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InterviewNorbert Hofer: "Mehr als Tempo 140 ist nicht vorstellbar"

Der neue Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) will höhere Tempolimits auf Autobahnen, ist aber gegen Tempo 160. Die Rettungsgasse will er sich "genau anschauen". Mit den ÖBB ist er zufrieden.

BMVIT Norbert Hofer
Norbert Hofer, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie © Christian MUELLER
 

Statt in der Hofburg sitzen Sie hier im Ministerium. Mittlerweile froh, dass Sie die Präsidentschaftswahl verloren haben?
NORBERT HOFER: Natürlich hätte ich die Wahl gern gewonnen. Aber bei uns im Burgenland sagt man: „Ein vergangener Regen braucht keinen Schirm.“ Ich bin in einem Ministerium, das mir Freude macht. Ich glaube, dass das eine spannende Zeit wird.

Wie war das Gefühl als Ihr Konkurrent im Wahlkampf, Alexander Van der Bellen, Sie angelobt hat?
HOFER: Wir haben beide geschmunzelt. Obwohl wir aus unterschiedlichen politischen Richtungen kommen, verstehen wir uns gut. Wir haben vereinbart, uns bald mit unseren Hunden zu treffen.

Heinz-Christian Strache singt als Vizekanzler die neue Version der Bundeshymne. Besingen Sie jetzt auch die „Töchter“?
HOFER: Bei offiziellen Anlässen, ja. Das ändert nichts an meiner persönlichen Haltung. Ich glaube nicht, dass wir damit einer einzigen Frau in Österreich geholfen haben. Der Text ist jetzt auch extrem holprig.

Einige Mitarbeiter in FPÖ-Ministerien, auch in Ihrem Kabinett, sind oder waren in rechtsextremen Kreisen unterwegs. Wo bleibt die Abgrenzung?
HOFER: Man soll hier keine Sippenhaftung vornehmen. Wer meine Mitarbeiter kennt, weiß, dass sie total in Ordnung sind. Man soll Menschen an dem bewerten, wie man sie kennenlernt, nicht nach ihrer Vergangenheit.

Was haben Sie sich für den Start als Minister vorgenommen?
HOFER: Eine der ersten Maßnahmen ist der Ausbau der nächsten Mobilfunkgeneration 5G. Die Versteigerung der Lizenzen muss in den Breitbandausbau investiert werden. Wir wollen auch Teststrecken für autonomes Fahren im Bereich der Bahn schaffen.

Siemens hat in Graz hohe Kompetenz im Bahnbereich.
HOFER: Konkrete Projekte sind in Oberösterreich und im Burgenland geplant. Dieses Ministerium hat den Vorteil, dass wir Brückenbauer zwischen Technologie und Einsatz im Alltag sind. Alles muss anwenderorientiert sein.

Einige Ihrer Ankündigungen werden schon heftig diskutiert. Schaffen Sie die mühsam eingeführte Rettungsgasse ab?
HOFER: Es ist nicht mein Ziel, das leichfertig abzuschaffen. Ich werde mit Polizei und Rettungsorganisationen sprechen und fragen, wie das funktioniert. Wenn man zufrieden ist, wird das bleiben. Wenn nicht, werden Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen.

Einer Ihrer Vorgänger und Ex-Parteifreund, Hubert Gorbach, hat einst Tempo 160 auf der Tauernautobahn in Kärnten testen lassen. Dürfen die Kärntner bald wieder schneller fahren?
HOFER: 160 ist für mich nicht vorstellbar, wir werden das mit äußerster Vorsicht angehen. Eine höhere Geschwindigkeit ist vorstellbar, aber nur in Zusammenhang mit Telematik – bei optimalen Bedingungen, Wetterverhältnissen und wenig Verkehr.

Was ist drin? Tempo 140, 150?
HOFER: 140 wäre meine Vorstellung. Wir werden das im Testbetrieb machen. Klar ist, dass sich die Geschwindigkeit für eine Führerscheinabnahme nicht ändern wird. Nicht, dass jeder glaubt, er kann 190 fahren.

