Debatte um Raumordnung"Wir verbrauchen täglich 13 Fußballfelder an Boden"

Soll den Gemeinden die Raumordnung entzogen werden? In der Diskussion um den Klimaschutz stehen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und die zu hohe Bodenversiegelung in Österreich immer mehr im Fokus.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
INTERVIEW: STEFAN KAINEDER
Stefan Kaineder, Landesrat in Oberösterreich © FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR
 

Flächenwidmung und Raumordnung sind derzeit Gemeindekompetenz. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger will als Beitrag zum Klimaschutz die Gemeinden bei der Raumordnung entmachten. Denn Österreich sei "Weltmeister" bei der Bodenversiegelung, weshalb das Regenwasser nicht mehr versickern könne, erinnerte sie Montagabend im ORF-"Sommergespräch" an die kürzlichen Überschwemmungen. 

Walter Leiss, Generalsekretär des Gemeindebunds nahm im ORF-Radio dazu Stellung: "Die Flächenwidmung ist eine zentrale Kompetenz der Gemeinden, es ist schlicht nicht vorstellbar diese zu entziehen." Die Gemeinden wüssten am besten, wie ihr Lebensraum gestaltet werden soll. Die Beispiele von den Einkaufszentren auf der grünen Wiese seien laut Leiss eine Sünde der Vergangenheit, Ländergesetze würden das einschränken.

"Verbrauchen 13 Fußballfelder an Fläche pro Tag"

Dass sich Länder und Gemeinden an Regeln halten müssen, bestätigte auch Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) gegenüber Ö1. Der Bodenverbrauch müsse dennoch "dramatisch eingedämmt" werden. "Derzeit verbrauchen wir 13 Fußballfelder pro Tag" an Acker- und Grünflächen. Ein Quadratmeter gesunder Boden könne "eine ganze Badewanne Regenwasser aufnehmen", deswegen bedeute Bodenschutz auch Hochwasserschutz. Zudem dienen intakte Grünflächen zur Kühlung der Städte, so Kaineder. "Und wir müssen uns schon fragen: Wo wächst denn unser Essen, wenn wir im Land der Äcker alles zubetonieren?"

Die Widmungskompetenz sieht der Landesrat in den Gemeinden gut aufgehoben. "Aber es braucht wirklich strenge Regeln auf Landesebene." Bereits gewidmetes Bauland zu mobilisieren sei aktuell nicht einfach, deshalb brauche es hier eigene "Länderagenturen". In Bayern habe man das Problem schon früher erkannt und strengere Regeln eingeführt. "Die Zeit drängt."

SPÖ wirft Grünen "Versagen" vor

SPÖ-Wohnbausprecherin Ruth Becher warf indes in einer Aussendung den Grünen in der Bundesregierung "Versagen" beim Thema Wohnen, Klima- und Umweltschutz vor. Die Verbauung Österreichs gehe weiterhin viel zu rasant vor sich, die Grünen "tun nichts", meinte sie. Becher forderte Maßnahmen gegen die Verbauung von Grünraum außerhalb der Ortskerne, ortete aber auch "Untätigkeit der Grünen" im städtischen Bereich. So kritisierte Becher auch den "Exzess an Anlegerwohnungen" in Wien - wo freilich die Roten den Bürgermeister stellen. "In meinem Wohnbezirk Donaustadt sprießen die Anlegerwohnungen wie Schwammerl aus dem Boden. Anstatt günstigen Mietwohnungen für Wiener*innen entstehen hier Spekulationsobjekte für ausländische Investoren", ärgerte sich Becher.

 

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Mila9
0
0
Lesenswert?

Fake News????

Es ist nicht auszuhalten, welche FAKE NEWS betreffend Versiegelung herumgeistern. Faktum ist, dass jene welchen, die in Graz bereits versiegelt waren (man nehme z.B. Wagner Biro Straße, Alte Poststraße, Ankerstraße etc.) wie z.B. durch Produktions- und Industriegebäuden neuen Nutzung nämlich WOHNEN zugeführt wurden. Faktum ist auch, dass in den letzten 15 Jahren die Stadt um rund 100.000 Einwohner gewachsen ist. Wo hätte man diese Menschen unterbringen sollen? Städte sind gefragt, weil das Bildungs- und Kulturprogramm breiter ist als in ländlich strukturierten Regionen, weil es eine gute Infrastruktur betreffend ÖV gib, weil es andere Infrastruktureinrichtungen gibt, aber auch genügend Grünraum, in welchen man seine Freizeit verbringen kann. Die Menschen ziehen in die Städte, weil sie dort auch Arbeit finden. Aber bitte weiterjammernd das hat uns schon immer vorwärts gebracht..,.

Patriot
0
1
Lesenswert?

@Mila9: Graz hat eine grausliche Luft,

einen scheußlichen Verkehr und ist viel zu dicht verbaut.
Das ist neben den abartig hohen Miet- und Wohnungspreisen der Grund, dass immer mehr Menschen in den Speckgürtel ziehen, was wiederum zu verstärktem Einpendlerverkehr führt und die Luft noch grausliche macht. Vom Lärm gar nicht zu reden!

argus13
0
1
Lesenswert?

Graz 2

Graz ist das beste Beispiel für Bodenversiegelung, jede noch so kleine Grünfläche wird gesteuert durch Langzeit BM, Nagl Wehrle, Inninger und BAB zubetoniert! Nagls Motto- Graz braucht Wohnungen -wohl um jeden Preis ohne Rücksicht auf Infrastruktur und das bei rückläufigen Einwohnerzahlen! Kein Wunder, dass viel Grazer durch die schlechten Lebensbedingungen in der Stadt in den Speckgürtel ziehen und sich dadurch die Pendlerzahl erhöht. Das Öffi Angebot ist schlecht. und das lachhafte Graz als Radhauptstadt Europas (dagegen Klagenfurt)! Wenn BM Nagl Mut gehabt hätte, hätte er wie in New York - Central Park-Reininghaus als Erholungspark initiiert, quasi eine grüne Lunge, aber zum Wohl der Immobilienhaie und Baufirmen wird dort versiegelt. Durch das Vernichten von Grünflächen für unnötigen Speicherkanal (ändert am desolaten Kanalnetz nichts) und Kraftwerk werden Überschwemmungen mehr werden! Aber auch in anderen Regionen erlauben die "willfährigen" BM das Versiegeln der Grünflächen wie z.B. Kalsdorf, Feldkirchen..... Auch Zweitwohnsitze werden "gefälligerweise" ohne Infrastruktur erlaubt. z.B. Dachsteinregion, Weinland, aber auch auf der Gerlitzen oder Turrach werden diese mitten im Wald gebaut! Naturschutz und Klimaschutz sieht anders aus.

heri13
1
1
Lesenswert?

Wer verkauft den meisten Grund?

Unsere armen Bauern!
Dem ganzen muß Einhalt geboten werden.