Sicherheit kostet, und das nicht zu knapp. Um die Sache politisch noch vertrackter zu machen: Es ist wesentlich kostspieliger, eine verlässliche Verteidigung aufzubauen, als sich für einen Angriff zu rüsten. Wer das nicht glauben will oder kann, dem bietet sich im laufenden Krieg in Nahost der praktische Wahrheitsbeweis.
Laut Experten des Stimson Center, einer gemeinnützigen überparteilichen US-Denkfabrik, beliefen sich die Kosten für die Luftabwehr der Vereinigten Arabischen Emirate mit den US-Patriot-Raketen – das beste, was in dieser Hinsicht derzeit auf dem Markt zu haben ist – allein am Samstag und Sonntag auf bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar. Der Iran, der die Emirate mit Raketen und Drohnen ins Visier nimmt, musste dagegen nur rund 415 Millionen US-Dollar aufwenden. Natürlich könnten die Emirate auch günstigere Abwehrraketen einsetzen, aber dafür wären die Kosten an Menschenleben und materiellen Schäden wohl weitaus höher.
Wir leben lieber im Heute, statt uns für die Zukunft zu rüsten
Jeder Staat, jede Gesellschaft muss diese Abwägung für sich selbst treffen: Wie viel soll die eigene Sicherheit kosten, wie viel Tote und Zerstörung sind wir bereit zu akzeptieren? Demokratien neigen in der Regel nicht nur in Sachen Sicherheit dazu, kurzfristige Vorteile höher zu bewerten und langfristige Kosten eher beiseite zu schieben. Der Grund liegt auf der Hand: Sowohl Wählern wie Parteien ist das Hier und Heute meist wesentlich näher als mögliche Risiken in der Zukunft. Und wer vermag schon mit Gewissheit zu sagen, dass wir all das teure Militärgerät wirklich einmal brauchen werden? Eben ...
Apropos Österreich. Die Nicht-Einsatzfähigkeit der heimischen Heeres-Transportmaschinen für eine allfällige Evakuierungsaktion von in Nahost gestrandeten Österreichern macht die sicherheitspolitischen Versäumnisse eines der reichsten Staaten der Welt für die Vergangenheit deutlich; immerhin hat der Ukrainekrieg hier ein Umdenken eingeleitet. Das Hickhack der Parteien um die politische Verantwortung für die fehlenden Transportkapazitäten ist dagegen einfach nur peinlich. Keine Partei, die in der Verantwortung stand, ist in dieser Hinsicht ihrer staatspolitischen Verantwortung für Land und Leute gerecht geworden.
Sky Shield ist sauteuer, aber es wirkt
Die Vergangenheit ist passé, jetzt geht es um die Zukunft. Unter Türkis-Grün hat sich Österreich zur Teilnahme am europäischen Raketenschutzschirm Sky Shield entschlossen, Schwarz-Rot-Pink setzt diesen Kurs fort, die FPÖ ist strikt dagegen. Es geht dabei um eine gemeinsame Beschaffung und Ausbildung, die Entscheidung zum Abschuss von Drohnen oder Raketen mit Kurs auf das Bundesgebiet liegt jedoch allein bei Österreich.
Die Kosten für das komplexe Schutzsystem belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund sechs Milliarden Euro, eine fürwahr astronomische Summe. Das führt angesichts einer sich zunehmend verdüsternden Bedrohungslage direttissima zurück zur Eingangsfrage: Wie viel ist uns unsere Sicherheit wert?