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Geplante GesetzesnovelleWeiterstudieren nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt

Die angeblich geplante Gesetzesnovelle sorgt bei den Vertretern der Studierenden für Kritik. Als Bedingung für eine Zulassung zum weiteren Studium soll eine Mindeststudienleistung vorgesehen sein.

CAMPUS DER WIRTSCHAFTSUNIVERSITAeT WIEN: VORLESUNGEN 'SOMMERUNI'
Studierende sollen in Zukunft nur durch Erbringung einer Mindesleistung weiterstudieren dürfen. © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Studierende sollen künftig nur mehr zum weiteren Studium zugelassen werden, wenn sie in den ersten Jahren ihres Studiums eine gewisse Anzahl an ECTS-Punkten vorweisen können. Das sieht eine geplante Novelle des Universitätsgestzes (UG) vor, wie die APA berichtet.

Demnach sollen Studierende künftig am Beginn ihres Studiums eine Mindeststudienleistung von 16 ECTS-Punkten pro Studienjahr erbringen müssen. Ansonsten erlischt ihre Zulassung. Umgekehrt sollen die Beurlaubungs-Möglichkeiten für Studenten ausgebaut werden.

Vom Dachverband der Universitäten (Uniko) gab es zu dem Entwurf bisher keine Stellungnahme. Man verweist darauf, dass bisher noch keine Entwürfe zur Begutachtung vorliegen würden.

Urlaub zur Milderung

Durch das erfolgreiche Bestehen von Prüfungen oder Absolvieren von Seminaren sollen Studierende insgesamt 100 ECTS-Punkte sammeln, bevor diese neue Regelung für sie nicht mehr gültig ist. Derzeit sind Studienpläne so konzipiert, dass mit 60 absolvierten ECTS pro Studienjahr das jeweilige Studium in Mindeststudienzeit abgeschlossen wird. Ausnahme: Im ersten Studienjahr reicht auch die Absolvierung der Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP).

Vor einem Erlöschen der Zulassung muss die jeweilige Uni aber davor mehrfach warnen und Unterstützungsleistungen anbieten. Diese Regelung soll nicht pro Studentin oder Student gelten, sondern pro Studium. Wer mehrere Studien belegt, muss also in allen die nötige Mindestleistung erbringen - sonst erlischt die Zulassung in jenen Fächern, in denen sie nicht erreicht wurde.

Als Ausgleich wird die Beurlaubung von Studenten erleichtert. Diese ist derzeit nur aus wichtigem Grund wie Schwangerschaft oder Krankheit möglich. Künftig soll zusätzlich bis zur Erreichung der 100 ECTS-Punkte auch eine Beurlaubung ohne Grund für zwei Semester möglich sein. Im "Urlaub" muss die geforderte Studienleistung dann nicht erbracht werden.

Diese Personen nun einfach aus dem Studium zu werfen ist ein Fausthieb ins Gesicht der Betroffenen.

Simon Malacek, Vorsitzender der HTU

Kritik der Studienvertreter

Verärgert über die Ankündigungen zeigt man sich bei den Vertretern der österreichischen Hochschüler. Die geplante Mindeststudienleistung, die Reduktion der Prüfungstermine sowie die strengeren Zulassungsfristen seien problematisch, so etwa Simon Malacek, Vorsitzender der Hochschülerschaft an der Technischen Universität Graz. Gerade die erschwerten Bedingungen unter Covid-19 würden die zahlreichen Missstände aufzeigen, die Studierende häufig am Studienfortschritt hindern würden, erklärt Malacek. Der Plan, Studierende bei mangelndem Leistungserbringung nun aus dem Studium zu werfen, sei ein „Fausthieb ins Gesicht der Betroffenen“.

Eine solche Maßnahme sei sozial selektiv und verursache vor allem bei berufstätigen Studenten massive Probleme, schließt sich auch Keya Baier, Vorsitzende der ÖH Uni Salzburg und Aktivistin bei GRAS, der Kritik an. Laut der Studierenden-Sozialerhebung 2019 waren 65% aller Studierenden erwerbstätig und arbeiteten durchschnittlich 20,5 Stunden pro Woche. Die Schwierigkeit der Vereinbarkeit würde so nur noch größer, befürchten die Studierendenvertreter.