Rechtsabbiegen bei roter Ampel wird, trotz massiver Bedenken der Autofahrerklubs, getestet?
HOFER: In Linz gibt es einen einstimmigen Beschluss, da werden wir das testen und auf Basis von Daten entscheiden. Auch den Schilderwald im Straßenverkehr wollen wir verringern.

Denkbar ist laut Regierungsprogramm das Freigeben des Pannenstreifens in bestimmten Bereichen. Was soll das bringen?
HOFER: All diese Maßnahmen sollen dem Verkehrsfluss dienen. Die Sicherheit geht natürlich vor. Dazu zählen auch streckenweise Überholverbote für Lkw.

Was viele Autofahrer, etwa im Raum Graz, ärgert, sind die „IG Luft“- Beschränkungen. Was halten Sie vom Feinstaub-Hunderter?
HOFER: Luft-Hunderter und Luft-80er will ich mit den Ländern angehen. Wir bauen um viel Geld mehrspurige Autobahnen und dann fährt man 80. Ich schaue mir die Schwellenwerte an.

Und dann abschaffen?
HOFER: Jedenfalls prüfen, ob das nicht zu oft angewandt wird. E-Autos sollen ausgenommen werden.

Sie könnten mit einer kilometerabhängigen PKW-Maut das Bahnfahren attraktiver machen.
HOFER: Das steht nicht auf meiner Agenda. Wir wollen keine neuen Abgaben. Die Bahn muss attraktiver werden, nicht das Autofahren unattraktiver.

Sie sind jetzt politischer Verantwortlicher für die ÖBB mit ihren 40.000 Mitarbeitern. Was soll sich dort ändern?
HOFER: Die Struktur bleibt. Die Politik mus sich bei der Bahn einmischen, wenn etwas nicht funktioniert. Ich habe den Eindruck, dass der Generaldirektor einen guten Job macht. Natürlich kosten die ÖBB der öffentlichen Hand eine Menge Geld. Vielleicht lassen sich Zuschüsse künftig reduzieren.

Und 2024 fahren Züge dann autonom durch den Koralmtunnel?
HOFER: Das wird die Zukunft weisen. Aber natürlich werden wir versuchen, auch diese Technik bald vom Testbetrieb in die Praxis zu bringen.

Brigitte Ederer wird als ÖBB-Aufsichtsratschefin durch den FPÖ-nahen Heta-Vorstand Arnold Schiefer ersetzt?
HOFER: Ich breche nichts übers Knie. Mit Frau Ederer werde ich bald sprechen und dann entscheiden. Dass Arnold Schiefer die ÖBB gut kennt, ist keine Frage.

Wenn Ederer Ihnen zu rot ist, muss sie gehen?
HOFER: Das hat mit rot nichts zu tun. Ich habe in vielen Beteiligungen Verantwortliche, die andere Farben haben. Das ist wirklich nicht das Wichtigste.

Thema Flugverkehr. Bleibt die insolvente „Niki“ österreichisch?
HOFER: Ich hoffe, dass Headquarter und Arbeitsplätze hier bleiben. Aber das wird der Insolvenzverwalter entscheiden.

Sie kennen Niki Lauda aus ihrer Zeit als Techniker bei Lauda-Air.
HOFER: Er ist eine faszinierende Persönlichkeit, der könnte das. Im Präsidentschaftswahlkampf unterstützte er meinen Konkurrenten. Jetzt können wir an der Sache arbeiten ohne den Vorwurf der Freunderlwirtschaft.

Kommentare (48)

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top8
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es wäre viel

gescheiter dafür zu sorgen dass die 130 kmh flächendeckend gefahren werden können auf autobahnen und schellstrassen wie zb. in italien! Weg mit den sinnlosen 100 erten aus lärm und luftemissionsgründen! Dass bringt nichts und ist nur ärgerlich wenn zb. auf 100 km autobahn 10 verschiedene beschränkungen sind wie derzeit!

