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Pamela Rendi-WagnerWer ist die neue SPÖ-Chefin?

Die 47-jährige Tropenmedizinerin Pamela Rendi-Wagner ist die neue SPÖ-Chefin. Sie arbeitete in London, ist mit dem früheren österreichischen Botschafter in Israel verheiratet - und erst seit eineinhalb Jahren SPÖ-Mitglied.

INTERVIEW: RENDI-WAGNER
© APA/HANS PUNZ
 

Die Kür von Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) zur SPÖ-Chefin ist ein Wagnis. Denn sie verkörpert exakt den gleichen Typus wie ihr Vorgänger Christian Kern, mit dem die Sozialdemokraten ja nicht gerade von Erfolg zu Erfolg geeilt waren. Zudem ist sie noch nicht einmal zwei Jahre Parteimitglied und in der Partei nicht gerade optimal vernetzt.

Dass die Wahl letztlich auf sie fällt, hängt wohl damit zusammen, dass man ein Gegenbild zu Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schaffen wollte - und das ist aus Sicht der Sozialdemokraten mit Rendi-Wagner eine moderne beruflich auch außerhalb der Politik erfolgreiche Frau in mittleren Jahren.

Allzu viel gezeigt hat die attraktive Wienerin seit ihrem Eintritt in die Politik freilich noch nicht. Ins Detail ging sie nur in der Gesundheitspolitik, ansonsten war außer vorbereiteten Floskeln nicht viel von ihr zu hören.

Zur Person

Joy Pamela Rendi-Wagner, geboren am 7. Mai 1971 in Wien, ist verheiratet mit dem Diplomaten und Kabinettschef des vormaligen SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda, Michael Rendi, die beiden haben zwei Töchter. Ihre beruflichen Stationen:

  • 1996 Promotion an der Medizinischen Universität Wien, Facharztausbildung in London, wissenschaftliche Arbeit am Institut für Tropenmedizin der Med-Uni Wien, 2008 Habilitation, Gastprofessur an der Universität Tel Aviv
  • Ab 1. März 2011 Sektionschefin und Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium
  • Ab 8. März 2017 Gesundheits- und Frauenministerin, seit der Regierungsbildung von ÖVP und FPÖ Abgeordnete zum Nationalrat und Gesundheitssprecherin der SPÖ.

Doch einerseits hat man in der SPÖ nicht viel Auswahl, andererseits ist Rendi-Wagner rhetorisch versiert und hat noch Zeit zu lernen, bis es wieder an die Wahlurnen geht. Ob sie tatsächlich parteiintern das Standing hat, sich gegen Gewerkschaft und mächtige Landesorganisationen durchzusetzen, wenn es inhaltlich hart auf hart kommt, ist aus heutiger Sicht fraglich.

Dies gilt umso mehr, als Rendi-Wagner nicht zufällig vom "Bobo-Flügel" in der Partei hofiert wird, Gutverdienern in idealen Wohnlagen mit rot-grünen Tendenzen - also nicht unbedingt die Klientel, die Gewerkschaften, burgenländische SPÖ und der gerade dominante Teil der Wiener Sozialdemokraten anpeilen.

Rendi-Wagner im Porträt

Aber Rendi-Wagner dürfte ziemlich lernfähig sein. Als Kern sie zur Frauenministerin machte, reagierte die Frauenorganisation angesichts des fehlenden Stallgeruchs zunächst skeptisch. Innerhalb kürzester Zeit war man von der Ärztin ganz angetan, umso mehr, als rasch bemerkt wurde, dass sich Rendi nicht nur inhaltlich auf Linie befand, sondern sich auch entschlossen in Straßenwahlkämpfe schmeißen konnte und wollte.

Als Gesundheitsministerin hatte sie, die davor eng mit ihrer verstorbenen Vorgängerin Sabine Oberhauser (SPÖ) zusammengearbeitet hatte, zu wenig Zeit, um echte Glanzlichter zu setzen. Als Gesundheitssprecherin im Parlament verschaffte sie sich vor allem in der Diskussion um das aufgehobene Rauchverbot in der Gastronomie Gehör. Ansonsten wurde die telegene Polit-Aufsteigerin von der SPÖ gerne in TV-Diskussionen zu allen möglichen Themen gesandt. Die für eine Parteichefin nötige inhaltliche Breite wird sich die emsige 47-Jährige freilich noch erarbeiten müssen.

"Joy"und "Pam"

"Pam", wie sie in der Partei genannt wird, heißt Rendi-Wagner eigentlich erst mit zweitem Vornamen. Ihre angeblich hippie-affinen Eltern hatten ihr nämlich den Vornamen Joy verpasst, sicher kein leichtes Schicksal für ein Mädchen, das in den 1970er-Jahren in Wien-Simmering aufgewachsen ist. Doch sie dürfte es gut verkraftet haben. Nach der Schule begann sie ein Medizin-Studium und schlug rasch eine Muster-Karriere ein.

