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Feiertags-DebatteWas tun mit dem Karfreitag?

Wie könnte nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs eine neue Regelung aussehen? Der katholische Theologe Bernhard Körner und der evangelische Theologe Ulrich Körtner antworten.

Karfreitag
Karfreitag © APA/Roland Schlager
 

Bernhard Körner:

Eine rasche Lösung liegt nicht in Reichweite. Aber wir sollten uns die grundsätzliche Frage stellen, was es heißt, dass es in unserem Land Feiertage gibt, die vielen fremd sind.

Es hat etwas Paradoxes an sich: Ein Atheist nimmt sein gutes Recht in Anspruch und klagt auf Diskriminierung, weil er am Karfreitag in unserem Land nicht arbeitsfrei haben kann wie Protestanten und Altkatholiken. Er bekommt vor dem Europäischen Gerichtshof recht und löst damit eine Diskussion aus, ob der Karfreitag nicht ein allgemeiner – religiös begründeter (!) – Feiertag sein soll.

Bernhard Körner
Bernhard Körner Foto © Jürgen Fuchs

Zur Person

Bernhard Körner, geboren 1947, studierte in Graz und Tübingen Theologie und Anglistik, 1976 Priesterweihe. Von 1993 bis 2017 Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.

Hauptthema in der Diskussion: Welche wirtschaftlichen Einbußen würde ein zusätzlicher Feiertag mit sich bringen? Ein Aspekt, den man sicher nicht übersehen darf. Und da können alle, unabhängig von ihrer religiösen und weltanschaulichen Einstellung mitreden. Was bislang, soweit ich sehe, kaum zur Sprache gekommen ist: Vielleicht würde ein ‚Karfreitag für alle‘ ein zusätzlicher Einkaufs-Feiertag werden. Das müsste auch noch in die Kalkulation einfließen.

Was soll mit dem Karfreitag geschehen? Es gibt einen pragmatischen Vorschlag: Tausche ‚Karfreitag für alle‘ gegen einen anderen Feiertag. Genannt werden Ostermontag, Pfingstmontag, der 8. Dezember. Jeder Vorschlag wird vermutlich mehr Pro und Contras auslösen als die Diskussion um den Karfreitag.

Wenn aber selbst pragmatische Vorschläge ihre Tücken haben, dann könnte man vielleicht grundsätzlich werden: Was heißt es eigentlich, dass es in unserem Land Feiertage gibt, an denen die meisten nicht wissen, was gefeiert wird und ob es überhaupt etwas zu feiern gibt. Außer dass ein Tag arbeitsfrei ist – was zugegeben auch nicht schlecht ist. Allen seien solche Feiertage gegönnt. Aber ob es in unserem Land überhaupt etwas und gegebenenfalls was es zu feiern gibt, ist der Rede wert. Es geht über den Anlassfall hinaus – siehe Nationalfeiertag. In einer Gesellschaft mit vielen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen ist es eine komplexe Frage. Für den einen kann ja etwas Grund zum Feiern sein, was dem anderen nicht so wichtig erscheint – um nur einen Aspekt zu nennen.

Ebenso grundsätzlich: Zu anderen Zeiten haben Nachdenkliche die Frage diskutiert, ob Menschen arbeiten, um sich Feiertage leisten zu können, oder Feiertag haben, damit sie dann wieder effizienter arbeiten können. Eine Frage, die vermutlich nicht wenigen verstiegen vorkommen wird. Ich gehöre freilich nicht zu ihnen, ich halte sie der Rede wert.

Was soll mit dem Karfreitag geschehen? Eine Lösung liegt offensichtlich nicht in Reichweite. Dass der Karfreitag zur Mitte des christlichen Glaubens gehört, steht dagegen für Christinnen und Christen außer Zweifel. Sie könnten und sollten die Diskussion zu einer Selbstvergewisserung nutzen: Was heißt das – erlöst durch den Tod Jesu? Darüber nachdenken wäre auf jeden Fall ein Gewinn, auch wenn damit die praktische Seite der Frage noch nicht beantwortet ist.

