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Jagd auf Nazi-VerbrecherAls Israel seine Killer nach Österreich schickte

Auf seinem obersteirischen Bauernhof sollte der NS-Verbrecher Franz Murer vom israelischen Geheimdienst Mossad getötet werden. Der Kärntner Ernst Lerch sollte mit einem Sprengsatz in seiner Garage in Klagenfurt zur Strecke gebracht werden.

Franz Murer bem umstrittenen Prozess in Graz
Franz Murer bem umstrittenen Prozess in Graz © 
 

Sie gaben sich als holländisches Touristenpärchen aus und buchten ihr Zimmer in Wien beim Reisebüro Ruefa. Ein Bekannter habe Monate zuvor in einem nahe gelegenen Bauernhof seine Ferien verbracht und trotz des obersteirischen Dauerregens von den Örtlichkeiten geschwärmt. Deshalb wolle man die Gegend um Gaishorn entdecken und erwandern.

Eine Woche verbrachten das Paar auf dem prachtvollen, liebevoll mit Blumen geschmückten Bauernhof. Im Laufe der Tage kamen die beiden mit dem Besitzer und dessen Frau ins Gespräch, man erkundete den Hof, die Stallungen, freundete sich mit dem Hund, der das Anwesen bewachte, an und erhielt so Einblick in die Lebens- und Essgewohnheiten der obersteirischen Bauernfamilie.

Ein paar Jahre später wollte man sich wieder am Hof einquartieren, doch die Besitzer hatten aufgehört, Zimmer an Fremde zu vermieten. Ob sie Verdacht geschöpft hatten?

Geheime Todesliste

Mindestens fünf (!) Mal hatten Agenten des israelischen Mossad zwischen 1978 und 1986 den Versuch unternommen, sich mit falschen Identitäten bei Franz Murer und seiner Frau Elisabeth einzuquartieren. Die vermeintlichen Feriengäste, die in den seit Kurzem einsehbaren Mossad-Unterlagen anonymisiert als A., C., R. oder Z. aufgelistet sind, waren Mitarbeiter einer Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes, die nur einen Auftrag hatten: jene Personen, die auf der geheimen, vom israelischen Ministerpräsidenten genehmigten Todeslisten stehen, aufzuspüren, auszukundschaften und zu liquidieren. Auf der Liste standen die ranghöchsten NS-Verbrecher und die brutalsten und perfidesten Nazi-Schergen, denen es gelungen war, sich den Fängen der Justiz – mit oder ohne Beteiligung der Gerichte – zu entziehen und unbehelligt in Freiheit und Wohlstand zu leben.

Dass der Mossad still und heimlich Staatsfeinde liquidiert, ist bekannt. In den letzten Jahren wurden zahllose iranische Atomexperten mit Sprengsätzen, die vom fahrenden Motorrad aus mit Magneten am Auto befestigt wurden, in die Luft gesprengt. Mit einer solchen Autobombe sollte 1980 in der Klagenfurter Innenstadt der Kärntner Ernst Lerch getötet werden. Lerch hole immer allein sein Auto aus der Garage, heißt es in den Mossad-Unterlagen, seine Frau steige erst draußen zu. Mit einer Fernzündung könne man Lerch, einer der Mitorganisatoren des Massenmords an 1,8 Millionen polnischen Juden, ins Jenseits befördern.

Enthüllungsbuch

Vor Kurzem erfuhr die Weltöffentlichkeit von dem Spezialauftrag mit dem Decknamen B4, den Israels Premier Menachem Begin am 23. September 1977 unterzeichnet hatte. Um das Vorhaben geheim zu halten, wurden nur zwei Kopien des Erlasses gefertigt, der die Tötung von einem Dutzend ehemaliger Top-Nazis anordnete: Neben dem „Todesengel von Auschwitz“ Josef Mengele, dem Hitler-Vertrauten Martin Bormann oder Klaus Barbie, dem Gestapo-Chef von Lyon, finden sich zwei Österreicher auf der Liste: Franz Murer, der „Schlächter von Vilnius“, sowie Ernst Lerch. Beiden lebten unbehelligt in ihrer alten Heimat: Murer, der 1957 zum Obmann der ÖVP-nahen Bezirksbauernkammer aufgestiegen war, auf seinem Bauernhof in Gaishorn, Lerch als Chef eines Tanzcafés in der Klagenfurter Innenstadt, in dem Udo Jürgens seine musikalische Karriere begann.

In einem dieser Tage erschienen 800-Seiten Werk über die geheimen Todeskommandos des Mossad enthüllt der israelische Geheimdienstexperte Ronen Bergman, dass – entgegen der landläufigen Meinung – das Aufspüren und das Liquidieren von ehemaligen Nazis von nachrangiger Bedeutung war. Die diversen Dienste hätten alle Hände voll zu tun gehabt, die Vorgänge in den arabischen Ländern sowie bei den Palästinensern zu verfolgen, dass für solche Aktivitäten die Zeit, das Personal, die Ressourcen fehlten. Die spektakuläre Enrführung von Adolf Eichmann 1961 bildete wohl den Höhepunkt, erst Begin eröffnete 1977 wieder die Jagd auf die NS-Verbrecher.

