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hdgö widmet sich vergessenem Vernichtungsort

Das kontinuierliche Bestreben, den Vorraum zum oftmals als "Hitler-Balkon" bezeichneten Altan der Neuen Burg am Heldenplatz dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu widmen, hat seit Freitag eine neue Entsprechung: Mit "Malyj Trostenez - Geschichte und Erinnerung" zeigt das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) eine Schau über den kaum bekannten weißrussischen Vernichtungsort.

© APA
 

Mehr als 55.000 Menschen - darunter knapp 10.000 österreichische Juden - wurden in Malyj Trostenez zwischen 1942 und 1944 ermordet. Erst im Vorjahr hatte Bundespräsident Alexander Van der Bellen dort den Grundstein für ein Denkmal gelegt, das der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im März dieses Jahres der Öffentlichkeit übergab. Die nunmehr auf dem Alma-Rose-Plateau gezeigte Ausstellung war bereits an verschiedenen Stationen in Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Weißrussland zu sehen - für Wien wurde ihr ein eigenes Kapitel hinzugefügt. "Es ist uns wichtig, an diesem innerhalb Österreichs kaum bekannten Vernichtungsort zu erinnern", so hdgö-Direktorin Monika Sommer. "Nirgends, außer in Auschwitz-Birkenau, forderte die Schoah so viele österreichische Opfer."

Während auf Schautafeln, die wie große Grabsteine aus dem Boden ragen, die Geschichte von Malyj Trostenez mit einem Fokus auf die Biografien einzelner Opfer erzählt wird, zeigen Vitrinen im Zentrum des Plateaus den extra erarbeiteten Wien-Bezug. Dafür hat das hdgö mit dem Vienna Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands kooperiert. Das Ergebnis sind Einblicke in Biografien österreichischer Opfer - aber auch Täter - die anhand von bisher großteils unbekannten Dokumenten recherchiert wurden. Thematisiert werden auch die verfehlte Aufarbeitung durch die österreichische Nachkriegsjustiz sowie aktuelle Formen des Gedenkens. Insgesamt sind nur 22 österreichische Überlebende bekannt, die der Vernichtung in Malyj Trostenez entkamen.

Ins Rollen gebracht hat die Etablierung des Gedenkorts erst der Verein "IM-MER Maly Trostinec (sic!) erinnern": Waltraud Barton organisierte seit dem Jahr 2010 Gedenkreisen mit Angehörigen der Ermordeten. Nunmehr soll der Ort als europäischer Gedenkort etabliert werden und in das Bewusstsein der Bevölkerung sowohl in Deutschland und Österreich als auch in Weißrussland dringen. Matthias Tümpel, Vorsitzender Internationales Bildungs- und Begegnungswerks (IBB), unterstrich im APA-Gespräch auch den schwierigen Weg zur Ausstellung. "Man wusste es zwar, aber offiziell wollte man nur der Helden gedenken", erinnert er sich an die ersten Gespräche mit weißrussischen Verantwortlichen. Ihm sei wichtig, mit der Schau weder eine rein deutsche noch eine rein weißrussische Perspektive einzunehmen. "Der Ausgangspunkt dieser Ausstellung war, dass wir Betroffene der beteiligten Länder zusammenbringen, um eine gemeinsame Geschichte zu erzählen. So stellen wir uns auch das künftige Geschichtsbild in Europa vor."

"Die große Tragik" im Zuge der Etablierung der Gedenkstätte sei gewesen, "dass wir aufgrund der guten Bürokratie in Österreich und Deutschland die Namen aller Ermordeten aus dem deutschsprachigen Raum hatten, aber nahezu keine Namen aus dem belarussischen Bereich. Wir wollten eigentlich den Opfern ihre Namen wiedergeben. Das ist uns nicht gelungen." Auch Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, erzählt von der schwierigen Genese des Projekts. Der Ausstellung sei ein dreijähriges hartes Ringen um Texte und Bilder vorausgegangen. "Dass wir diese Ausstellung jetzt in Wien zeigen, ist eine große Sache."

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