Etwas mehr als eine Woche ist er alt, der bisher jüngste Krieg, der in der Welt tobt. Der Angriff von Israel und den USA auf den Iran hat sich zu einem Flächenbrand im Nahen Osten ausgeweitet. Auch rund 18.000 Österreicherinnen und Österreicher fanden sich in der Region über Nacht im Krisengebiet wieder. Bange Hilferufe Richtung Heimat kamen neben Urlaubern und jenen, die dort lediglich den Flieger wechseln wollten, auch von Aussteigern, die sich kurz zuvor noch in Sozialen Netzwerken mit ihrem Luxusleben in Städten wie Dubai gebrüstet und über die hohe Steuerquote der Daheimgebliebenen amüsiert hatten. Die öffentliche Häme war vorprogrammiert. Doch ein demokratisches Land hat sich auch um seine undankbarsten Staatsbürger zu kümmern.
Auch jene, die es nicht ins steuerbegünstigte Ausland gezogen hat, wurden atemberaubend schnell von den Folgen der Eskalation eingeholt. Wenige Stunden, nachdem im Iran die Raketen niedergegangen waren, begannen die Spritpreise zu steigen. Für einen vollen Tank mussten am Mittwoch bereits um die zehn Euro mehr auf den Tisch gelegt werden.
Die da oben
Die Anbieter reagierten auf die neue Unsicherheit umgehend mit einem Risikoaufschlag, die Kunden wiederum mit Unmut und Misstrauen. Verdienen sich die wirtschaftlichen Eliten hier wieder ein goldenes Näschen an uns, war die Frage, die in vermutlich ähnlichen Worten an diversen Stammtischen im Land diskutiert wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass sich dieser Gedanke aufdrängt. Auch stark steigende Lebensmittelpreise im vergangenen Sommer und der „Dauerbrenner“ Energiepreise haben die Gemüter erhitzt. Absprachen zum Nachteil der Kunden hat das Land genug erlebt, man erinnere sich nur an das 1995 aufgedeckte Zinskartell, bei dem sich heimische Bankdirektoren beim monatlichen Treffen im Luxushotel abgesprochen hatten.
Diesem Misstrauen will auch die Politik begegnen. Als Antwort auf steigende Lebensmittelpreise reagierte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) im Vorjahr mit einer Klageandrohung gegen Lebensmittelhändler, denen sie irreführende Rabattaktionen vorwarf. Auch die hohen Energiepreise, die Inflation und Unmut befeuert hatten, wollte man nicht so stehen lassen und „motivierte“ die eigenen Energieanbieter kürzlich zum Senken einiger Tarife. Die aktuellen Preissprünge bei den Treibstoffen lässt man nun prüfen .
Transparenz und Prüfung
Für eine effiziente soziale Marktwirtschaft sind übermäßige, allen voran aber ungerechtfertigte Eingriffe der Politik ebenso Gift wie fehlender Wettbewerb. Auch unmündige Kunden tragen entscheidend zu Marktverzerrungen bei. Es braucht eine ehrliche Debatte darüber, wie man die jeweiligen Akteure zu gewissenhaftem Wirtschaften und den Staat zu minimalen Eingriffen verpflichtet. Der Schlüssel dazu: Transparenz auf allen Seiten sowie wirksame Werkzeuge zur Prüfung und eventuellen Bereinigung des Marktes. Schaffen wir das als reiches, gut organisiertes Land nicht, dürfen uns unsere Auswanderer tatsächlich auslachen.