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Lupoo
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Einfach Lächerlich !

Eine Änderung von 130 auf 140 - blaue Nebelgranate, sonst nix.
Das soll Geschäftstüchtigkeit-tätigkeit vortäuschen, sonst nix.

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Mehr Rauchen,

schneller Autofahren und in der Schule wie früher benoten. Tolle Ausbeute bis jetzt von der blauen Reichshälfte - für welches Klientel wird da bitte Politik gemacht?

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Butterkeks
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...

Autonomes Fahren bei der Bahn? Klingt nach Milliarden Steuergeld verschleudern, damit am Ende wieder einige Hunderte oder Tausende Jobs wegfallen...
Na die Lokführer können dann ja alle eine Umschulung machen oder um Mindestsicherung ansuchen...

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Sepp57
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Es gibt doch

unterschiedliche Arten des Verkehrs. Vielleicht meint er gar nicht den Straßenverkehr?

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minerva
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Krone Leser @josef...

schreiben bessere Kommentare!

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Sepp57
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Also,

in Schweden regelt man den anderen Verkehr neuerdings ja auch . .

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mansoon
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Bitte noch mehr....

.... RADARKABINEN, damit weiterhin die Löcher eines maroden Staatssäckels von verantwortungslosen Autofahrern befüllt werden.... Österreich hat scheinbar nichts anderes an Infrastruktur als RADARKABINEN... !!

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bmn_kleine
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Jedem

der sich sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, können die Radarkabinen egal sein. Alle anderen zahlen eben. Was genau ist daran das Problem?

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georgXV
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FREIE Fahrt für FREIE und mündige Bürger !!!

auf (zumindest) Autobahnen und Schnellstraßen !!!
Dies ist KEINE Aufforderung zum agressiven Rasen und / oder Fahren unter Alkohol- und / oder Drogeneinfluß !!!
Bei gutem Wetter und freien Autobahnen / Schnellstraßen sollte dies OHNE große Probleme möglich sein !!!
Warum müssen wir uns ständig von der Politik bevormunden lassen ???!!!

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Mein Graz
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@georg

Jetzt mal ein bissl provokant:
Wer oder was hindert dich daran, überall hinzufahren? Du hast freie Fahrt, wo auch immer du hin willst.
Du darfst auch fahren so schnell wie du willst, du musst halt einfach die Konsequenzen dafür auch hinnehmen.

Jetzt noch eine Frage:
aus welchem Grund forderst du ausschließlich zu diesem Thema, dass der "FREIE und mündige Bürger" nicht bevormundet werden darf?
Ich habe noch keine solche Forderung von dir für Gesetze und Vorschriften zu anderen Themen (Rauchen, Straftaten, Schulpflicht...) gelesen.

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georgXV
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Liebe(r) Mein Graz,

kannst Du mir bitte freundlicherweise sagen, warum Du auf ein Tempolimit auf freien und trockenen Autobahnen bestehst ???
Alle Gesetze und Verordnungen gehören immer wieder auf Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit überprüft !!!

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Mein Graz
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@georg

bmn_kleine hat deine Frage beantwortet.

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bmn_kleine
3
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Sinnhaftigkeit von Tempolimits auf Autobahnen

Sie wollten Gründe für die Sinnhafitgkeit von Tempolimits auf Autobahnen. Bitte sehr:
- Schadstoffbelastung der Umwelt
- Lärm
- Sicherheit

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Mein Graz
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@bmn_kleine

Danke!

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bmn_kleine
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1
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@mein graz

Bitte!

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wjs13
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Test Tempo 160km/h

im Drautal zwischen Spittal und Villach war durchaus erfolgreich und wurde gerade deswegen totgeschwiegen.

