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InterviewAnschober zur Corona-Müdigkeit: "So geht es uns doch allen"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober bereitet die Verlagerung der Cluster in den privaten Bereich Kopfzerbrechen. Gleichzeitig zeigt er Verständnis, dass der Bevölkerung Corona langsam beim Hals raushängt. "Das erlebe ich in meinem Privatleben genauso wie jeder andere Mensch auch."

Anschober
Anschober © APA/Georg Hochmuth
 

Herr Minister, wann öffnen Sie die Corona-Schublade?

Rudolf Anschober: Wir setzen zunächst offensiv auf regionale Maßnahmen. Regional kann man immer punktgenau auf die spezifischen Ausbruchsursachen abzielen. Das zeigt, dass die Ampel funktioniert.   

Wann zieht der Bund nach?

Anschober: Wir arbeiten gerade Bundesmaßnahmen aus, diese müssen zu den regionalen Regelungen dazu passen. Auch der Zeitpunkt dafür muss stimmen.  

Kuchl wird am Samstag unter Quarantäne gestellt. Kann man davon ausgehen, dass das nicht der erste und letzte Ort ist, über den ein Lockdown verhängt wird?

Anschober: Salzburgs Landeshauptmann Haslauer hat mich am Donnerstag in der Früh darüber informiert, dass es diese Planung gibt. Ich habe mir das angeschaut und dem zugestimmt. Da gibt es ein Konsensprinzip. Wie mir die Situation in Kuchl geschildert wurde, ist diese ungewöhnlich und spezifisch, weil ein kleiner Teil der Bevölkerung offenbar falsche Angaben beim Kontakt-Management gemacht  und die Quarantäne nicht eingehalten hat.

Ist das wirklich ein speziell lokales Problem? Gibt es nicht in ganz Österreich diese Corona-Müdigkeit, die dazu führt, dass Leute nicht bei 1450 anrufen, weil dies Auswirkungen auf die Familien, den Arbeitsplatz, den Bekanntenkreis haben könnte?

Anschober: Die Müdigkeit ist absolut legitim. So geht es uns doch allen. Wir sind jetzt im achten Monat der Krise. Wir haben eine Phase, die wir alle in unserem Leben noch nie so erlebt haben. Unser Alltag hat sich umgestellt, wir müssen auf viele liebgewordene Normalitäten verzichten. Das ist anstrengend und mühsam. Das erlebe ich in meinem Privatleben genauso wie jeder andere Mensch auch. Was aber falsch eingeschätzt wird: Wir haben es nicht mit  einem Tsunami zu tun, der über uns hinweg rollt. Wir wissen genau, wie wir die Pandemie stoppen können. Das ist der ganz große Unterschied. Es liegt nämlich in unserer Hand, die Krise zu bewältigen. 90 Prozent machen das großartig, aber drei bis vier Prozent, die es nicht machen, können alles zusammenhauen. Es geht um die Verantwortung für das Ganze.

Reichen Appelle aus?

Anschober: Jedem muss bewusst sein, dass  wirtschaftlich viel am Spiel steht. Die jetzigen Wirtschaftsprognosen gehen davon aus, dass wir eine Stabilisierung schaffen. Wenn die Pandemie noch sehr viel länger in einer akuten Form weitergeht, wird das für uns alle extrem schwierig. Das „worst case“ Szenario wäre, dass es zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems kommt. In Tschechien steht es offenbar bevor.  In Österreich sind wir noch weit davon entfernt, und so muss es bleiben.

Ist es nicht viel zu einfach, alles auf die jungen Leute, die nach Partys hungrig sind, zu schieben?  

Anschober: Wir können das Thema nicht auf die jungen Leute reduzieren. Es gibt zwei alarmierende Entwicklungen. Zum einen steigt der Altersdurchschnitt deutlich an. Wir sind jetzt wieder bei über 40 Jahren, wir waren schon bei 33. Zum anderen gibt es relativ viele neue Infektionsfälle in Alten- und Pflegeheimen, was mir große Sorge bereitet. Wir müssen die Betroffenen gut schützen - nicht isolieren, sondern sehr vorsichtig beim Zugang sein und gut vor Ort testen.