Die Annahme, dass Studierende nicht ausreichend leisten, sei fernab von der Realität und zeige ein mangelndes Verständnis der Regierung für die Lebensumstände von Studierenden, blies auch Dora Jandl, Vorsitzende des Verbandes sozialistischer Studenten, ins gleiche Horn.

Kommentare (25)
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Hildegard11
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Die Studenten...

...lassen sich alles gefallen. Keine Proteste, keine gesellschaftliche Teilhabe. Nur strebern und unerfahren ins ( Manager/Schul....)leben entlassen werden. Traurig.

krautundrüben
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Die 'bestimmten Voraussetzungen' sind leicht zu erfüllen

Diese Schlagzeile täuscht. Die bestimmten Voraussetzungen für die Zulassung zum Weiterstudieren, die hier mit den 16 ECTS Punkten im Jahr (!) gemeint sind, sollten mit ca. 6 abgeschlossenen Lehrveranstaltungen im Jahr (!!!) leicht zu erfüllen sein. Sonst müsste man sich vielleicht fragen, ob es das richtige Studium ist, oder ob man gar auf der richtigen Universität ist. Einer der Studierendentrends ist zur Zeit, sich für mehrere Studien gleichzeitig einzuschreiben. Meistens bleibt man bei einem Studium hängen und exmatrikuliert die anderen Studienfächer nicht mehr. Die laufen aber in der Statistik der jeweiligen Fächer mit und verzerren die aktuellen Zahlen aktiver Studierender.
Ist nicht dramatisch die Sache und der Bundeskanzler und die Verteidigungsministerin und auch die Grünen können ausnahmsweise einmal nix dafür ;-)

UHBP
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@kraut...

Ja, ich gebe dir schon recht, dass 8 ECTS im Semester - auch für Berufstätige - jetzt nicht die Herausforderung sein sollten - wenn man irgendwann ein Studium auch beenden möchte. Andererseits wird immer vom lebenslangem Lernen gesprochen und da ist jede Lehrveranstaltung positiv zu sehen.
Aber wie du so schön schreibst, geht es ja offensichtlich sowieso nur um die Statistik und dafür stehen diese Einschränkungen, meiner Meinung nach, nicht dafür.

krautundrüben
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Da bin ich ganz bei euch

Da bin ich auch ganz bei euch, dass Berufstätigen und Menschen in besonderen Lebenslagen die Zulassung zum Weiterstudieren nicht erschwert werden soll und sogar garantiert bleiben muss. Darauf sollte man in jedem Fall Rücksicht nehmen, aber darauf kann man meiner Meinung nach kein System aufbauen. Im Fokus sollten schon noch immer die Studierenden stehen, die sich von den Universitäten eine gute Ausbildung erwarten, damit sie im internationalen Vergleich vielleicht gut mithalten können und vor allem dadurch eine gute Voraussetzung für das zukünftige Arbeitsleben erhalten. Lebenslanges Lernen sei jedem unbenommen: Vorlesungen kann man jederzeit auch ohne Inskription besuchen...

erstdenkendannsprechen
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für jemanden, der es sich leisten kann, vollzeit zu studieren, kein problem.

für jemanden, der nebenbei arbeitet (und voll steuern bezahlt und zusätzlich volle studiengebühren, obwohl er eh nur einen teil der lehrveranstaltungen besuchen KANN) kann das schon einmal zum problem werden.

griesbocha
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Ich habe 3 Studiengänge erfolgreich absolviert

Und kann sagen, wenn 16 ECTS in einem Jahr zum Problem werden, sollte man die (Bummel-) Studiererei gleich bleiben lassen.
Das Studium würde sich dann theoretisch über sehr viele Jahre ziehen.
Theoretisch deshalb, weil 90% früher oder später dann ohnehin das Handtuch werfen, weil kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen miterlebt.

Gedankenspiele
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@griesbocha

"Schön", dass Sie von Ihrer Situation auf alle anderen schließen können und das auch tun.

Morpheus17
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.... und die Grünen???

Stimmen wieder still und heimlich zu. Offensichtlich ist die Prüfung der Weinqualität im Hartbergerland wichtiger, als diese Studenten.

leli
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Diskriminierend

Begrenzung der familienbeihilfe mit dem 24lj, unsägliche massenprüfungen, ständig steigende kosten für wohnung u. Sonstige "nebengeräusche", notwendiges jobben etc. Studierenden und deren eltern (ausgen. Die reichen) werden laufend prügel in den weg gelegt. Die job aussichten und verdienste danach sind auch nicht für alle rosig. Das ist schon beinahe diskriminierend. Ich hoffe die studierenden lassen sich das nicht gefallen und die gesellschaft stellt sich auf ihre seite.

