Bevor gebaut wird, muss oft abgerissen werden. Oder schwieriges Erdreich muss ­auf­bereitet werden, etwa durch Entwässerungen oder ­Drainagen. Oder es sollen Teichanlagen gestaltet, Bach- und Flussregulierungen vorgenommen werden. Alle diese Aufgaben gehören zu einem wichtigen Teil des Baumeistergewerbes: dem Erdbau. Die Erdbauer modellieren den Boden, damit darauf gebaut werden kann.

Vom Abriss zum Neubau

„Überall, wo statische Voraussetzungen für bauliche Maßnahmen notwendig sind, also Aushub- und Grabarbeiten in über 1,25 Meter Tiefe oder Abbrüche von Bauwerken, kommt der Erdbau zum Einsatz“, so Johann Taucher von der Landesinnung Bau. Beim Thema Abriss kommt übrigens viel Know-how in Sachen Recycling ins Spiel: „Die Abfall- und Recyclingverordnung, die ÖNORM B 3151, gibt uns den Fahrplan vor. Sobald ein Gebäude abbruchreif ist, wird es zu einer Rohstoffquelle.“ So gehen wertvolle Ressourcen nicht verloren. „Die verbauten Materialien werden genau analysiert und möglichst viele Wertstoffe werden wiederverwendet“, so der Experte.

Hightech im Erdreich

Wer glaubt, dass Erdbau eine grobschlächtige Angelegenheit ist, irrt. Die Baumaschinen sind zwar oft von beeindruckenden Dimensionen, aber ihre Bedienung verlangt viel Feingefühl. „Ein gutes G’spür für Bodenverhältnisse und Materialien ist essenziell in unserem Job“, so Taucher. Außerdem ist die Branche ein echter Hightech-Beruf geworden: „Wer heute einen Bagger führt, sitzt in einem fahrenden Roboter.“ Das Klischee vom Erdbau, das nur aus Gummistiefeln, Lehm und Matsch besteht, hat ausgedient. Die Arbeit bewegt sich an einer interessanten Schnittstelle aus Hightech und Handwerk. „Aber wer mit Lehm und Wasser ein Problem hat, ist bei uns trotzdem falsch“, lacht ­Johann Taucher.

© Manfred Kienreich