael Häupl nicht mehr so tituliert wird. So geschehen etwa beim großen Empfang anlässlich des 70. Geburtstags des langjährigen Wiener Stadtoberhaupts. Zu diesem hatten sich Freunde und Weggefährten am Donnerstagabend im Garten des Bruno-Kreisky-Forums versammelt.

© APA
 

Als Motto des Abends war ein gern zitierter Häupl-"Sager" gewählt worden: "Mei Wien is ned deppat." Der Einladung waren unter anderem SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), die ehemaligen roten Stadtregierungsmitglieder Renate Brauner, Grete Laska, Rudolf Edlinger und Brigitte Ederer, die frühere grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, Vizekanzler Clemens Jabloner, die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), die Schauspielerin Erika Pluhar oder der Publizist und Osteuropa-Experte Paul Lendvai gefolgt.

Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste vom Ehrenpräsidenten des Forums, dem ehemaligen SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky. Er lobte Häupl unter anderem für dessen internationales Engagement - in einer Zeit, wie er befand, in der Außenpolitik ein "Mauerblümchendasein" friste. Und er verwies auf die Fußballleidenschaft des Geehrten. Dass dessen Verein Austria Wien derzeit abgeschlagen liege, müsse nichts bedeuten. "Tabellenstände sind wie Meinungsumfragen, sie können sich ändern", übte sich Vranitzky zugleich als Mutmacher im laufenden Wahlkampf.

"Wir stehen immer auf den Schultern unserer Vorgänger", konstatierte wiederum Laudator Michael Ludwig, der zum Auftakt seiner Rede ein mit Wien-Kritik gespicktes Zitat eines nicht anwesenden Politikers - nämlich von ÖVP-Chef Sebastian Kurz - zum Besten gab. Ludwig wetterte gegen "bewusste Unwahrheiten" und Polemik. Wien sei vielmehr Wirtschaftsmotor der Region.

Ludwig hob hervor, dass Häupl ebenfalls aus einer konservativ geprägten Familie stammte: "Du hast selbst einmal gesagt, was der Pfarrer gepredigt hat, das war Gesetz." Man könne sich nun denken, dass seien die 1950er oder 1960er-Jahre gewesen. Nun würden aber wieder ÖVP-Politiker erklären, was ihre Kinder zu wählen hätten. "Ich würde sagen, dass du ein wunderbares Beispiel dafür bist, dass sich damals und heute die Jugend nicht um solche Politiker kümmert."

Ludwig dankte Häupl für sein umfangreiches Wirken, sein Engagement für die Städte in der EU, dafür, dass das Wiener Wasser im Eigentum der Stadt verblieben sei, den Gratiskindergarten und dafür, dass Wien seit Jahren Rankings als lebenswerteste Metropole gewinne. Der Stadtchef erwähnte nicht zuletzt das Engagement für das städtische Weingut am Cobenzl, dessen Weine nun ausgezeichnet würden. Entsprechend fiel auch das Präsent des regierenden Bürgermeisters aus: Er überreichte Häupl einen Donauriesling-Rebensetzling.

Auch für SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner ist Häupl ein Vorbild, wie sie verriet - konkret dessen Performance 2015. Damals sei die SPÖ bei der Wien-Wahl in den Umfragen sogar hinter der FPÖ gelegen, bei der Wahl aber doch mit großem Abstand vorne. Sie warnte darum vor "voreiligen Schlüssen" angesichts aktueller Prognosen. Die Parteichefin beschenkte das Geburtstagskind - das am 14. September 1949 das Licht der Welt erblickte - unter anderem mit Rotwein aus der Toskana.

"Ich hab gar nicht gewusst, dass ich so toll bin", zeigte sich Häupl im Podiumsgespräch mit dem Journalisten Herbert Lackner angenehm überrascht über die Würdigungen. Der Altbürgermeister ließ seinen Weg in die Politik Revue passieren, und erzählte, wie ihm der damalige Bürgermeister Helmut Zilk klargemacht habe, dass er auf eine wissenschaftliche Laufbahn als Biologe verzichten solle: "Der Mensch denkt, Zilk lenkt."

Ob er nun wie der ehemalige Wiener ÖVP-Vizebürgermeister und nunmehrige Krimiautor Bernhard Görg beabsichtige, als Schriftsteller in Erscheinung zu treten? Häupl verneinte: "Ich habe eine ganz gute Pension, ich brauch jetzt nicht zum Schreiben anfangen." Oft werde er nach "Phantomschmerzen" nach dem Ausscheiden aus dem Amt gefragt. Diese habe er aber nicht, beteuerte Häupl. Man wisse, wenn man Politiker werde: "Es ist wie bei einer Wurst, da gibt es ein Anfang und ein Ende." Man habe ihm zudem die Gelegenheit gegeben, sich "ausführlich" auf den Abschied vorzubereiten, so Häupl - dessen Abgang von innerparteilichen Disputen begleitet war.

Zum Ausklang des Abends stimmten die Gäste noch ein "Happy Birthday" an. Vorbei sind die Feierlichkeiten damit aber noch nicht: Morgen, Freitag, wird Häupl im Rathaus zum Ehrenbürger ernannt - die höchste Auszeichnung, die in Wien vergeben werden kann.

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