Kleine Zeitung-UmfrageKurz hebt ab, SPÖ und FPÖ stürzen ab

Der große Nutznießer der jüngsten innenpolitischen Turbulenzen heißt Sebastian Kurz. Laut einer OGM-Umfrage wollen 36 Prozent der Wähler dem ehemaligen Kanzler die Stimme geben. Die SPÖ stürzt auf 22 Prozent ab, die FPÖ auf 21 Prozent.

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Kurz
Kurz © APA/AFP/ALEX HALADA
 

Zwei Wochen nach Auftauchen des Ibiza-Videos, das die Innenpolitik auf den Kopf gestellt hat, liegt erstmals eine umfassende Umfrage zu den turbulenten Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit vor. Ibiza hat das türkis-blaue Projekt beendet, Neuwahlen vom Zaun gebrochen, den Sturz des Kanzlers zur Folge und nun zur Installierung einer Beamtenregierung – mit einer Kanzlerin an der Spitze – geführt. Im Auftrag der Kleinen Zeitung und des Kurier hat der bekannte Meinungsforscher, OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, 800 Personen zu den diversen Facetten der dramatischen Vorfälle befragt.

Im Zentrum steht freilich die Sonntagsfrage, und diese enthält doch die eine oder andere Überraschung. Aus heutiger Sicht wollen 36 Prozent der Befragten Sebastian Kurz im Herbst die Stimme geben, die ÖVP würde einen überzeugenden Wahlsieg mit einem Plus von 4,5 Prozent  einfahren. Von den 42,3 Prozent eines Wolfgang Schüssel (im Jahr 2002) ist Kurz allerdings weit entfernt.

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Kampf um Platz zwei zwischen SPÖ und FPÖ

Eine schwere Schlappe würde die SPÖ unter Pamela Rendi-Wagner mit nicht einmal 22 Prozent (minus 4,9 Prozent) einfahren. Kurz vom Thron zu stoßen, hat sich offenbar als Pyrrhussieg erwiesen. Spektakulär ist allerdings die Prognose für die FPÖ, die die schweren Turbulenzen ausgelöst hat: Sie käme unter dem neuen Parteichef Norbert Hofer auf immerhin 21 (minus fünf) Prozent. Kalkuliert man die Schwankungsbreite von 3,9 Prozent mit ein, würden sich SPÖ und FPÖ sogar ein Match um Platz zwei liefern – ein Desaster für die SPÖ, ein unerwarteter Effekt für die FPÖ. Die Grünen mit Werner Kogler als Spitzenkandidat kämen auf zehn Prozent und würden die Neos (acht Prozent) auf Platz fünf verweisen. Die Liste Jetzt von Peter Pilz ist ohne Chance.

Jeder Vierte wählt anders

Bachmayer will die Aussagekraft der Umfrage nicht überbewerten, wagt aber doch einige Schlussfolgerungen. „Auch wenn diese Prognose nur eine Momentaufnahme darstellt, so ist die Wählerwanderung größer als je zuvor. Bei der Herbstwahl dürfte jeder vierte Wähler, 1,3 Millionen Österreicher, eine andere Partei wählen als 2017.“ Die höchste Behaltequote weist die ÖVP (82 Prozent) auf, die geringste die SPÖ (62 Prozent).

SPÖ-Anhänger glauben nicht an Zugewinn

Dramatisch sind allerdings andere Werte für die SPÖ: Sogar die eigene Anhängerschaft geht von Stimmverlusten bei Herbstwahlen aus (46 Prozent), nur 41 Prozent sehen einen Trend nach oben. Realismus beweisen die blauen Wähler. 55 Prozent rechnen mit Verlusten. Generell werden der ÖVP (76 Prozent der Befragten), den Grünen (65 Prozent) und Neos (64 Prozent) gute Chancen eingeräumt, ihren Stimmenanteil zu verbessern. Nur je 21 Prozent glauben, dass SPÖ bzw. FPÖ im Herbst zulegen können.

Mehrheit für Dreier-Koalition aus ÖVP, Neos, Grüne

Spannend ist auch die Abfrage der Koalitionspräferenzen. Sollte die ÖVP wieder auf Platz eins landen, sollte Kurz, meinen 30 Prozent, eine Dreierkoalition mit den Neos und den Grünen eingehen. 24 Prozent präferieren ein Revival von Türkis und Blau, nur neun Prozent können sich eine Große Koalition vorstellen.

Kein Verständnis für Strache, kein Verständnis für die Falle

Gemischt sind auch die Reaktionen zum Ibiza-Video. 72 Prozent erachten das Verhalten von Ex-FPÖ-Chef Heinz Christian Strache als „sehr verwerflich“, nur 24 Prozent sprechen von einer „b'soffenen Geschichte.“ Allerdings verurteilen 53 Prozent die Falle, die Strache gestellt wurde, als „nicht tolerabel.“ Nur eine Minderheit, 39 Prozent, sind der Ansicht, dass der Zweck die Mittel heiligt. Von den FPÖ-Wählern verurteilen immerhin 40 Prozent Straches Verhalten.