Wären nicht Ausgangssperre nach französischem Beispiel die wirkungsvollste Maßnahme?

Anschober: Ich sehe darin keine Lösung. Maßnahmen wirken nur, wenn die Bevölkerung auch mittut. Es muss wieder einen Ruck im Bewusstsein geben. Wir müssen wieder zu der Frühlingsstimmung kommen, wo Österreich ein Land der Solidarität und der Mitverantwortung gewesen ist.

Sie klingen ratlos.

Anschober: Ganz im Gegenteil!

Ernüchtert und verzweifelt?

Anschober: Nein, aber es wird immer klarer, wo unser Problem liegt. Mich hat  bei der aktuellen Video-Konferenz mit den Bezirkshauptleuten der orangen und roten Bezirke überrascht, dass die Grundanalyse überall dieselbe ist: Unser Hauptproblem sind die privaten Feiern. Das können auch klassische Familienfeiern sein, eine Firmung oder eine Bus-Tour. 

Was könnte die Regierung da konkret machen?

Anschober: Wir brauchen das Verständnis und den solidarischen Beitrag  der Bevölkerung. Damit steht und fällt alles.  

Eine Verlängerung der Herbstferien für Schüler wäre somit eine Themenverfehlung?

Anschober: Wir schauen uns alle Szenarien an. Was wir von den Experten hören, werden Infektionen an Schulen eher eingeschleppt. Schulen sind ganz selten der Ausgangspunkt.

Wird jetzt das Vollvisier verboten?

Anschober: Wir schauen uns das gerade an. Es gibt viele Studien, die besagen, je mehr die Luft oben, unten und seitlich austreten kann, desto problematischer ist es, was die Schutzwirkung betrifft. Es darf keine Alibimaßnahmen geben

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Danke für Ihr Verständnis.

Tyche
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Anschober hat ein Problem …

er ist Philanthrop, Demokrat, Humanist und dazu auch noch Positivist. Und dann hat er noch ein weiteres Problem: Er glaubt an den Hausverstand und das Verantwortungsbewusstsein der Menschen – ein Fehler, wie man sieht.
Ich glaube vielmehr, dass das Gros unserer Bevölkerung nicht demokratietauglich ist, einfach deshalb, weil es zu blöd, zu egoistisch und zu asozial ist.

Manche würden erst dann begreifen, dass es nicht okay, blöd und asozial ist, was sie tun, wenn die Polizei mit den Knüppeln kommt und die private Keller-Sauf-Party auseinanderprügelt. Das geht aber leider oder Gott sei Dank nicht, weil man sich auf das demokratische Recht der persönlichen Freiheit beruft.
Was diese persönliche Freiheit allerdings wert ist, wenn man sie offenbar nur mehr dazu zu nützen scheint, dass man sich die Freiheit nimmt, völlig strunzdumm und vollkommen asozial zu sein … stellt unserer Demokratie eigentlich schon die Gretchenfrage …

selbstdenker70
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...

Die Müdigkeit kam aber mit der tausendsten Pressekonferenz, und der Dummheit vieler Medien die nur durch Horror Schlagzeilen am Leben erhalten werden. Irgendwann kann man es nicht mehr hören oder lesen und distanziert sich von diesem Thema automatisch. Im Radio würde man sagen, daß Lied wurde zu tode gespielt...

RonaldMessics
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Selbstdenker machen....

