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Josef MoserAlt-Blauer Rechnungshofprüfer wird türkiser Minister

Im Schatten Jörg Haiders groß geworden, verdankt er das Ministeramt nun der ÖVP. Der Schnellredner gilt als gnadenlos freundlich.

Josef Moser
Josef Moser © APA/HERBERT PFARRHOFER
 

Mit dem wohl eigentlich angepeilten Finanzministerium ist es für Josef Moser nichts geworden. Zu Ministerehren kommt der frühere Rechnungshof-Präsident dennoch. Als Jurist ist er für das Justizressort durchaus geschaffen. Politisch groß geworden ist der 62-Jährige als Schatten Jörg Haiders im Umfeld der FPÖ, das Ministeramt hat er dagegen der ÖVP zu verdanken.

Dabei hat Moser in der Volkspartei gar nicht so viele Freunde. Dem Vernehmen nach haben sich diverse Landesorganisationen massiv dagegen gewehrt, dass ihm das Finanzressort zukommt. Grund ist wohl, dass man sich vom begeisterten Staatsreformer für die Länder möglicherweise lästige Vorschläge erwarten hätte können. Für Reformen soll Moser zwar auch jetzt mit zuständig sein, ohne Budgetkeule in der Hand wird die Umsetzung seiner Ideen aber wohl deutlich schwieriger werden.

Größter Coup

Wäre Moser bei der Regierungsbildung ganz leer ausgegangen, wäre das dem Präsidenten des industrienahen Instituts EcoAustria gegenüber wohl ein Affront gewesen. Denn er galt als größter Coup in Sebastian Kurz' Quereinsteiger-Riege. Es ist davon auszugehen, dass der ÖVP-Chef Moser zugesichert hat, dass mehr als ein Nationalratsmandat für ihn herausschauen wird.

Dabei ist im Parlament die politische Karriere des gebürtigen Osttirolers erst so richtig gestartet. Jörg Haider war Moser im Rahmen von dessen Aktivitäten in einer Initiative gegen Bahnlärm in Kärnten aufgefallen und der Jurist sollte in den folgenden Jahren einer seiner wichtigsten Wegbegleiter werden, angefangen mit seiner Funktion als Bürochef Haiders.

Zur Person

Josef Moser, geboren am 6. Oktober 1955 in Lienz, aufgewachsen in Kärnten, verheiratet, eine Tochter.

Jus-Studium in Wien ab 1976, ab 1981 Finanzlandesdirektion Kärnten, 1991 Büroleiter Jörg Haiders, 1992 bis 2002 FP-Klubdirektor im Nationalrat.

2003 Direktor der Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG, 2004 bis 2016 Rechnungshofpräsident, seit Oktober 2016 Präsident des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria.

Im Nationalrat wurde er über viele Jahre Klubdirektor und machte das so gut, dass ihm der eine oder andere Karrieresprung etwa zum Volksanwalt verwehrt wurde, weil man auf seine Expertise im Parlament nicht verzichten wollte.

Irgendwann war es aber auch Moser genug. 2003 kehrte er dem Hohen Haus den Rücken, um Generaldirektor der Eisenbahn Hochleistungsstrecken zu werden. Eigentlich war er bei den ÖBB von der FPÖ noch für höheres vorgesehen, doch als sich 2004 die Möglichkeit ergab, das immerhin zwölf Jahre laufende Amt des Rechnungshof-Präsidenten zu übernehmen, zögerte Moser nicht.

Bestimmter Mahner

In seiner neuen Funktion gab er den freundlichen, aber bestimmten Mahner, speziell was die Notwendigkeit von Staatsreformen angeht. Moser lieferte einen systematischen Katalog mit 599 Reformvorschlägen ab. Zu seinem Abschied hinterließ er außerdem ein Positionspapier mit 1.007 Empfehlungen. Wie viele er jetzt davon umsetzen kann, wird spannend zu beobachten sein.

An sich ist der verheiratete Vater einer Tochter vom Typus her auch gut für das Justizressort geeignet, wäre da nicht eine delikate Geschichte aus seiner Vergangenheit, die seine Biografie bis heute belastet. 1996 soll er eine nicht deklarierte Spende von fünf Mio. Schilling (363.000 Euro) vom (mittlerweile verstorbenen) Industriellen Herbert Turnauer an die FPÖ weitergeleitet haben. Moser bestritt zwar die Übergabe des Kuverts nicht, betonte aber stets, vom Inhalt nichts gewusst zu haben.

Gnadenlos freundlich

Persönlich ist Schnellredner Moser gnadenlos freundlich, manchmal vielleicht ein wenig glatt. An Selbstbewusstsein mangelt es dem geeichten Sportler nicht, demonstrativ nach außen trägt er es jedoch nicht - alles Eigenschaften, die ihm gerade im Justizressort nicht schaden sollten.

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