Die Volksbank Steiermark ist eine genossenschaftlich organisierte Aktiengesellschaft. Ist das noch zeitgemäß?

Monika Cisar-Leibetseder: Diese Struktur ist moderner denn je, weil es ein nachhaltiges, ­regionales Modell ist. Wir haben keine Auslandsbeteiligungen, kaum Kundengeschäft im Ausland und schicken Finanzmittel nicht um die Welt, sondern sind ein regionaler Geldversorger. Mit dem Geld, das uns unsere Kunden anvertrauen, finanzieren wir wieder in die steirische Wirtschaft und den steirischen Wohnbau. Auch unsere Gewinne investieren wir wieder in die Bank zur Kapitalstärkung, ­darüber hinaus fördern wir über unsere Eigentümergenossenschaften unsere Regionen in der Steiermark. So können wir die Steiermark enkelfit machen. Das Geschäftsmodell gleicht einem regionalen Förderauftrag.

HANNES ZWANZGER: Das zeichnet uns aus und unterscheidet uns von anderen Banken, die teilweise große Ausschüttungen an dividendengetriebene Investoren machen oder sich selbst an Unternehmen beteiligen, um deren Wachstum zu generieren. Sich rein nur auf die Gewinnmaximierung und den Shareholder-Value zu konzentrieren, ist jedoch nicht der ­beste aller Zugänge und auch nicht der nachhaltigste. Nachhaltigkeit und Regionalität sind aber seit 170 Jahren Teil des Geschäftsmodells der Volksbank.

Aber engt die Selbstbeschränkung auf den regionalen Markt nicht ein?

HANNES ZWANZGER: Wenn man das Heil nicht im globalen Wachstum sucht, sondern sich auf einen verhältnismäßig kleinen Markt konzentriert, ist man gezwungen, hier zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Dafür muss man sich zwar nicht ständig neu erfinden, aber immer innovativ und nahe an seinen Kunden sein.

MONIKA CISAR-LEIBETSEDER: Unsere Definition von mutig ist es, sich auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren – auf das, was man kennt und gut kann. Dennoch schotten wir uns nicht völlig vom Ausland ab, wir unterstützen unsere steirischen Exportunternehmen, aber eben hier vor Ort.

Es ist in Zeiten multipler Krisen und großer Unsicherheiten generell nicht einfach, als Unternehmen ökonomisch „fit“ zu bleiben. Was raten Sie?

MONIKA CISAR-LEIBETSEDER: Natürlich ist es komplexer geworden. Was aber immer noch gilt, ist, dass es notwendig ist, ein Ziel zu haben. Und dass man sich den Weg überlegen muss, wie es zu erreichen ist. Im Unterschied zu früher braucht es in volatilen Zeiten aber nicht nur einen, sondern zwei bis drei Wege und noch zusätzlich für jeden Weg verschiedene Szenarien.

HANNES ZWANZGER: Der größte Fehler diesbezüglich ist es, Trends linear zu Ende zu denken. So eindimensional ist das Leben nicht. Denn Bäume wachsen nicht unendlich in den Himmel. Umgekehrt führt aber auch nicht jeder Weg geradewegs in die Hölle. Wer so pessimistisch denkt, gerät in eine negative Denkspirale und das verstärkt nur die Unsicherheit. Es braucht stattdessen den Mut zur Zuversicht. Es ist nicht verboten, positiv zu denken.

MONIKA CISAR-LEIBETSEDER: Gerade als Unternehmen braucht man immer Mut, auch als Bank.

Woher nimmt man als Bank Mut?

MONIKA CISAR-LEIBETSEDER: Uns hat unter anderem Erfahrung mutig gemacht. Wir haben nach der allgemeinen Finanzkrise unser Geschäftsmodell, den Sinn und Zweck des eigenen Tuns hinterfragt und Strukturen umgestellt. Aus dieser erfolgreichen Phase der Veränderungen haben wir den Mut gezogen, Neues mit Ehrgeiz anzupacken – und das Bewusstsein gefestigt, dass die Welt nicht so schnell untergeht.

Es ist gerade für junge Menschen aktuell sehr schwierig, an Kredite, beispielsweise zur Anschaffung von Wohnraum, zu kommen. Grund dafür sind von der EU festgelegte Vergabekritieren. Wie können Sie als regional verwurzelte Bank helfen?

MONIKA CISAR-LEIBETSEDER: Die sogenannte KIM-Verordnung, in der diese Kriterien im österreichischen Recht festgeschrieben sind, kam tatsächlich zu einer Unzeit. Es ist ohnehin ein schwieriges Umfeld, angesichts all der Teuerungen – da hätte es diese Einschränkungen nicht gebraucht. Als Bank sind wir vorsichtig, nicht Feind unseres Geldes und jenes unserer Kunden. Es braucht in der Beratung aber auch den Mut zur Wahrheit, wenn etwas aus unserer Sicht nicht finanzierbar ist. Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden mit Klartext unterstützen.

HANNES ZWANZGER: Es geht ja um die finanzielle Gesundheit des Kunden. Tatsächlich war es aber schon einmal einfacher, eine Idee zu kreieren, daraus ein Produkt zu entwickeln und einen Markt zu erschließen. Nicht zuletzt aufgrund des ­großen Verwaltungsaufwands und überbordender Bürokratie. Da braucht es im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit und zur Unterstützung der unternehmerischen Leidenschaft dringend einen Abbau.

Diese Serie soll der Schwerkraft der Krisen entgegenwirken. Sie erscheint als Medienkooperation der „Kleinen Zeitung“ und wird von den teilnehmenden Unternehmen finanziell unterstützt.