Jacinda Ardern war gerade zur Chefin der neuseeländischen Labour Party ernannt worden, als ihr ein Journalist die Frage nach dem Kinderwunsch stellte. Ihre empörte Antwort darauf: "Es ist absolut nicht zu akzeptieren, dass Frauen im Jahr 2017 diese Frage an ihrem Arbeitsplatz beantworten müssen." Das war im August 2017.

Im Oktober desselben Jahres wurde sie Premierministerin. Drei Monate später gab sie bekannt, dass sie schwanger sei. Auf die Welt kam ihre Tochter Ende Juni. Sechs Wochen danach widmete sie sich wieder den Regierungsgeschäften, die Betreuung der Kleinen übernahm ihr Partner und Vater des Kindes.

Dieses Modell lebt seit einigen Wochen auch die österreichische Landwirtschafts– und Umweltministerin Elisabeth Köstinger (VP). Sie ist seit Anfang Juli Mutter eines Sohnes und kehrte ebenfalls nach sechs Wochen Babypause auf die Regierungsbank zurück, während ihr Partner in Karenz ging. In einer Sonderstellung aufgrund ihrer beruflichen Situation sieht sie sich nicht. Politikerinnen mit Kindern würden vor ähnlichen Herausforderungen wie viele andere Mütter auch stehen, betont Köstinger. "Am wichtigsten finde ich, dass jede Frau selbst entscheiden können soll, welches Lebensmodell sie wählt, es gibt da kein richtig oder falsch, was das Berufsleben angeht", betont die Ministerin.

"Neuer NEO"

Sie wolle auch kein Role Model für etwas sein, "deshalb achte ich sehr darauf, dass mein Familienleben privat bleibt." Auch Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, die am Freitag bekannt gab, dass sie im April ihr drittes Kind erwartet, will weiterhin Parteivorsitzende bleiben und wie geplant nächste Woche den Klubvorsitz von Matthias Strolz übernehmen, während sich ihr Mann karenzieren lässt.

Die steirische Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (VP) versucht seit eineinhalb Jahren den Beruf der Politikerin und die Rolle als Mutter unter einen Hut zu bringen. Ihre Tochter war ein halbes Jahr alt, als sie das Regierungsamt übernahm. Die Vereinbarkeit sei eine enorme Herausforderung: „Nach einer schlaflosen Nacht einen langen Arbeitstag durchzustehen, ist nicht immer einfach. Aber nachdem mein Mann die Betreuung für unsere Tochter übernommen hat und wir uns möglichst gut organisieren, funktioniert es.“ Das schlechte Gewissen stelle sich hin und wieder ein, vor allem in beruflich intensiven Zeiten, erzählt sie: „Aber nach solchen Phasen versuche ich bewusst meiner Tochter mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“

Dass derzeit gerade einmal 3,8 Prozent der Männer in Karenz gehen, versteht Eibinger-Miedl nicht: „Wir haben in Österreich alle Voraussetzungen, damit sich Eltern die Erziehung ihrer Kinder partnerschaftlich teilen können. Wir müssen uns genauer anschauen, woran es liegt.“

Dass die Kärntner Landeshauptmannstellvertreterin Beate Prettner (SP) vor 14 Jahren als Politikerin doch nicht den Rückzug angetreten hat, verdankt sie zwei Männern. „Ich war mit meiner dritten Tochter schwanger und war mir nicht sicher, ob ich in der Politik bleiben soll. Mein damaliger Parteivorsitzender hat mich ermutigt zu bleiben. Und mein Mann hat ganz selbstverständlich die Betreuung unserer Tochter übernommen.“ Was sie sich als Mutter wünschen würde: „Dass auch Politikerinnen die Möglichkeit haben, sich nach der Geburt für einige Zeit dem Kind zu widmen. Stillen funktioniert nicht nebenbei, es zehrt an den Kräften.“ Wenn Frauen ein paar Tage nach der Geburt wieder im Büro sitzen, sei das das falsche Zeichen, betont Prettner: „Es impliziert die Vorstellung, dass die Entbindung eines Kindes wie eine Blindarmentzündung ist, bei der nach ein paar Tagen alles ausgestanden ist.“

Diskussionsbedarf

Nachdem Politikerinnen rechtlich gesehen keine Arbeitnehmerinnen sind, können sie zumindest auf Bundesebene weder in Mutterschutz gehen noch Anspruch auf Karenzierung stellen. Eine Regelung, die dringend diskutiert werden müsse, betont Köstinger in einem Kurier-Interview. Sie wünscht sich eine Karenzregelung auch für Politikerinnen.

Evelyn Regner, SP-Delegationsleiterin im EU-Parlament, ist zweifache Mutter und pendelt seit neun Jahren zwischen Wien, Brüssel und Straßburg. „So ein Leben ist anstrengend, da muss man gar nichts schönreden. Partnerschaftlich kann sie aber funktionieren.“ Ihr Wunsch: „Dass auch Väter gefragt werden, wie sie Beruf und Familie vereinbaren.“