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Pharaonenschmuck entstand wohl durch Meteoriteneinschlag

Libysches Wüstenglas findet sich in einem rund 2.500 Quadratkilometer großen Gebiet im Westen Ägyptens. Entstanden ist es durch einen Meteoriten - ob dieser tatsächlich einschlug oder in der Luft explodierte, wird diskutiert. Denn in der Region gibt es keinen Einschlagskrater. Forscher des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien haben nun mehrere Hinweise gefunden, die auf einen Impakt hindeuten.

© APA (NHM)
 

Vor knapp 30 Mio. Jahren ließ ein gewaltiges Ereignis den Wüstensand in einem heute Libysche Wüste genannten Gebiet schmelzen. Dabei entstanden millimeter- bis zu dezimetergroße Stücke Quarzglas in verschiedenen Farbschattierungen. Schon die alten Ägypter wussten das Libysche Wüstenglas zu schätzen. So schmückt Wüstenglas auch einen Skarabäus auf einer Brustplatte (Pektorale), die man im Grab von Pharao Tutanchamun gefunden hat.

"Die meisten Gläser sind weißlich-gelb, manche ganz weiß oder dunkelgrau-braun, andere sind von dunklen Schlieren durchzogen", erklärte der Geochemiker von der Universität Wien und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, Christian Köberl, gegenüber der APA. Er hat 2003 und 2006 Gläser und Gesteine in der Region gesammelt und untersucht. Schon vor Jahren hat der Impakt-Experte festgestellt, dass sich in den Schlieren der Gläser eine meteoritische Komponente findet, "das ist eindeutig extraterrestrisches Material".

Doch solche Gläser können auch entstehen, wenn Meteoriten noch in der Luft explodieren ("Airburst") und die dabei freigesetzte Hitze Material auf der Erde aufschmilzt. Allerdings produzieren Airbursts keine geschockten Materialien, dazu ist ein Druck von Milliarden Pascal notwendig, wie er nur bei einen Meteoriteneinschlag entsteht, schreiben Köberl und sein Kollege Aaron Cavosie von der Curtin University in Perth (Australien) im Fachjournal "Geology".

Die beiden haben in Libyschen Wüstengläsern das Zerfallsprodukt von Reidit entdeckt. "Reidit ist eine Hochdruckmodifikation von Zirkon, die nur bei einem Druck von mindestens 30 Gigapascal und nur bei Schock entsteht - so etwas kommt nur bei Impakten vor, in normalen irdischen Prozessen kommt man über einige hundert Megapascal nicht hinaus", so Köberl.

Dass es in der Region einen Einschlag gegeben hat, zeigt laut Köberl eine zweite Arbeit, die er gemeinsam mit dem Kurator der Meteoritensammlung des NHM, Ludovic Ferriere, im Fachjournal "Meteoritics and Planetary Science" veröffentlicht hat. "In der Region, wo das Libysche Wüstenglas vorkommt, haben wir in Gesteinen geschockte Quarze gefunden - das ist ein Anzeichen, dass dort ein Einschlag erfolgt sein muss", so Köberl.

Für den NHM-Chef deutet alles darauf hin, dass "ein Airburst alleine eher unwahrscheinlich ist und es einen Impakt gegeben haben muss". Als Indizien nennt er die bereits früher festgestellten meteoritischen Komponenten in den Gläsern, wo nun auch Spuren von hohem Druck festgestellt wurden. Diese deuten auf einen Einschlag mit hoher Geschwindigkeit hin, ebenso wie das Auffinden von geschockten Quarzen in dem Gestein der Region. Um all diese Spuren zu erzeugen, würde laut Köberl der Einschlag "eines kleineren Objekts ausreichen, das einen Krater von ein bis fünf Kilometern Durchmesser geschlagen hat. Dieser Krater ist nach Ansicht des Impakt-Experten im Laufe von 30 Mio. Jahren durch Erosion verschwunden.

(S E R V I C E: Internet - Arbeit in "Geology": ; Arbeit in "Meteoritics & Planetary Science": )

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