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Kickls Entlassung nachvollziehbar

Differenzierter ist die Meinung zur Entlassung von Innenminister Herbert Kickl. 54 Prozent begrüßen die Entlassung des blauen Ministers, 34 Prozent halten sie für eine falsche Entscheidung. Dass infolge der Entlassung die gesamte FPÖ-Riege die Regierung verlassen hat, können 42 Prozent der Befragten nachvollziehen. 50 Prozent zeigen kein Verständnis für den kollektiven Rücktritt.

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54 Prozent gegen Kurz' Sturz

71 Prozent der Befragten begrüßen die von Kurz in die Wege geleiteten Neuwahlen, 54 Prozent verurteilen den Sturz des ÖVP-Chefs, immerhin 40 Prozent begrüßen den Misstrauensantrag und damit das Ende der türkis-blauen Regierung unter Kanzler Kurz. Abgesehen von den ÖVP-Wählern stehen auch die Neos- und Grünwähler der Abwahl mehrheitlich kritisch gegenüber. Laut OGM unterstützt die Mehrheit der SPÖ- (71 Prozent) und der FPÖ-Wähler (50 Prozent) den Misstrauensantrag.

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Die gesamte Umfrage lesen Sie in der Sonntagsausgabe der Kleinen Zeitung.

Kommentare (99+)
sschippe
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VL222

Österreich gehört zu den reichsten Ländern Europas. Wer hat dies herbeigeführt:
Alle Regierungen bisher, egal ob rot oder schwarz. Wenn der Kurz sich jetzt als "Weltenretter" hinstellt, dann waren doch alle Regierungen mit allen Bundeskanzlern bisher ja Nuppler. Un der Studienabrecher Kurz will allen Staatsmännern der Welt erklären, wie Weltpolitik funktioniert, nur im eigenen Land kommt er mit seinem Latein nicht zu Rande. Für die Reichen ist er der Messias und die Kleinverdiener werden es erst noch erfahren dürfen, wie ihr Geldbörserl geplündert wird.

archiv
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Warum werden die teuren Werbeeinschaltungen der Ministerien ..


.. in den Printmedien nicht gestoppt?

Malinchen
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Leider Kurz

leider arbeitet die SPÖ darauf hin türkis eine Mehrheit zu verschaffen mit den derzeitigen Personal bitte bitte neue Leute an die spitze!!!

wolfgang0150
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Leider Kurz

So ein Blödsinn, die blöde Personaldebatte schadet der SPÖ, nicht die Pamela Rendi Wagner, gebt ihr einmal die Chance, ich bin mir sicher, Sie macht ihre arbeit gut!!

archiv
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1 und 1/2 halbes Jahr unter ÖVP-türkiser Führung und ...

.. das Ergebnis, ein noch nie da gewesenes Chaos in der österreichischen Politik.

Ich glaube nicht, dass die Wählerinnen und Wähler ab September wieder so eine unfähige "Truppe" mit türkiser Beteiligung in Regierungsverantwortung sehen wollen.

SoundofThunder
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🤔

KurzIV könnte sich für die Arbeitnehmer einsetzen und die Arbeitszeitflexibilisierung zurück nehmen.😏

Balrog206
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Das

Du noch schlafen kannst seit der Flexibilisierung !

SoundofThunder
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Ist es unangenehm?

Dass man dieses Thema einfach nicht unter den Mantel des Vergessens legen kann.Dass es Leute gibt die ständig daran erinnern müssen. Aber bei dieser Wahl hat die Bevölkerung die Chance sich für die Arbeitszeitflexibilisierung und vielen anderen verpfuschten Reformen zu "Bedanken".

WPHO68D6XTNU3K46
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Es kommt, wie es kommen muß.

Er benutzt und belügt die Menschen. In einigen Jahren werden wir es wissen. Ob die Sozialdemokraten dann noch zweistellig sind, hängt davon ab, ob diese an der Vorsitzendenden weiter verbissen festhalten.

allesraus
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TOTALVERSAGERIN

hat einen Namen: RENDI
Viel Spass im Herbst bei unter 20 % für die SPÖ... Aber die Eitelkeit ist halt ein Hund - -

pesaya
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Totalversager (ohne "in")

Totalversager sind all jene, die auf diesen arroganten, selbstverliebten "Messias" Basti in seiner Opferrolle hereinfallen - und das sind im Moment eben hohe dreißig Prozent der Wähler. Wie unarrogant regieren möglich ist, wird uns hoffentlich die jetzige "Expertenregierung" zeigen, die keine Eingeständnisse an Koalitonspartner machen muss und auch keine Wahlversprechen einzuhalten hat.

crawler
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Na dann gibt es also

keinen Unterschied zwischen gewählten Politikern und einer Expertenregierung? Für manche anscheinend nicht. Egal. Hauptsache kein Basti. Im Oktober wissen wir es spätestens.