Gedankenspiele
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@leli

Es gibt noch vernünftige Personen wie Sie!
Aber solange die ÖVP in der Regierung sitzt, sehe ich keine Chance auf Besserung.

Ein Land wie Österreich, das so sehr vom Knowhow der Leute abhängig ist, muss schon ideologisch sehr verbohrt sein, wenn man genau diesen Leuten ständig Prügel in den Weg legt, wie Sie richtig formuliert haben.

leli
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Ergänzend

Zudem ist es eine unglaubliche frechheit jetzt in einer für alle belastenden zeit solche ankündigungen zu machen. Schämts euch!

UHBP
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Weiterstudieren nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt

Kann mir jetzt jemand die Vorteile erklären?
Studenten die inskribieren und nur wenig Vorlesungen, etc. besuchen, brauchen auch entsprechend wenig Ressourcen.

merch
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...

Sie tragen meist aber such nichts bei...

erstdenkendannsprechen
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sie zahlen nur brav die gebühren -

tragen also pro lehrveranstaltung sehr viel mehr bei.
was sollen zb. jene machen, die berufstätig sind? kinder haben?
ein armutszeugnis.
aber die, die mami und papi im hintergrund haben, die wohnung und studium bezahlen, die sich um nichts kümmern müssen: kein problem, ja.

merch
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...

Schüler von anderen berufsbildenden Schulen zahlen auch einiges an Schulgeld und sind gezwungen, Leistungen zu erbringen. Ansonsten müssten sie wiederholen und somit doppelt zahlen. Warum soll dss ausgerechnet auf Universitäten anders sein...?

voit60
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seltener Blödsinn

seit wann muss man Schulgeld in Österreich zahlen?

erstdenkendannsprechen
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AN KEINER ÖFFENTLICHEN SCHULE

WIRD SCHULGELD BEZAHLT. Auch an keiner berufsbildenden. Lügen sie nicht so herum.

merch
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...

Habe ich in meinem Beitrag öffentliche Schulen erwähnt? "erstdenkendannsprechen" passt für sie als Nick recht gut.... 😀

merch
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...

Kenne beispielsweise keine Fachschule, wo alles gratis ist.

Gedankenspiele
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@merch

Warum muss man sich immer am schlechteren Beispiel orientieren und nicht mal umgekehrt?

Gedankenspiele
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Falls es noch jemandem nicht aufgefallen ist.

Seit Kurz Bundeskanzler ist, haben es 2 Interessensgruppen besonders schwer in Österreich.
Zum Einen ist es das Bundesheer (kein Geld), zum Anderen sind es die Studierenden (ständig mehr verschärfte Auflagen).
Warum das so ist, kann ich mir vorstellen, wäre allerdings nur eine Mutmaßung.

hakre
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gedankenspiele

wer war denn alles Verteidigungsminister in den letzten Jahren, die das Bundesheer herabgewirtschaftet haben?

lenigsch
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16 ECTS

Ich finde diese Regelung auch nicht gut, aber 16 ECTS zu verlangen ist jetzt nicht wirklich dramatisch. Das sind im Schnitt ca. 4 Lehrveranstaltungen/Prüfungen im Semester. Das ist ohne allzu großen Druck machbar.

Solange ich aber nach Mindeststudiendauer meinen Studienbeitrag zahle, hat meiner Meinung nach der Staat kein Recht darauf mich vom Studium auszuschließen. Denn ich zahle ja (wenn auch in Österreich nicht sehr viel) dafür studieren zu dürfen.

altbayer
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180 Punkte

Ein Beispiel:
Für den BWL-Bachelor braucht man in 3 Jahren 180 Punkte.
Das sind 60 Pro Jahr !!
Mit 16 Punkte pro Jahr könnte man für den "ersten Studienabschnitt" ca. 11 Jahre (statt der vorgesehenen 3 Jahre) benötigen.
Noch fragen ?

Balrog206
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Naja

Das bundesheer hat aber schon seit mind 30 Jahren kein Geld !