Offener BriefElementarpädagogen fordern von Faßmann Vorbereitungen für den Herbst

Die gewerkschaftlichen Vertreterinnen und Vertreter des Kindergarten- und Hortpersonals schreiben einen offenen Brief an Bildungsminister Heinz Faßmann. Darin fordern sie Vorbereitungen für Schutzmaßnahmen im Herbst.

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Fünf Anliegen an den Bildungsminister bringen die Elementarpädagoginnen und -pädagogen im offenen Brief vor. © APA/Herbert Pfarrhofer
 

Die Sommerferien sind erst wenige Wochen alt, das Kindergarten- und Hortpersonal blickt jedoch schon jetzt "mit großer Sorge in den Herbst". Das schreiben fünf gewerkschaftliche und Betriebsratsvertreterinnen der Elementarpädagoginnen in einem offenen Brief an Bildungsminister Heinz Faßmann. In den vergangenen Monaten seien die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner stark belastet gewesen, nicht nur bei der Einhaltung der Maßnahmen, sondern auch durch das Verständlichmachen für Kleinkinder und den Umgang mit gestressten Eltern.

Im offenen Brief bringen sie fünf Anliegen vor, damit sie im Herbst weiterhin ihre Arbeit so gut wie möglich verrichten können. Darunter  Fragen nach einer Teststrategie, nach einer möglichen Impfpflicht und nach weiteren Maßnahmen, mit denen sie rechnen müssen. Hier ist der Brief im Wortlaut:

Offener Brief der ElementarpädagogInnen

Sehr geehrter Herr Bundesminister Faßmann,

die vergangenen Pandemie-Monate haben auch das Kindergarten- und Hortpersonal stark belastet und sehr gefordert. Sei es Kleinkindern die Corona-Maßnahmen verständlich zu machen und auf ihre Einhaltung zu achten, die konstante Gefahr der Ansteckung durch Kleinkinder, die noch keine Maske tragen, der Umgang mit gestressten Eltern und Kindern oder die häufig veränderten Öffnungs- und Schließungsregelungen. Die Beschäftigten in der Elementarpädagogik haben als SystemerhalterInnen mit zusätzlichem Arbeitsaufwand und viel Energie all diese Herausforderungen professionell gemeistert.

Trotz des Impffortschritts ist die Corona-Pandemie aber nicht vorbei. Als gewerkschaftliche Vertretung des Kindergarten- und Hortpersonals blicken wir mit großer Sorge in den Herbst. Wir richten uns daher mit fünf zentralen Anliegen an Sie, für die wir konkrete Lösungsvorschläge von Ihnen erwarten, damit die Beschäftigten in der Elementarpädagogik ihre Arbeit weiterhin gut machen können, die Kinder sich wohlfühlen und die Eltern zufrieden sein können.

1. Wie sieht die österreichweite Teststrategie in den Kindergärten und Horten für den kommenden Herbst aus?

Da nach der Urlaubszeit und mit der kühleren Jahreszeit wieder ein Anstieg der Corona-Erkrankungen zu befürchten ist, hoffen wir auf eine flächendeckende Teststrategie nicht nur für das Personal, sondern auch für die Kinder. Beide Gruppen haben im Fall einer Infektion mit gesundheitlichen Folgen zu rechnen. Der Mehraufwand für die Testung darf nicht dem Personal aufgebürdet werden, sondern soll von den Eltern übernommen werden.

2. Welche Regelungen werden ab Herbst bei der Impfung für Beschäftigte in der Elementarpädagogik gelten?

Die Frage nach der Impfung am Arbeitsplatz ist zu einem arbeitsrechtlichen Thema geworden. Als Gewerkschaftsvertreterinnen interessiert es uns, ob es eine Tendenz Richtung Impfpflicht im elementarpädagogischen Bereich gibt bzw. ob und welche Alternativen dem Kindergarten- und Hortpersonal geboten werden. Müssen Nicht-Geimpfte mit Konsequenzen rechnen und wie werden diese gegebenenfalls aussehen? Ebenso interessiert uns, ob es einen Plan für die Drittimpfung gibt. Auch wollen wir wissen, wie viele Beschäftigte aus der Branche geimpft sind und ob diese Statistiken regelmäßig aktualisiert werden.