SoundofThunder
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TOTALVERSAGER

hat einen Namen:BASTI 😏 Dein Altkanzler hat es einfach verbockt. Sieh es einfach ein.

crawler
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Ja,

mir sagen das die Umfragen. Er führt in der Beliebtheit, deshalb gehört er "entsorgt".

crawler
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Deshalb weil Kurz besser abschneidet

muss Rendi keine Totalversagerin sein. In der Politik hat halt jede Zeit seine Gewinner. Heute der, morgen der(die).

jg4186
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Doch kein Messias!?

Ich verweise nur auf die Karikatur auf der Rückseite der Beilage in der heutigen Kleinen: Er ist doch kein Messias?!
Kompliment an den Zeichner, das ist genial. Besser kann man es nicht ausdrücken.

Mein Graz
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@jg4186

Ich habe mich über diese Karikatur schief gelacht!
Super getroffen!

Lodengrün
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Die ÖVP Getreuen

sind komplett außer Tritt geraten und in Panik seit diesem Votum.

kleinalm
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Lol...

Wer da Panik hat? 😁

Sam125
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Na Hallo, was geschieht denn jetzt? Hat sich Frau Rendi-Wagner etwa

verspeckuliert,als sie Herrn Kurz mitsamt seiner Regierung in die Wüste schickte? Herr Kurz lassen sie sich nicht unterkriegen und kämpfen sie weiter für eine gute Zukunft der Bürger unseres Landes! Ja im September wird es sich weisen, in welche Richtung hin, sich unser Land hinbewegt! Ich hoffe, dass die Menschen aufwachen und sich nicht wie die Lemminge vor einen, in den Abgrund führenden Karren, spannen lassen! Und ich tippe auf die absolute Mehrheit im September, für Sebastian Kurz!

pesaya
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verspeckuliert - haha, Anrede sie

Bildungsfremde Menschen, die wohl eher am Jausenbrett "speckulieren", die auch von ihnen geschätzte Personen mit "sie" anreden und womöglich gar nicht wissen, dass man "Sie" schreibt, können ja gar nicht umhin, als auf diesen Demagogen, der offensichtlich von den Blauen gelernt hat, hereinzufallen.
Und damit Bildung auf diesem traurigen Niveau bleibt, kürzt man das Bildungsbudget.
Jaja, die kennen sich aus, der Basti und seine Haberer.

GustavoGans
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Es wird viel drauf ankommen

ob beim Ibiza Video noch was nachkommt und wie aggressiv der Wahlkampf ausfällt.
Wie man weiß, vergessen die Menschen sehr schnell was war. Aus diesem Grund will Kurz ja eine schnelle Wahl, solange das Ibiza Video noch nachwirkt. Ich denke eher, das sich die FPÖ schneller erholt sich viele erwarten. Hofer hat sicherlich genug Kreide geortet. Denn er hat gesehen, dass ein Spruch wie "ihr werdet euch noch wundern, was möglich ist", sehr viel Stimmen kosten kann.
Was bei der Wahl auch immer rauskommt. Wir müssen leben damit. ;)

Mein Graz
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@Sam125

Spekulieren kommt nicht vom Speck, den sich die Türkis-Blauen gerne am Futtertrog wieder holen wollen.
Kurz hat nicht für eine "gute Zukunft unseres Landes" gekämpft, sondern für eine gute, ertragreiche Zukunft der IV und seiner selbst. Die absolute Mehrheit für Kurz und diese Partei wäre eine Katastrophe, er könnte im Sinne der IV nach Belieben schalten und walten.
Und sogar dann würde es AN geben, die für ihn stimmen, ihm zujubeln und in ihm den Messias sehen.

LPEWHL51JPPZTNXD
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Ein anderes Ergebnis hätte mich

vom Parteiblatt der Övp enttäuscht

KarlZoech
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@ Christian Hubinger: Die Umfrage bei OGM hat offenbar der Kurier in Auftrag gegeben,

nicht die Kleine Zeitung. Und es greift zu kurz, jedoch ist es verlockend bequem, die KLZ als Parteiblatt der ÖVP anzusehen. Besser darüber nachdenken (seitens SPÖ), was man/frau besser machen könnte.

Sam125
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Christian Hubinger

Ja dann schauen Sie einmal in Kronen Zeitung, da führt kurz mit 38 Prozentpunkte vor der 21% der SPÖ, weiter mit 19% für die FPÖ, NEOS 10%, Grüne 10% und JETZT bekommt 1%! Die Zeitungen sind anscheinend alles "Parteiblätter " der ÖVP! Da lachen ja die Hühner!

 
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