...die Welt um ein Stück verlogener, da sich Medien nach jenen ausrichten sollten, die der Wahrheit auf die Dauer nicht ins Auge sehen können oder wollen. Mit der Vogel Strauß Methode kommen wir nicht weiter. Sie ist nur Bequem.

melahide
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Die

Corona-Müdigkeit sorgt nur dafür, dass es länger dauert. Wenn ich auf einen Berggipfel will und ich sag auf halber Strecke „hab keine Lust mehr, ich geh nicht weiter“ wird der Abstand nicht geringer. Und ich bin viel später oben

toseejorge
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Corona-Müdigkeit

Wenn nur die Lust fehlt ist das okay, wenn Wetter, Kondition oder mangelnde Vorbereitung Ursache sind, kommt mitunter niemand am Ziel an.

jost4513
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🤔

Ja, wir wissen es seit Beginn, nie im Leben kann man es allen recht machen, niemand kann das, auch keiner in der Politik, schon gar nicht in dieser Zeit.
Ich denk mir auch oft, es nervt schon das Corona Theater.. Aber vermutlich nur weil es zum Glück noch niemanden in meiner Familie betroffen hat.
Nur was passiert wenn im engsten Umkreis jemand verstirbt, wenn auch "nur" mit Corona und nicht "an" Corona. Was ist dann, macht man sich vielleicht dann nicht doch Vorwürfe, sich eventuell nicht an die Vorgaben gehalten zu haben? Es geht grundsätzlich glaub ich allen so im Moment dass es uns nervt.. Aber so ganz als Schnupfen traue ich es mir auch nicht abtun...

Barni1
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@jost4513

Corona nervt momentan so ziemlich jeden. Aber was mich am meisten stört, ist das unsere Politiker stur auf ihrer Schiene bleiben. Die verschärften Maßnahmen die jetzt kommen und uns alle retten sollen gibt es in anderen Ländern schon seit Wochen. Wenn man aber in diese Länder schaut, müsste es einem doch eigentlich auffallen das sie dort beinahe keine Wirkung zeigen. Das einzige was vermutlich wirklich funktionieren würde ist ein neuer totaler Lockdown, den wir uns als Gesellschaft aber längst nicht mehr leisten können. Damit wären wir wieder bei dem Punkt ob der entstandene Schaden nicht weitaus höher ist als der Nutzen

RonaldMessics
1
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Sie posten....

"Die verschärften Maßnahmen die jetzt kommen und uns alle retten sollen gibt es in anderen Ländern schon seit Wochen."
Alle retten wird es niemals geben, aber so viele als möglich. Die Maßnahmen müssen eben "viele" Interessen abdecken.

jost4513
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Stimmt...

Ja das stimmt natürlich... Kein Mensch will noch einen Lockdown.. Niemand will dass wieder alle Schulen und Kindergärten sperren... Alles schwierig und zunehmend mühsam.. Aber was hilft wenn man sich gegenseitig angiftet... Pro bzw. Contra Corona.. Doch mega sinnlos...

Barni1
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Da geb ich Ihnen recht!

Aber dieses Problem ist leider von Politik und Medien hausgemacht. Von Anfang an wurde nur eine Meinung zugelassen, kritische Stimmen wurden bewusst Mundtot gemacht, unzählige Videos gelöscht und selbst angesehene, hochrangige Experten deren Ansicht nicht dem sogenannten Mainstream entspricht wurden als Covidioten, Coronaleugner und Scharlatane diffamiert. Keinen besseren Treibstoff hätte man diffusen Verschwörungstheoretikern ja gar nicht liefern können. Auch ich werde hier oft als Corona Skeptiker oder Aluhut Träger bezeichnet, obwohl ich das Virus keinesfalls verharmlose. Ich bin der Meinung es ist da, es wird bleiben und ja es wird Menschen krank machen und auch töten aber damit werden wir einfach leben müssen

CloneOne
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Die Pandemie stoppt

man mit der Medizin! Was wir machen ist ganz einfach nur verstecken und die Zeit bis dahin totschlagen, aber zu welchem Preis? Der Virus geht, der Streit in der Bevölkerung bleibt.

