Wolodymir Selenskyj und Emmanuel Macron schüttelten sich vor dem Marienpalast in Kiew die Hände, beide Präsidenten trugen Masken. Omikron aber lauert auch in Moskau, am Vorabend saßen der französische Präsident und Gastgeber Wladimir Putin zur Empfangszeremonie im Kreml an den Enden eines wohl acht Meter langen Tisches, ohne Masken.

Europas Spitzenpolitiker pendeln zwischen den verfeindeten Hauptstädten. Während Macron begann, die außenpolitische Lücke, die Angela Merkel hinterließ, mit eigenen Initiativen in der Ukraine-Krise zu füllen, scheint der neue deutsche Kanzler erst allmählich einzusteigen. Nach Macron wird Olaf Scholz nun am Montag in Kiew, am Dienstag in Moskau erwartet; seine Außenministerin Annalena Baerbock, die bereits vorige Woche in Moskau war, besuchte gestern das Frontgebiet im Donbass. Die seit Monaten eskalierende russisch-westliche Krise mit ihren Truppenkonzentrationen und Verhandlungsultimaten pendelt sich ein: Moskau gegen Kiew. Und Kiew, so scheint es zusehends, gegen den Rest der Welt.