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Häusliche Gewalt im LockdownNur geringer Anstieg bei Betretungsverboten

Auch in den Monaten März und April sei nur ein geringer Anstieg verzeichnet worden. Frauenministerin Raab: "Aber jeder Gewaltakt ist einer zu viel".

BESUCH DER POLIZEIINSPEKTION JOSEFSTADT: RAAB / NEHAMMER
© APA/HERBERT NEUBAUER
 

Die Befürchtung, dass häusliche Gewalt in Zeiten des Corona-Lockdowns zunehmen könnte, hat sich nicht bestätigt. Das zeigt eine aktuelle Studie, die Frauenministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP) im Innenministerium präsentiert haben.

Im Lockdown seien die Hilfsangebote für Frauen deutlich erhöht worden, mit Helplines in diversen Sprachen und Chats, erklärt Raab. Dennoch habe man keinen signifikanten Anstieg bei der häuslichen Gewalt verzeichnet. Es gab jedoch einen "leichten Anstieg" bei der Zahl der Betretungs- und Annäherungsverbote. Während es im Februar 886 waren, stieg der Wert im April auf 1.081. "Fazit ist also, dass wir im Vergleich zu anderen Ländern hier gut durch die Krise gekommen sind", erklärt Raab. "Aber: Jeder einzelne Gewaltakt ist einer zu viel." Auch im Bereich der Migrantinnen und Migranten sei es Raab wichtig, gegen Gewalt, Zwangsheirat und Co. vorzugehen.

"Jede fünfte Frau betroffen"

"Sich als Frau aus einer Gewaltbeziehung zu befreien, ist ein sehr schwieriger Schritt", erklärt Raab. Deshalb braucht es hier auch viel Sensibilität bei den Polizeibeamten, die im Einsatz sind. Deshalb werde es einen gemeinsamen Gipfel mit internationalem Austausch zu diesem Thema geben.

Frauenministerin Raab erinnerte daran, dass in diesem Bereich 2019 36.000 Anzeigen und damit den höchsten Wert seit 10 Jahren verzeichnet wurden. 16 Frauenmorde habe es heuer bis August bereits gegeben, 39 Frauenmorde waren es 2019. "Jede fünfte Frau gibt an, mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und oder sexueller Gewalt geworden sind", erklärte Raab.

"Gewalt hat in unserer Gesellschaft weder im öffentlichen Raum, noch im privaten Bereich Platz", erklärte Nehammer. Der Kampf gegen häusliche Gewalt sei jedoch nicht leicht, "weil die Polizei ja immer erst gerufen wird, wenn schon etwas passiert ist". Österreich habe hier eine Vorreiterrolle im Kampf gegen häusliche Gewalt, in Form von Polizeihandhabe und Meldestellen. Annäherungs- und Betretungsverbote seien hier gut greifende Mittel. Nehammer appellierte an Betroffenen, sich bei der Polizei zu melden, "die Sie nachhaltig schützen kann". Auch Zeugen von Gewalt sollen sich melden, "Zivilcourage" sei hier wichtig. "Und besser ein Mal 133 zu viel gewählt, als ein mal zu wenig."

Bachmayer: Vertrauen in Regierung in Krisenzeiten

Der Leiter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts OGM, Wolfgang Bachmayer, erklärte daraufhin die Ergebnisse der Studie. Im Bereich der Wahrnehmung der Befragten, welche Art der Kriminalität im Lockdown zugenommen hat, waren 56 Prozent der Meinung, dass häusliche Gewalt zugenommen habe. Das öffentliche Bild zu häuslicher Gewalt habe sich durch mediale Berichte erhöht, die persönliche Wahrnehmung habe sich aber nicht verändert, so Bachmayer. "Von einem enormen Anstieg im Bereich der Gewalt kann keine Rede sein."

Die Corona-Krise sorge zudem dafür, dass das Vertrauen in die Politik steige, "weil die Gesellschaft zusammenrückt und sich hinter den Regierenden schart".

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