Dominic Cummings Der Mann, der Boris Johnson ruinieren will

Cummings’ "überaus aggressiver Stil" sei dabei, die Regierung Johnson ernsthaft zu beschädigen, schrieb schon im Vorjahr die Tory-freundliche Zeitung "The Times". Wie es aussieht, ist das heuer definitiv so.

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Dominic Cummings rechnet mit Boris Johnson ab © AFP
 

Boris Johnson hätte man nur gebraucht, um den Brexit durchzuziehen. Denn kein anderer hätte den Briten den Ausstieg aus der EU dermaßen schmackhaft gemacht wie Johnson. Als britischen Premier in der Downing Street habe man Johnson aber niemals haben wollen.   Das erzählte der ehemalige Chefberater Boris Johnsons, Dominic Cummings, nun in einem Interview mit der BBC, das eine heftige Abrechnung mit seinem Ex-Chef wurde. 

Johnson habe zu Beginn der Pandemie die Queen trotz ihres hohen Alters weiterhin persönlich treffen wollen. Er selbst habe seinen Chef davon überzeugen müssen, dass er die heute 95-jährige Monarchin damit umbringen könne, wenn er sie mit dem Virus anstecke, behauptete Cummings. Queen Elizabeth II. und Johnson hielten ihre wöchentlichen Audienzen fortan virtuell ab.

Doch damit nicht genug: Boris Johnson "hat keinen Plan, er weiß nicht, wie man Premierminister ist und wir haben ihm nur ins Amt verholfen, um ein bestimmtes Problem zu lösen" - den Brexit zu vollziehen - "nicht weil er der Richtige gewesen wäre, um das Land zu führen." Cummings war einer der wesentlichen Brexit-Strategen. Von ihm stammt der Slogan "Get Brexit done". Der 49-Jährige war 2016 auch für jenen roten Bus verantwortlich, der durch London kurvte und auf dem der Satz stand, der übersetzt lautete: "Wir schicken 350 Millionen Pfund pro Woche nach Brüssel. Lasst uns das Geld lieber für unser Gesundheitssystem nutzen." Auch wenn die 350 Millionen gelogen waren, hatten die Brexiteers damit, was sie wollten: die Mehrheit für den EU-Austritt. Zwischendurch wurde er als zweitmächtigster Mann des Landes gehandelt. Für jemanden mit einer vermeintlichen Hinterzimmer-Rolle erlangte Dominic Cummings eine bemerkenswerte Prominenz.

Vorigen November kam es jedoch zum Bruch zwischen Johnson und seinem Berater. Cummings musste gehen. Seitdem stehen die Zeichen auf Rache. Macht zermürbt den, der sie nicht hat. So heißt es. Bei Dominic Cummings stimmt das so nicht ganz, denn obwohl er nicht mehr an den Hebeln der Macht sitzt, mitten in Downing Street No. 10: Zermürbt wirkt der ehemalige Top-Berater Boris Johnsons nicht. Er gibt  eher den Intriganten in einem shakespearschen Königsdrama. Zielgerichtet, hinterhältig und selbstsicher. Cummings ist nicht der Typ, der einfach das Feld räumt.

Johnson und Cummings Foto © AFP

Der offen ausgetragene Krieg zwischen Johnson und seinem Top-Berater hat erst begonnen. 1971 wurde der Sohn eines Bauleiters einer Ölplattform und einer Sonderschullehrerin in Durham im Nordosten Englands geboren. In Oxford studierte er Geschichte. Danach hielt sich Cummings für drei Jahre von 1994 bis 1997 in Russland auf und versuchte unter anderem, eine Fluggesellschaft aufzubauen, die Samara, Russlands sechstgrößte Stadt, mit Wien verbinden sollte. Cummings spricht fließend Russisch.

Der frühere britische Premier David Cameron hatte schon früh vor Cummings gewarnt, denn dieser sei ein "Karrierepsychopath". Cummings’ "überaus aggressiver Stil" sei dabei, die Regierung Johnson ernsthaft zu beschädigen, schrieb schon im Vorjahr die Tory-freundliche Zeitung "The Times". Wie es aussieht, ist das heuer definitiv so.

 

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