Ob es seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine ihr Plan war – oder ob es nicht doch mit der immer realistischeren Perspektive zu tun hatte, demnächst mit EU-Sanktionen belegt zu werden: Dass Karin Kneissl, ehemals Außenministerin, ihr Aufsichtsratsmandat beim kremlnahen russischen Konzern Rosneft zurücklegt, war überfällig.

Kneissls Rede, von der Öffentlichkeit verfolgt zu werden bis dorthin, dass für sie praktisch Berufsverbot bestünde, kann man aber so nicht stehen lassen: Wer als Ministerin buchstäblich den Tanz mit einem brutalen Diktator wagt, nichts gegen die fortschreitende Abhängigkeit ihres Landes von der Diktatur unternimmt und nach ihrem Rückzug noch dazu einen lukrativen Job ebendort abstaubt, muss sich Kritik gefallen lassen; an (Ex-)Ministerinnen und Minister, die ihren Status so ausnutzen, muss man hohe Maßstäbe anlegen.

Wo Kneissl einen Punkt hat: An ihr hat sich mancher abgearbeitet, der bei anderen, die dieselbe Verantwortung für Österreichs Abhängigkeit tragen, leise wurde. Hohe Maßstäbe unbedingt – aber für jeden.