Ulrich Körtner:

Der Karfreitag ist für alle Christen von zentraler Bedeutung. Er sollte zum gesetzlichen Feiertag für ganz Österreich werden, notfalls im Abtausch gegen den Pfingstmontag.

Ohne Karfreitag kein Ostern und ohne Ostern kein Christentum, also auch kein Weihnachten und kein Pfingsten. Christen glauben an den Mensch gewordenen Gott, der aus unendlicher Liebe ins Leiden und ans Kreuz gegangen ist, um die Menschen und die Welt mit sich zu versöhnen. Jesu Tod am Kreuz ist kein Betriebsunfall der Heilsgeschichte, sondern ihre Mitte.

Ulrich Körtner
Ulrich Körtner Foto © KK

Zur Person

Ulrich Körtner, geboren 1957, Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an der Uni Wien und Ordinarius am Institut für Faktbox (4e3ed55a)Systematische Theologie und Religionswissenschaft (Evangelisch-Theologische Fakultät).


Allerdings wäre das Kreuz ohne die Auferstehung Jesu für uns ohne Bedeutung. Aber der Auferstandene ist der auferweckte Gekreuzigte, der an seinen Wundmalen erkannt wird. Wie jeder Sonntag ein Fest der Auferstehung des Gekreuzigten ist, so auch das Osterfest.


Weil im Tod Jesu nach christlichem Glauben das wahre Leben und das Heil der Welt beschlossen ist, heißt der Karfreitag im Englischen der „gute Freitag“ (Good Friday) und ist darum ein hoher Feiertag für alle Christen weltweit, nicht etwa nur für die evangelischen. Er ist auch keineswegs nur in evangelisch geprägten Ländern, sondern selbst in mehrheitlich katholischen Ländern wie Portugal, Spanien und Malta ein gesetzlich anerkannter Feiertag.


Dass der Karfreitag als Feiertag für evangelische und altkatholische Christen bestehen bleibt, steht in der durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes ausgelösten Debatte erfreulicherweise außer Streit. Eine rechtliche Lösung könnte darin bestehen, den Feiertagszuschlag für evangelische und altkatholische Arbeitnehmer zu streichen.


Ich plädiere jedoch dafür, den Karfreitag zum gesetzlichen Feiertag für ganz Österreich zu machen. Sonderbar: In einem Land, wo in öffentlichen Gebäuden – in Kindergärten, Klassenzimmern und Gerichtssälen – Kruzifixe als Symbol für die grundlegenden Werte der Gesellschaft und des Staates gesetzlich vorgeschrieben sind, ist ausgerechnet jener Tag, der den Ursprung und eigentlichen Sinn dieses Symbols verdeutlicht, für die Bevölkerungsmehrheit ein Arbeitstag. Wem es mit dem Symbol des Kreuzes ernst ist, sollte für den Karfreitag als gesetzlichen Feiertag für alle eintreten.


Wenn ein zusätzlicher Feiertag von Politik und Wirtschaft abgelehnt wird, ist über den Abtausch des Karfreitags gegen einen anderen Feiertag zu sprechen. Nach allem, was ich eingangs zu Karfreitag und Ostern ausgeführt habe, sollte der Ostermontag unangetastet bleiben. Den Pfingstmontag zum Arbeitstag zu machen, kommt allerdings dem Eingeständnis der Kirchen gleich, dass selbst viele Kirchenmitglieder mit dem Fest des Heiligen Geistes nicht mehr viel anzufangen wissen. In einer Zeit, in der das charismatisch-pfingstliche Christentum weltweit wächst, halte ich das eigentlich für ein schlechtes Signal. Aber es wäre ein vertretbarer Kompromiss.

 

Kommentare (1)

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bimsi1
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Die österr. Bischofskonferenz möge sich zu Wort melden.

Und einen Tausch Pfingstmontag gegen Karfreitag zustimmen. Es ist ja wohl nicht ganz verständlich, warum der Karfreitag kein Feiertag sein soll - wo gerade auch in der katholischen Kirche des Todes Jesu gedacht wird.

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