Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher hat Israels Blockade des Gazastreifens mit scharfen Worten angeprangert. „Israel schafft bewusst und schamlos unmenschliche Bedingungen für die Zivilbevölkerung in den besetzten palästinensischen Gebieten“, sagte Fletcher vor dem UN-Sicherheitsrat bei einer Sitzung in New York. Weil humanitäre Hilfe zurückgehalten werde, seien 2,1 Millionen Palästinenser im Gazastreifen vom Hungertod bedroht.

„Welche Beweise brauchen Sie jetzt noch?“, fragte Fletcher in die Runde des mächtigsten UN-Gremiums. „Werden Sie entschlossen handeln, um Völkermord zu verhindern und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu gewährleisten? Oder werden Sie stattdessen sagen: Wir haben alles getan, was wir konnten?“

Macron kritisiert israelisches Vorgehen scharf

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat das israelische Vorgehen im Gazastreifen heftig kritisiert. „Was die Regierung von Benjamin Netanyahu aktuell macht, ist inakzeptabel“, sagte Macron im Sender TF1. Humanitäre Hilfe aus Frankreich und anderen Ländern für die Bevölkerung in Gaza werde von Israel blockiert. Die humanitäre Krise in dem Küstenstreifen sei verheerend. Es gebe kein Wasser und keine Medikamente. Macron sprach von einer Schande.

Frankreich habe das Recht Israels auf Verteidigung nach dem Massaker der Hamas und anderer Terrorgruppen am 7. Oktober 2023 stets anerkannt, aber ebenso deutlich gemacht, dass die Lösung nicht in undifferenzierten Angriffen auf den Gazastreifen liege. Israels Regierung hatte jüngst angekündigt, die Angriffe im Gazastreifen auszuweiten.

„Trump hat einen Hebel“

„Es ist Präsident Trump, der einen Hebel hat“, sagte Macron mit Blick auf den US-Präsidenten. Er selbst habe scharfe Worte gesprochen und sich mit Netanyahu gestritten. „Aber Frankreich alleine, selbst mit den anderen Europäern, kann allen Druck der Welt ausüben.“ Israel hänge nicht von ihnen ab, sondern von US-Waffen.

Israel ruft zur Evakuierung von Gebieten in Nord-Gaza auf

Nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen hat die israelische Armee die Bewohner mehrerer Gebiete im Norden des Küstenstreifens zur Evakuierung aufgerufen. Es handle sich um eine „letzte Vorwarnung vor dem Angriff“, erklärte Armeesprecher Avichay Adraee am Dienstag im Onlinedienst X. Das israelische Militär werde jedes Gebiet angreifen, aus dem Raketen abgefeuert wurden. Zuvor waren nach israelischen Angaben Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden.

Zwei Raketen seien abgefangen worden, teilte die israelische Armee mit. Der mit der radikalislamischen Hamas verbündete Islamische Jihad erklärte, Raketen auf Südisrael abgefeuert zu haben.