Attentats-Termine standen fest

Murer und Lerch sollten im Juni 1980 ermordet werden, geht aus den hebräischsprachigen Unterlagen des ehemalige Mossad-Mitarbeiter Yossi Chen hervor, die seit Kurzem auf der Homepage der Holocaust-Gedenkstätte von Yad Vashem veröffentlicht sind. Murer sollte auf seinem Hof mit einem Gewehr erschossen werden, Kopfzerbrechen bereitete den Agenten die Flucht. Der Plan war, das Auto am Bahnhof in Trieben zu wechseln, um eine falsche Fährte zu legen.

Einfacher war es bei Lerch, dessen Tagesablauf der Mossad genau kannte. So verließ er um acht Uhr für eine Stunde das Haus, um zehn Uhr suchte er ein Kaffeehaus auf, um Zeitung zu lesen. Lerch fuhr einen bordeauxroten Renault 9 mit der Klagenfurter Nummer K 2140. Um niemanden zu gefährden, sollte er in seinem Auto in der Garage die Luft gejagt werden.

Beide Pläne wurde nie in die Tat umgesetzt. Der neue Mossad-Chef Yitzhak Hofi sprach sich dagegen aus, weil Wien bei der Ausreise und dem Transit russischer Juden eine Schlüsselrolle einnahm. Attentate auf österreichischem Boden könnten die Beziehungen gefährden. 1984 wollte der bekannte Nazi-Jäger Serge Klarsfeld Murer zur Strecke bringen, doch der Mossad entzog ihm die Unterstützung und brachte das Vorhaben zu Fall.

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Danke für Ihr Verständnis.

komi50
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Monströser Mörderterror......2700 mal!!!

Die Erwähnung von Ronen Bergmans Buch finde ich sehr löblich, nur die Dimension des Geschehens wird wohl freundlich verschwiegen! 2700 Mordaanschläge.....das ergibt im langjährigen Durchschnitt ca. 3 Attacken pro Monat!!!!!
still und leise, keiner erfährt was....politische Lynchjustiz vom Feinsten...nach aussen die armen Braven und Guten..... oder gilt auch hier die Erkenntnis v. Frau Hecht -Galinsky " ...ISRAEL DARF ALLES....!"
Ich erwarte eine gediegene, tiefer gehende und mutige Buchbeschreibung in Ihrem Blatt

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CuiBono
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Mein Eingangskommentar

heute Morgen hat eine interessante Folge an interessanten Kommentaren nach sich gezogen.

Jetzt bleibt die Frage, was lernen wir daraus?

Sind wir - als souveräne Bürger einer demokratischen Republik - damit einverstanden, dass andere Staaten locker über geographische, politische, wirtschaftliche und humane Grenzen hinweg, jegliche internationale Konventionen und vieles andere freihändig negierend gezielte "Lynchjustiz" per Killerkommandos bzw. Angriffe auf vollkommen unschuldige Zivilpersonen durchführt?
Wie z.B. den gegenständlichen Artikel betreffend der Mossad, oder die immer wieder "Einzelfälle" von nie aufklärbaren Tötungen russischer Regimegegner, bzw. der "lockere" Abschuss von zivilen Passagierflugzeugen,...?

Wir regen uns über fanatisierte und vollkommen irre geleitete Religionsausüber auf, aber Staatsterrorismus wird quasi akzeptiert.

Wie tief sind UNSERE Politiker und Geheimdienstler der - ich hab keine Ahnung wie viele, aber 4 bis 5 Ö-Geheimdienste soll es ja wohl geben - in solche Aktionen verstrickt?

Wie immer, Fragen über Fragen zu diesem Operettenstaat und keine Antworten.

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paulrandig
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Was für eine Bildbeschriftung ist denn das?

"Franz Murer bem umstrittenen Prozess in GraFranz Murer bem umstrittenen Prozess in Gra ©"

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paulrandig
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Okay - danke für's Beheben!

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paulrandig
6
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Wie ist das eigentlich?

Darf Murer eigentlich öffentlich als "Verbrecher" bezeichnet werden, wenn er rechtskräftig nie verurteilt wurde? Oder "gilt die Unschuldsvermutung"? Könnten eventuelle Nachkommen jetzt die KLZ klagen?
Das wäre eigentlich der größte Skandal.

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Nicht jeder der freigesprochen

wird ist unschuldig.
In diesem Fall wurde massiv von der Övp Einfluss genommen - niemand war damals."unschuldig" im Krieg. Und er war der Schlächter von Vilnius.

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voit60
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da gäbe es dann auch noch

den Herrn aus Braunau, der ist auch nie verurteilt worden, oder einen Herrn aus Russland, China usw. die sind leider auch nie wegen Völkermord verurteilt worden.

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hakre
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!

wann ist endlich ruhe?