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Mein Graz
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@wjs13

Ja, war ein voller Erfolg!
Copy&Paste aus einer "zuverlässigen Quelle" (ein kleinformatiges Wiener Käseblatt, dem die Türkis-Blau-Anhänger ungeteilte Aufmerksamkeit widmen):
21.04.2007:
"Das vernichtende Urteil über den millionenschweren Tempo-160-Test im Detail:
Ein um 30% höheres Unfallrisiko
27% mehr CO2-Ausstoß
21% mehr Treibstoffverbrauch
21% mehr Lärm."

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Sepp57
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12-Stunden Tag,

Rauchen, Tempolimit erhöhen - die FPÖ bringt uns die Freiheit! Darauf haben wir gewartet! Deswegen haben wir sie gewählt (ich nicht).
Wir sind jetzt ja so glücklich . . .

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baldasar
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Szimmt

Komisch die Krankenkasse, die Kammern kann ich plötzlich nicht frei wählen, Steuern muss ich zahlen , aber da sind schwarzblau eingeknickt, wichtiger ist halt ihre Parteifreunde zu versorgen

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Lodengrün
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Das werden wir Tag für Tag erleben

Da setzt sich ein Minister hin und erklärt uns lang und breit was gearbeitet wird, wie viele Fortschritte schon erzielt wurden und was sie noch vorhaben. Im Prinzip aber alles Peanuts. Eigentlich Dinge die zum Tagesgeschäft gehören hier aber PR Gags sind.
Die wirklichen Dinge erledigen sie im Hintergrund. Von wegen Beamtenapparatverschlankung. Setzen schnell in jedem Ministerium noch ein paar Parteisoldaten als Generalsekretäre ein. Kostet ja nix. Regierungssprecher um sich das Stottern zu ersparen.

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wahlnuss
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Blauer Dampfplauderer

Na also, Minister Norbert macht sich an die Orbeit, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen auf 140 zu erhöhen. Darauf haben wir gewartet, endlich ist er gekommen, der uns mit Volldampf aus dem Schneckentempo erlöst. Schlecht gebrüllt, Löwe. Das ist populistische Schnellschuss - Fastfood - Politik für die Wähler, die sich mit kosmetischen Veränderungen abspeisen lassen. Dafür wurde er gewählt, der Applaus ist ihm sicher.

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Sepp57
5
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Wär´s nicht vielleicht doch

mit 134,9 km/h noch besser? Herr Hofer, machen Sie doch noch einen Vorschlag. Wir können ja bis zum Ende der Legislaturperiode darüber reden.
Und äh ja, wir wissen doch, dass Sie da sind. Da müssen Sie uns nicht jeden Tag darauf aufmerksam machen . .

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Goldfinger
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jetzt weiß ich seppl...

warum du krone leser bist

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Patriot
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Das dürfen wir uns also vom BM Hofer erwarten:

Vielfach Unsinniges, denn er muss und wird seine einfach gestrickten Wähler fast täglich mit Nonsens, wie 140er auf Autobahnen (fahren ohndies schon mindestens 50%, Ausländer oft 180 und mehr) oder Abschaffung des I-GL-100ers (die Grazer Luft wird das "sicher verbessern!") berieseln.
Wirklich wichtige Themen, wie weniger Transit-LKW, die unsere Straßen ruinieren und unsere Luft verpesten, effizienter weiterer Ausbau des öffentl. Verkehrs udgl. interessieren ihn anscheinend nur marginal.
Hätte mich auch gewundert, wenn er ein wirklich guter Infrastrukturminister sein würde!!!

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In

Deutschland gibt gegenüber Österreich schlechte Autobahnen,
Pannenstreifen sind dort meistens nur Wunschträume,und
doch gilt dort nur die Richtgeschwindigkeit 130kmh,man darf
aber auch mit 200 kmh und mehr dahinbrettern.Der deutsche
Staat vertraut seinen Autofahrern halt mehr als der Österreichische,
und das auch in anderen Belangen.

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