3. Welche weiteren Maßnahmen sind für den Herbst zur Eindämmung des Corona-Virus geplant?

Obwohl Testungen und Impfung die zentralsten Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sind, wissen wir auch, dass weitere Schritte notwendig sein werden. Da der Betrieb in den elementarpädagogischen Einrichtungen auch im Notfall klare Bestimmung braucht, hoffen wir auf exakte Strategien hinsichtlich Masken- und Abstandsregelungen sowie bei Schließungen der Einrichtungen auf Quarantäneregeln, Contact-Tracing und Regelungen für Eltern.

4. Wann bekommt das Kindergarten- und Hortpersonal eine Prämie für die geleistete Zusatzarbeit?

Wie die Beschäftigten im Gesundheitsbereich haben sich auch jene in der Elementarpädagogik während der Pandemie großen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt und viele zusätzlichen Herausforderungen bewältigt. Es ist nur fair, diese außerordentlichen Belastungen mit einer Prämie zu honorieren.

5. Wie können wir unsere Anliegen im Beirat für Elementarpädagogik einbringen?

Der Beirat für Elementarpädagogik berät über wichtige Fragestellungen, die die Zukunft der Kindergärten und Horte betreffen, von der Personalsituation, einer Ausbildungsoffensive bis zur Harmonisierung der Gesetzgebung zwischen den Ländern. Als Vertretung der Beschäftigten haben wir wichtige und wertvolle Einblicke aus der Praxis, die für zukünftige Beschlüsse berücksichtig werden sollten, wenn eine nachhaltige Verbesserung angestrebt wird. Bei unserem Gespräch am 1.3.2021 haben Sie uns zugesichert, dass wir in Zukunft informiert werden. Bis jetzt haben wir weder eine Information noch eine Einladung erhalten. Es ist daher noch immer offen, wie wir unsere Expertise für die geplanten Weichenstellungen einbringen können.

Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass durch umsichtige Planung und Vorbereitung viel Aufwand, Probleme, bis hin zu tragischen Schicksalen verhindert oder zumindest abgemildert werden können. Damit auch die Beschäftigten in der Elementarpädagogik weiterhin gewissenhaft ihren Beitrag dazu leisten können, ist es wichtig, dass sie gute Arbeitsbedingungen vorfinden.

Klare Antworten auf diese fünf Fragen wären ein essenzieller Schritt. Denn nur mit einer durchdachten Strategie kann einer weiteren Corona-Welle vorgebeugt und die Zukunft der ersten Bildungseinrichtungen gestaltet werden.

In diesem Sinne hoffen wir auf baldige Rückmeldung und würden uns über eine Gesprächseinladung freuen.  

Mit freundlichen Grüßen

Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und -Frauenvorsitzende
Christa Hörmann, stellvertretende Vorsitzende in der younion_ Die Daseinsgewerkschaft
Judith Hintermeier, Bundesfrauenreferentin in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft
Karin Samer, Betriebsratsvorsitzende der Wiener Kinderfreunde von der Gewerkschaft GPA
Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste in der Gewerkschaft vida

 

Kommentare (5)
judohaus
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Wistein1

Ich bin für eine Impfpflichtige und zwar für alle Berufe, in denen man mit Menschen arbeitet! Wer das nicht will, sollte sich eine andere Tätigkeit suchen!

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Berufe Impfpflicht

Impfpflicht für alle oder keinen! Jeder hat mit Menschen zu tun und sollte den anderen schützen. Ob privat oder beruflich... Einzelne Berufsgruppen zu verpflichten, halte ich für falsch.

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Guter Brief

Bin gespannt, ob der Brief was nützt. Bis jetzt war/ist Hr. Fassmann nicht zuständig für diesen Bereich, sondern die Länder. Die Sicherheitslage in den Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen, die erschwerten Arbeitsbedingungen... auch durch die CoV-Krise, wurden von Bund und Ländern leider so gut wie ignoriert. Systemrelevatene Arbeit wie diese, hat mehr Wertschätzung verdient.

mocoro
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Kindergartenkinder testen - gehts noch?

Wie kann man überhaupt daran denken Kindergartenkinder zu testen. Es gibt auch eine psychische Gesundheit, die ist anscheinend allen egal. Man kann diesen ganzen Blödsinn den Kindern nicht zumuten. Jenes Personal, welches sich vor dem Coronavirus fürchtet, kann sich impfen lassen. Wer sich immer noch fürchtet, hat die Möglichkeit sich einen anderen Beruf zu suchen. Die Kinder haben diese Möglichkeit nicht. Finger weg von den Kindern.

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Sicherheit im Kindergarten

Dann sollte zumindest für die Eltern, die die Kinder in die Betreuung geben, die 3G Regel gelten. Wenn die Eltern nichts haben, dann die Kinder vermutlich auch nicht.