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Im Südsudan besuchen 2,2 Millionen Kinder nicht die Schule

Sie kennen kaum etwas anderes als Bürgerkrieg, Hunger und Armut. Vor allem kennen viele Kinder im Südsudan Klassenzimmer nicht von innen. 2,2 Millionen Kinder können in dem Land aufgrund der humanitären Situation nicht in die Schule gehen. Darauf machte die Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, "Licht für die Welt", am Freitag aufmerksam.

© APA (AFP)
 

"Für die Kinder ist das ein echtes Drama, weil ihnen die Bildung vorenthalten wird und sie deshalb schwer aus der Armutsfalle herauskommen. Das ist auch für die wirtschaftliche Zukunft des Landes ein großes Problem. Die Spirale der Gewalt verhindert so eine prosperierende Zukunft", sagte Malte Fähnders, Programmkoordinator von "Licht für die Welt" für den Südsudan, vor dem Tag des afrikanischen Kindes am kommenden Sonntag. Die Organisation fördert dort vor allem Kinder mit Behinderungen. "Licht für die Welt" arbeitet eng mit dem südsudanesischen Bildungsministerium zusammen und unterstützt lokale sowie internationale Organisationen in der inklusiven Lehrerausbildung. 2018 wurden demnach knapp 400 Kinder mit Behinderungen rehabilitiert und eingeschult und fast 70 Lehrer ausgebildet.

Laut "Licht für die Welt" geht im Südsudan, etwa sieben Mal so groß wie Österreich mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern, mehr als die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren nicht in die Vorschule. Ebenso haben 50 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren keine Chance, eine Volksschule zu besuchen. Mädchen werden jung verheiratet und Bildung für sie ist nach den herrschenden traditionellen Ansichten nicht vorgesehen. Nur jedes vierte Mädchen darf in die Schule gehen und lernt Lesen und Schreiben. Von den Kindern, die in die Schule gehen können, sind fast alle älter, als für ihre Schulstufe vorgesehen wäre. Besonders schlimm ist die Situation von Kindern mit Behinderungen.

"Licht für die Welt" verbindet gemeindenahe Rehabilitation mit der Fortbildung von Lehrern in inklusiven Unterrichtsmethoden. Häufig müssen behinderte Kinder erst gefunden und vorbereitet werden. "Dann müssen wir die Eltern überzeugen, dass auch Kinder mit Behinderungen ein Recht auf Entwicklung haben und zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft werden können", schilderte Fähnders. Schließlich ist das soziale Umfeld in der Gemeinde aufzuklären und zu motivieren, um Kinder mit Behinderungen zu inkludieren.

Im Südsudan sind wegen der Bürgerkriege zwei Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. 16.000 Kinder werden seit 2013 vermisst. Geschätzte 19.000 werden als Kindersoldaten missbraucht. Durch diese Gewalt entstehen häufig nicht nur physische, sondern auch seelische Behinderungen. Viele Kinder - vor allem Soldaten - wurden traumatisiert, was eine spätere Teilnahme am Unterricht erschwert. Besonders schlimm ist die Situation von Kindern mit Behinderungen. Etwa 18.000 Kinder im Volksschulalter haben Behinderungen, 900.000 Kinder leiden an psychischem Stress. Dazu kommen der Krieg, Landminen, Malaria, Flussblindheit und andere tropische Krankheiten.

Es fehlt nicht nur an Schulen und Lehrern, sondern auch an Unterrichtsmaterialien, Lernräumen und an sanitären Anlagen sowie sauberem Wasser. Lehrpersonen bekommen oft monatelang ihr Gehalt nicht ausbezahlt und fehlen deshalb häufig im Unterricht. Zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der absoluten Armutsgrenze von unter 1,90 US-Dollar (1,68 Euro) pro Tag. Nicht zuletzt sind die langen Schulwege durch marodierende Milizen oft gefährlich.

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