FPÖ-Chef Herbert Kickl hat sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet, ist dabei aber vage geblieben. Medial werde er sich erst nach dem persönlichen Gespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen, das am Montag um 11 Uhr angesetzt ist, äußern. „Ich denke, das ist die verantwortungsvolle Vorgangsweise in einem solchen Fall. Dafür ersuche ich um Verständnis.“

Kickl schrieb: „Ich kann euch allen versichern, dass die Maßgabe für jeden weiteren Schritt neben den bekannten inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der FPÖ die Faktoren Ehrlichkeit, Klarheit, Berechenbarkeit, Stabilität und Glaubwürdigkeit sein werden.“ Er wolle unter anderem einem dem „leistbaren Leben, Gerechtigkeit, Sicherheit und Frieden, dem Schutz unserer Heimat und Freiheit“ alles unterordnen.

Bei Regierungsbildungsauftrag wird FPÖ „intern beraten“

Dass Kickl einen möglichen Regierungsbildungsauftrag erhalten wird, gilt als wahrscheinlich. Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger sagte: „Einen anderen Weg kann es nicht geben.“ Danach werde man auch in der FPÖ „intern beraten“. Die mittlerweile neue ÖVP-Position in Bezug auf die Freiheitlichen wertete Abwerzger als „positive Signale“. „Einige seriöse“ Stimmen, die sich für eine Zusammenarbeit ausgesprochen hätten, habe es ohnehin schon immer gegeben. Er sprach allerdings Skepsis gegenüber dem geschäftsführenden Parteichef Christian Stocker an. „Das Vertrauen muss er sich erst erarbeiten.“

Babler warnt vor „Kahlschlag“ unter Blau-Türkis

Ganz anders die Reaktion von SPÖ-Chef Andreas Babler. Jetzt, nach der Kehrtwende der ÖVP, drohe genau das, wovor die SPÖ immer gewarnt habe: „eine blau-schwarze Regierung mit Herbert Kickl als Kanzler“, erklärte SPÖ-Vorsitzender Andreas Babler in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am späten Sonntagabend. Dies zu verhindern, sei das Ziel aller Bemühungen der Sozialdemokratie seit der Wahl gewesen, um eine Regierung ohne die FPÖ bilden zu können.

Nun, so Babler, drohe ein Kahlschlag zulasten der allermeisten Menschen quer durch den Sozialstaat, bei Gesundheit, Pensionen und Lebenshaltungskosten. Und dies nur, damit die Vermögenden keinen Beitrag zur Budgetsanierung leisten müssen. Dagegen werde die SPÖ entschlossenen Widerstand leisten.

Babler lehnt Rücktritt ab

Er selbst werde, anders als ÖVP-Chef Karl Nehammer, nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP nicht zurücktreten, vielmehr spüre er großes Vertrauen in seine Person in der SPÖ.