Teil zwei unseres Podcast-Specials zum "Krieg vor der Haustüre", dem 10-Tage-Krieg, in dem Slowenien vor 30 Jahren seine Unabhängigkeit erkämpft hat: Gunther Spath leitete den bewaffneten Einsatz des Heeres an der Grenze und erinnert sich im Gespräch mit Thomas Cik an das Jahr 1991: "Es war das spannendste Jahr meiner Dienstzeit. Einen Einsatz dieser Art – zur militärischen Landesverteidigung – hat es in der zweiten Republik weder vorher noch nachher gegeben."

Spätestens mit dem Tod Titos war für Spath als Zuständiger für Einsatzvorbereitung und Taktik klar, das Jugoslawien nun ein Unruheherd sei. Somit begann man sich in den Achtzigern auf mehrere Szenarien vorzubereiten: Etwa innere Unruhen und die damit verbundenen Strömen heimreisender Gastarbeiter bis hin zu einer möglichen militärischen Intervention ausländischer Kräfte.

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Insbesondere die Slowenen hätten das Einrücken ihrer Rekruten in die Volksarmee weitgehend verweigert und begonnen, ihre Territorialverteidigungskräfte darauf vorzubereiten, sich im eigenen Land zu verteidigen, erzählt Spath.

Die Jugoslawische Volksarmee sei davon ausgegangen, dass ihr Ausrücken alleine für Ordnung sorgen würde. Galt es doch auch die dortigen Zolleinnahmen zu sichern – eine der letzten Einnahmequellen des späten Jugoslawiens. Der Widerstand der Slowenen hätte sie dann überrascht. Die schlecht vorbereitete Volksarmee wurde sofort eingesperrt, abgeriegelt und bekämpft.

War Österreich in Gefahr?

Für das Heer war klar, einen gezielten Angriff auf Österreich durch Jugoslawien werde es nicht geben. Aber es bestand die Gefahr, und das war der Grund für den Einsatz, dass Einheiten der Volksarmee eingeklammert werden und versuchen, über österreichisches Gebiet auszuweichen, betont Spath. Belgrad warf Österreich in Folge vor, mit Slowenien zu kollaborieren, die Armee einzukesseln.

Spath dazu: "Wir haben nichts anderes gemacht, als die österreichische Souveränität zu schützen". Im Bedarfsfall hätte man Munition für eine wochenlange Verteidigung gehabt, letztendlich musste aber kein einziger Schuss abgegeben werden. Auch wenn es brenzlige Vorfälle gab, wie etwa Schüsse in der Nacht, deren Herkunft zunächst unklar war.   

Kampfpanzer in kleinen Dörfern und ein peinlich berührter Touristiker

Gunther Spath erinnert sich an die sehr beunruhigte Bevölkerung im Grenzgebiet, zugleich aber auch an eine "unglaubliche Unterstützung" für die Soldaten. Er erzählt von Szenen in kleinen Ortschaften im Jauntal, an denen neben kleinen Häusern M60 Kampfpanzer in der einbrechenden Dämmerung standen, daneben haben Einheimische kleine Tische aufgestellt und die Soldaten bewirtet.

Thoma Cik im Gespräch mit dem ehemaligen Militärkommandanten Gunther Spath
Thoma Cik im Gespräch mit dem ehemaligen Militärkommandanten Gunther Spath
© Helmuth Weichselbraun

Nur einmal war man unerwünscht: Ein Bürgermeister fürchtete um den Tourismus, die anwesenden Soldaten würden ein schlechtes Bild auf sein Dorf werfen. Man zog zwei Kilometer weiter. "Es war ihm nach dem Einsatz dann sehr peinlich", muss Spath schmunzeln. 

"Ödester Schmäh seit 50 Jahren" 

Gunther Spath, der bekannt dafür ist, sich bei Kritik an der österreichischen Verteidigungspolitik kein Blatt vor den Mund zu nehmen, findet im Podcast klare Worte zu aktuellen Reformen des Heeres durch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.

Klassische militärische Bedrohungen – ähnlich wie im Jahr 1991 – könne man in Zukunft nicht ausschließen. Aus diesem Grund sieht er die aktuellen Entwicklungen im Heer kritisch: Momentan werde nur die oberste Führung reformiert, auf die Einsatzfähigkeit der Truppe habe das überhaupt keine Auswirkungen.

Keine Reform in den letzten Jahrzehnten sei bis zum Ende durchgezogen worden, keine hätte tatsächliche personelle und materielle Ergebnisse gebracht. Die Trennung von Führung und Verwaltung sei "der ödeste Schmäh, den ich höre seit 50 Jahren, bei jeder Reform."

Es würden jetzt "Sekretärsreformen" durchgeführt, die sicher persönliche Bestrebungen sehr fördern würden, für das Heer aber nicht von Nutzen seien würden. Spath unterscheidet in seiner Kritik dabei nicht zwischen schwarz, blau oder rot: Keine einzige Partei in diesem Lande nehme Sicherheitspolitik ernst: "Das ist eine Spielwiese", ärgert sich Spath.