Die umstrittene Abfolge der TV-Duelle zur Nationalratswahl wird nun Thema im Stiftungsrat. Heinz Lederer, der von der SPÖ in das ORF-Gremium entsandte Vertreter, will die Causa Anfang September im Programmausschuss ansprechen. „Der zuständige Chefredakteur wird sich erklären müssen, warum der ORF mit einer gut gelebten Usance bricht“, empört sich Lederer im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Das ist ein Präjudiz, das wird ein massiver Diskussionsprozess.“

Die Kleine Zeitung hatte darüber berichtet, dass bei der Festlegung der TV-Duelle zwischen den Spitzenkandidaten der ORF von der bisherigen Praxis abweicht. Normalerweise orientiert sich der ORF bei der Terminfixierung an der Zusammensetzung im Parlament. So werden die Sommergespräche streng nach dem letzten Wahlergebnis angesetzt, beginnend mit der kleinsten Partei. Im Vorfeld der letzten drei Nationalratswahlen (2013, 2017, 2019) wurden die Paarungen so fixiert, dass sich beim allerletzten Duell der Erst- und der Zweitplatzierte gegenübersitzen.

Entspricht der ORF dem Wunsch der ÖVP?

Doch diesmal treffen in der allerletzten Woche vor dem Wahlsonntag, am Montag, dem 23. September, der 2019 Erstplatzierte, ÖVP-Chef Karl Nehammer, und der damals Drittplatzierte, FPÖ-Chef Herbert Kickl, aufeinander. Andreas Babler, der Zweitplatzierte, darf am selben Tag in der zweiten Paarung gegen Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger antreten. Nehammer und Babler debattieren bereits am 12. September. Die Vermutung ist, dass der ORF bei der Festlegung der Abfolge dem Wunsch der ÖVP entspricht, die auf diese Duellsituation zwischen Nehammer und Kickl im Wahlkampf setzt. „Die Privaten können nach anderen Kriterien, etwa nach dem Horse-Race-Prinzip, etwaige Duelle ansetzen, aber nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk“, so Lederer.

Der rote Stiftungsrat will außerdem die Berichterstattung des ORF im Vorfeld der EU-Wahl im Programmausschuss ansprechen. Ihm missfiel, dass die angesetzte Elefantenrunde nicht auf ORF 2, sondern auf ORF 3 gesendet wurde. Auch moniert Lederer das Fehlen jeglicher Konfrontationen. „Wenn man weiß, welche Bedeutung die EU hat, kann man nicht so ein Programm fahren.“