Neun Männer, eine Frau: Die SPÖ-Chefs seit 1945

Adolf Schärf

Schärf übernahm die SPÖ unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 und blieb bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten 1957 Parteichef. Im Bild: Adolf Schärf, flankiert von John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow.

Bruno Pittermann

Bruno Pittermann führte die Partei ein Jahrzehnt lang - von 1957 bis 1967.

APA (Votava)

Bruno Kreisky

Der "Sonnenkönig" konnte erstmals für die SPÖ das Kanzleramt erobern. Bruno Kreisky war von 1967 bis 1983 Parteivorsitzender. Im Bild mit dem späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer.

Fred Sinowatz

Nach dem Rücktritt von Kreisky übernahm Fred Sinowatz 1983 das Kanzleramt und den Parteivorsitz. Als Kanzler wurde er zwar 1986 von Franz Vranitzky abgelöst, an der Spitze der Partei verblieb er aber noch bis 1988.

Franz Vranitzky

1986 löste Vranitzky Sinowatz als Kanzler ab, 1988 wurde er auch Parteichef. Wegen Jörg Haider ließ er die Koalition mit der FPÖ platzen und nahm sich die ÖVP als Regierungspartner. Ende 1996 trat er als Kanzler und SPÖ-Vorsitzender zurück.

Viktor Klima

Zunächst Finanzminister unter Vranitzky, löste Viktor Klima diesen Anfang 1997 als Parteichef und Kanzler ab. Im Jahr 2000 verlor er nach zähen Koalitionsverhandlungen das Kanzleramt, weil der Partner ÖVP absprang und sich mit der FPÖ auf eine Regierung einigte.

Alfred Gusenbauer

Sechs Jahre musste Alfred Gusenbauer in der Opposition ausharren, ehe es ihm im Jänner 2007 gelang, wieder eine Koalition mit der ÖVP zu schmieden. Er kam aber rasch parteiintern unter Druck und musste schon im Juni 2008 sein Amt wieder abgeben.

Werner Faymann

Werner Faymann übernahm 2008 von Alfred Gusenbauer das Kanzleramt und die Parteiführung und hielt sich bis 2016.

Christian Kern

Der frühere ÖBB-Chef wollte 2016 frischen Wind in die Partei und in die mühsame Koalition mit der ÖVP bringen. Im Dezember 2018 musste er das Kanzleramt an Sebastian Kurz von der ÖVP abgeben, die sich nach der Nationalratswahl rasch mit der FPÖ auf eine Koalition verständigt hatte. Mit der Rolle des Oppositionsführers konnte er sich nicht anfreunden. Jetzt will er Spitzenkandidat der SPÖ bei den EU-Wahlen werden - und als Parteichef zurücktreten.

Pamela Rendi-Wagner

Mit der Tropenmedizinerin und früheren Gesundheitsministerin wird nun zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der SPÖ stehen.

1/10

Nach der Promotion an der Medizinischen Universität Wien 1996 machte sie ihre Facharztausbildung in London. Sie ist Expertin für Impf-Prävention, Reisemedizin und Infektionsepidemiologie und arbeitete über zehn Jahre wissenschaftlich am Institut für Tropenmedizin der Medizinischen Uni Wien. Danach verbrachte die Mutter von zwei Töchtern einige Jahre in Israel, wo sie als Gastprofessorin an der Universität Tel Aviv wirkte. Ihr Mann Michael Rendi war dort österreichischer Botschafter.

Gut vernetzt

Nach der Berufung seiner Frau ins Gesundheitsministerium nach Wien, wo sie bis zur Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit aufstieg, kehrte auch Michael Rendi nach Österreich zurück, wo er als Kabinettschef von Kanzleramtsminister Thomas Drozda anheuerte. Diese Verflechtungen werden wohl Rendi-Wagners Avancement zur Gesundheitsministerin nicht gestört haben, wobei sie aufgrund ihrer Expertise und ihres professionellen Handlings bei so mancher Gesundheitskrise ohnehin als Wunschkandidatin galt.

Die ist sie jetzt nicht für jedermann in der Partei, auch wenn sich jetzt alle hinter der künftigen Chefin versammeln. In den vergangenen Tagen konnte man von Spitzenfunktionären abseits der Mikrofone schon einmal Aussagen wie "Kern in weiblich" hören. Dass sie politisch erfolgreicher als ihr Mentor sein kann, wird sie so manchem Skeptiker in den kommenden Jahren zu beweisen haben.

 

 

Kommentare (1)

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Patriot
9
14
Lesenswert?

Jedenfalls ist sie eine Lichtgestalt!

Im Gegensatz zum Kettenraucher und dem uns alle sehr professionell ver..schenden Basti!

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