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1848/2018: Schau zeigt "Die vergessene Revolution"

Erregte Rufe, Unruhe, Getümmel und dann die ersten Schüsse - im Marschallszimmer des heutigen Palais Niederösterreich versucht Ausstellungsgestalter Hans Hoffer akustisch nachvollziehbar zu machen, wie der von Paris ausgehende Revolutionsfunke am 13. März 1848 im und vor dem damaligen Ständehaus in der Herrengasse auch auf Wien übersprang. "Die vergessene Revolution", quasi am Originalschauplatz.

 

"Wer hier eine didaktische Ausstellung erwartet, wird enttäuscht", erklärte Hoffer am Montagvormittag bei der Presseführung. "Sie ist nicht belehrend angelegt, sondern als atmosphärische Installation." Deswegen finden sich auch immer wieder Ziegel- oder Pflastersteine aufgeschlichtet, Symbole für die zahllosen Barrikaden, die das revolutionäre Wien zeitweilig zur Festung machten und deren Lage auf einem großen Stadtplan im prachtvollen Vorraum der sonst nur bei Sonderführungen zugänglichen Verordnetenkammer eingezeichnet ist.

Auch das als Flügelaltar dargestellte Caspar David Friedrich-Gemälde "Das Eismeer" als Symbol eines frostigen, erstarrten Systems, oder ein unter Holzlatten begrabenes Klavier als Abgesang auf das Biedermeier, aus dem sich die Barrikadenbauer mutig befreiten, zeugen vom Gestaltungswillen des Bühnenbildners und pensionierten Leiters des Max Reinhardt Seminars.

Für die Exponate der Ausstellung, die vom Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung in Kooperation mit dem Österreichischen Staatsarchiv und dem Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich erarbeitet wurde, hat man in großem Umfang auf die "Sammlung Steiner" zurückgegriffen. Der Historiker und Begründer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes Herbert Steiner (1923-2001) hatte eine private, die europäischen Revolutionen von 1848 umfassende Sammlung aufgebaut, die mit über 5.500 Objekten zu den größten ihrer Art zählt. Lithographien, Anschläge, Flugblätter und zahlreiche Karikaturen von Anton Zampis illustrieren die bewegten Ereignisse und ihre Protagonisten.

"Die Räume waren damals brandneu, als sie im März 1848 zum Brennpunkt der Geschichte wurden", sagte Christian Rapp, der wissenschaftliche Leiter des Hauses der Geschichte in St. Pölten. Durch diese Räumlichkeiten, die heute teilweise als Klubs für die niederösterreichischen Nationalratsabgeordneten genützt werden, führt als "Chronologie der Ereignisse" eine lange Zeitleiste, die am 11. Jänner mit den Brotrevolten des Vormärz beginnt und am 6. Dezember mit der Auflösung der demokratischen Vereine endet. Das letzte Bild zeigt den 1864 am Schmelzer Friedhof in Gedenken an die Märzgefallenen errichteten Obelisken, der seit 1888 auf dem Wiener Zentralfriedhof steht und dessen lange heftig umstrittene Inschrift schließlich nur "13. März 1848" lauten durfte.

Man habe Versuche unternommen, den "Märzobelisken" als Mahnmal an eine zentralere Stelle der Stadt zu verlegen, sei aber gescheitert, weil der Stein als Teil einer Grabstelle gelte, erzählten Michaela Maier vom Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung und Staatsarchiv-Generaldirektor Wolfgang Maderthaner, der sich für ein eigenes Denkmal - etwa im Märzpark bei der Stadthalle oder in der Märzstraße in Rudolfsheim-Fünfhaus - stark macht: "Es handelt sich immerhin um die vergessene Grundlage unserer heutigen Gesellschaft!"

An den Obelisken hat Hoffer mit einem im vertikalen, im Stiegenhaus laufenden Schriftband mit den Namen der rund drei Dutzend Märzgefallenen (insgesamt dürften die Ereignisse bis zur Niederwerfung der Wiener Oktoberrevolution 3.000 bis 4.000 Tote gekostet haben) erinnert, an die Kontinuität des Kampfes um eine demokratische Verfassung erinnert im letzten Saal ein Artikel der "Arbeiter Zeitung" aus 1918, der die Ausrufung der Republik u.a. so kommentiert: "Der Geist von 1848 hat sich erfüllt."

Die Ausstellung, deren Besuch nicht zuletzt der eindrucksvollen historischen Räumlichkeiten wegen zu empfehlen ist, wird bis 31. Oktober bei freiem Eintritt zu sehen sein und danach nicht etwa in das Haus der Geschichte am Heldenplatz, sondern in die Alte Schieberkammer am Meiselmarkt übersiedeln. Man hofft, dass man dort rund um den 100. Geburtstag der Republik die Neu-Aufstellung abgeschlossen haben wird. Dass im Ausstellungslogo der zweite "8er" von 1848 umgelegt sei und daher an ein Unendlichkeits-Zeichen erinnere, habe übrigens zwei Gründe, erläuterte Hoffer: "Erstens ist das Thema unendlich wichtig. Und zweitens ist es ein nie abgeschlossener Prozess, an der Demokratie zu arbeiten."

INFO: "1848 - Die vergessene Revolution", bis 31.10., Dienstag bis Freitag 11-19 Uhr, Samstag 11-15 Uhr, Freier Eintritt. Palais Niederösterreich, Wien 1, Herrengasse 13;

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