Hausverstand
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Bin ich froh...

dass wir Anschober als Gesundheitsminister haben! Ich bewundere, wie er ruhig, umsichtig und auch selbstkritisch vorgeht. Aber er hat es nicht leicht mit einem Kanzler, der ihm ständig reinpfuschen will ohne dafür zuständig zu sein. Das schwächt leider die Kommunikation der Regierung und führt zu Vertrauensverlusten in der Bevölkerung. Aber ohne die geht es nicht, wie wir gerade sehen - und wie er selber sagt.

lieschenmueller
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Es ist eine mehr als unschöne Situation momentan,

aber wäre ich religiös, ich würde ein Kerzerl anzünden, dass wir jemanden wie Anschober haben.

Tyche
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Na ja, Lieschen, ich denke,

für´s Gros hätt eine Hartinger-Klein auch gereicht … mein Gott, es wär ja eh nur ein Schnupferl – man könnt schmusen und feiern, so wie man´s grad noch vor ein paar Tagen bei den blauen Wahlveranstaltungen gesehen hat … der Vilimsky hat ja – laut Chat-Protokolle mit dem ach so armen Ibiza-Opfer - eh direkt eine gewisse Affinität für Gang-Bangs. Und zwischen dem Feiern, Saufen und Gang-Bangen, wird halt a bisserl erstickt, gestorben und begraben, weil der „Schnupfen“ halt doch den einen oder die andere Schwache übern Jordan schickt – aber eh nur die Schwachen … und samas uns ehrlich: das wär ja fast sowas wie eine win2win-Situation – oder?
Der trumpelnde Mc. Donald hätt bei uns auch ordentlich Wählerpotenzial, davon gehe ich mal aus … der verkauft ja seine angebliche Infektion quasi als Verjüngungskur zum Nachmachen … und hier im Forum treiben sich genug Tiefgarage-Quotienten rum, die ihm applaudieren …

lieschenmueller
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@Tyche

Ich habe mir angewöhnt, zu mir selbst möglichst gut zu sein. Deshalb, wenn mir der Gedanke kommt, diese Frau in der Corona-Situation, da stoppe ich ihn sofort ab.

Ist nicht - Glück im Unglück gehabt!

Stattdessen Anschober mit seiner angenehmen Art und Menschlichkeit. Nicht perfekt - aber wer kann das in dieser Angelegenheit und überhaupt - von sich behaupten?

Leop
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OOO

Hallo seit März Tag für Tag die gleiche Welle in den Medien,Corona,Corona,Corona der Virus,wenn das nicht nervt dann verstehe ich die Welt nicht mehr.Und dann noch die sinnlosen und blöden Kommentare der Menschen in den Zeitungen,einer weis es besser als der andere einfach widetlich

lieschenmueller
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Kommentare

Aber diese sind - ob sinnlos oder blöd liegt oft in den Augen der Betrachter - auch ein Ventil. Genauso eine gewisse Richtschnur für die Politik, die Stimmung der Menschen einzuschätzen.

Die größte Herausforderung derer ist, Leute wirtschaftlich nicht in eine verzweifelte Lage zu bringen. Im Einklang mit möglichst wenig Infizierten.

DA.Luis
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er ist

absolut nicht zu beneiden! Bei der großen Dummheit die bei uns herrscht...

V9330BVZ56NE9KAE
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Alles Geschwurbel...

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht ....

PiccoloCommentatore
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?

Von welcher Lüge sprechen Sie?

satiricus
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Manchmal frag ich mich schon, wie....

.... unsere Nation dastehen würde, wenn die blaue Beate Hartinger-Klein noch am Ruder wäre.
Ob dann das Virus einen großen Bogen um Österreich gemacht hätte?

petera
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GB oder USA sind da gute Abschreckungsbeispiele

Wie es aussehen könnte. Wobei aktuell auch Tschechien wirklich schlecht dasteht.

Was ich nicht verstehe ist, dass manche glauben, wenn man keine Maßnahmen setzt, alles OK wäre und es keine wirtschaftlichen Abschwung und weniger Arbeitslosigkeit gäbe.

HB2USD
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Wenn schon Zahlen

dann gehört auch dazu das fünf südamerikanische und Belgien sowie Spanien auf die Einwohnerzahl der jeweiligen Länder gerechnet schlechter dastehen als die von ihnen genannten.