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voit60
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die meisten wollten Ruhe

wahrscheinlich schon im Herbst 45, das war ja auch ein großes Problem, es wurde nie aufgearbeitet. Bei mir endete der Geschichtsunterricht auch nach dem 1. WK.

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paulrandig
0
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hakre

Warum? Ruhe wovor? Vor neuen, interessanten geschichtlichen Erkenntnissen? Ist Ihnen unsere Geschichte so egal? Oder ist es nur bis zum Franz Joseph interessant?

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hakre
8
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!

für mich ist das heute und das morgen wichtiger, als immer wieder das gestern und vorgestern, auch wenn es tragisch war.

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SoundofThunder
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Hakre

Wer die Vergangenheit vergessen hat wird sie wiederholen. Dieser Satz ist allgemein gedacht,bitte nicht persönlich nehmen. Das was wir heute überall erleben (den Wiederaufstieg der Nationalen in ganz Europa und der USA) ,genauso hat es damals angefangen. Nur die Vorzeichen sind halt andere:Damals war es die Hungersnot,die Rekordinflation und die Rekordarbeitslosigkeit nach dem 1.WK der die Bevölkerung in die Fänge der angeblichen Heilsbringer getrieben hat,heute ist es die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes,des Vermögens und des Wohlstands.

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voit60
2
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Als Israel seine Killer nach Österreich schickte

um in Österreich Killer zu liquidieren, die skandalös von der österreichischen Justiz freigesprochen wurden. Der Murer war auch ein Skandal der damaligen ÖVP.

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calcit
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Der Skandal um die österreichischen Justiz ist eine Sache...

... nur rechtfertigt dies weder die Entsendung eines"Killerkommandos" in einen anderen Staat noch die gezielte Tötung einer Person ohne Wahrung rechtsstaatlicher Prinzipien wie ein unabhängiges Gericht und das Recht auf eine Verteidigung.

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voit60
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Schade

mehr ist hier nicht zu sagen, sie hätten es sich mehr als verdient.

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ww100
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Wirklich Schade...

Es steht außer Frage dass diese abscheulichen Gestalten allesamt für ihre Verbrechen verurteilt hätten werden müssen.

In diesem Zusammenhang die Effizienz und Motivation der österr. Behörden zu hinterfragen erscheint mehr als gerechtfertigt.

Auf der anderen Seite muss man aber auch die Methoden des Mossad verurteilen. Attentate auf fremden Boden egal ob auf Nazis oder iranische Wissenschaftler nach dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel" sind keinen Deut besser als das was wir an der russischen Führung zurecht permanent kritisieren .
Solche Menschen (wenn man diese überhaupt noch als solche bezeichnen kann) verdienen einen Prozess. Wir sind nicht mehr im Mittelalter.

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3770000
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Israel nahm ja offenbar Rücksicht...

... auf die Rolle Österreichs als neutrale Drehscheibe - und beauftragte den Mossad eben NICHT. (Sonst wären die nämlich eliminiert worden...).

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voit60
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ich habe mit dem Schade

auch den Prozess gemeint, dieser Murer hätte lebenslänglich hinter Gitter gehört, und nicht ein Lebensende auf seinem großen Bauernhof zu erleben, den er übrigens gekauft hat.

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ww100
1
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Sry

Dann muss ich mich entschuldigen, da habe ich Ihren Kommentar falsch interpretiert.

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voit60
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bin absolut gegen jede Todesstrafe

aber lebenslängliche Haft hätte der Murer mehr als verdient.

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cleverstmk
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Bananenrepublik

Das war typisch Österreich: keiner war Nazi, die Juden selber schuld, die Politik hängte ihnen Orden um und die FPÖ verehrte diese Kriegsverbrecher.

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paulrandig
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cleverstmk

Sie können anstatt des Imperfekts ruhig das Präsens verwenden. Es ist erschreckend, dass die Aussage dann immer noch stimmt.

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BernddasBrot
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Der verstorbene Pianist Harry Braunreiter

war zur Zeit des Prozesses gegen Ernst Lerch in Klagenfurt , der einzige ( soweit ich mich erinnere ) , der damals beim 5 h Tee laut Lerch ansprach....Wie war das damals mit Odilo Globocnik in Treblinka ??...Lerch verschwand sofort . Viele Jahre später erfuhr ich erst über dessen Geschichte . Nichts davon in den Medien bzw. im Unterricht seinerzeit.......tu felix Austria.....

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CuiBono
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Ergänzung

Österr. Gerichtsverfahren gegen Lerch wurden von der StA eingestellt. Somit kam es nie zu einer Verurteilung.
Lerch starb als freier Mann 1997 in Klagenfurt.

Im österr. Verfahren gegen Murer wurde er 1974 freigesprochen, eine Nichtigkeitsbeschwerde der StA dagegen abgelehnt und das Verfahren eingestellt.
Murer starb als freier Mann in Gaishorn am See (Liezen).

(Quelle: das Webbuch der Bücher)

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SoundofThunder
3
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Tja

Daran erkennt man das Österreich,wenn überhaupt,nur halbherzig die Na.ischergen verfolgt und abgeurteilt hat.

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