"Unter keinen Umständen ist Libyen ein sicheres Land", sagte Sprecher Rupert Colville. Seit Anfang 2019 seien mehr als 2.300 Menschen von der Küstenwache aufgegriffen worden. Libyen betrachtet Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere als illegale Einwanderer und interniert sie.

Im völlig verdreckten und überfüllten Lager Zintan seien mehr als 650 Menschen in Lagerhäusern auf engstem Raum eingepfercht. Sie hätten nicht genügend Wasser und bekämen nur einmal am Tag 200 Gramm Nudeln zu essen. Unter ihnen seien 132 Minderjährige aus Eritrea, die nur die Hälfte bekämen. 22 Menschen seien in dem Lager seit September vergangenen Jahres an Tuberkulose gestorben.

Hunderte Bootsmigranten seien nach Regierungsangaben in das Lager Al-Khoms (Al-Khums) gebracht worden, allein am 23. Mai 203 Personen. Nach Angaben des Lagers hielten sich dort zuletzt jedoch nur 30 Menschen auf. Wo die anderen geblieben seien, sei unklar. Es sei nicht auszuschließen, dass sie Menschenschmugglern in die Hände gefallen seien, die Menschen zur Zwangsarbeit oder zur sexuellen Ausbeutung regelrecht verkauften.

Die UN gehen von mindestens 3.400 internierten Flüchtlingen und Migranten in Libyen aus. Insgesamt sind deutlich mehr Ausländer im Land, die nach Europa wollten. Viele verstecken sich vor den Behörden und warten auf eine Gelegenheit zur Flucht über das Mittelmeer.