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Impeachment gestartetTrumps treuester Weggefährte Mike Pence geht auf Distanz

Vize verweigert dem US-Präsidenten in letzten Amtstagen die Gefolgschaft. US-Demokraten starten Absetzungsverfahren gegen Trump wegen "Anstiftung zum Aufruhr".

US-Vizepräsident Mike Pence stand bis jetzt hinter seinem Präsidenten - nun wandte er sich von Trump ab © AP/Carolyn Kaster
 

Seit seinem Einzug ins Weiße Haus konnte US-Präsident Donald Trump stets auf die bedingungslose Loyalität seines Stellvertreters Mike Pence zählen. Während zahlreiche Minister und Berater in den vergangenen vier Jahren bei Trump in Ungnade fielen, stand Pence in der von Affären und Skandalen reichen Amtszeit in Nibelungentreue an der Seite des impulsiven Präsidenten.

Aber die Erstürmung des Kapitols durch militante Trump-Anhänger markierte einen Wendepunkt: Seither verweigert der Vizepräsident seinem Vorgesetzten die Gefolgschaft. Kurz vor dem Ende von Trumps Mandat ist das Verhältnis der beiden Republikaner offenbar zerrüttet.

Funkstille

"Vizepräsident Pence ist von einem der treuesten Gefolgsleute Donald Trumps zum Staatsfeind Nummer eins in Trumps Welt geworden", urteilte der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger. Pence hatte die Randale im Kongressgebäude vergangene Woche verurteilt und sich gegen Trumps Forderung gestellt, die Zertifizierung des Wahlergebnisses zu verhindern.

Stattdessen bestätigte Pence, der auch Vorsitzender des Senats ist, bei der Kongresssitzung formell den Wahlsieg des Demokraten Joe Biden. Seitdem herrscht Funkstille zwischen Trump und seinem Stellvertreter, wie US-Medien berichten.

Demnach schließt Pence sogar nicht aus, Trump wie von den Demokraten gefordert noch vor dem Ende seiner Amtszeit zu entmachten. Der Zusatzartikel 25 zur US-Verfassung ermöglicht es dem Vizepräsidenten, zusammen mit dem Kabinett den Präsidenten abzusetzen, wenn sie diesen für amtsunfähig halten.

Absetzungsverfahren gestartet

Die Demokraten im US-Kongress hab am Montag Schritte zur Amtsenthebung des abgewählten Präsidenten eingeleitet. In einem Schreiben wurde Vizepräsident Mike Pence aufgefordert, binnen 24 Stunden Schritte zur Amtsenthebung Trumps einzuleiten. Als  Anklagepunkt wird in der Resolution "Anstiftung zum Aufruhr" aufgeführt. Trump wird in dem Text beschuldigt, seine Unterstützer vor dem Sturm auf das Kapitol bei einer Kundgebung aufgestachelt zu haben.

Militante Anhänger

Trump hatte seine Anhänger am Mittwoch mit der Wiederholung seiner völlig unbelegten Behauptung angestachelt, bei der Präsidentschaftswahl im November habe es massive Betrügereien gegeben. Er forderte seine Unterstützer zum Marsch auf das Kapitol auf. Militante Trump-Anhänger drangen daraufhin in das Kongressgebäude ein, Abgeordnete mussten in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt fünf Menschen starben bei den Ausschreitungen in und um das Kapitol.

Auch für Pence war die Lage bedrohlich. Wütende Trump-Anhänger riefen, er solle gehängt werden. Doch nicht einmal diese Todesdrohungen veranlassten den Präsidenten offenbar, sich zu vergewissern, ob sein Stellvertreter in Sicherheit ist. Stattdessen machte Trump ihm seine Verfassungstreue zum Vorwurf. "Mike Pence hatte nicht den Mut zu tun, was nötig gewesen wäre, um unser Land und unsere Verfassung zu schützen", lautete Trumps vernichtendes Urteil.

Auch Pences Bereitschaft, gemäß den politischen Gepflogenheiten an der Zeremonie zur Vereidigung des künftigen Präsidenten Joe Biden am 20. Jänner teilzunehmen, dürfte Trump ein Dorn im Auge sein. Der Präsident selbst hat bereits deutlich gemacht, dass er Bidens Amtseinführung fernbleiben werde - ungeachtet seiner Ankündigung, einen "reibungslosen, geordneten und nahtlosen" Machtwechsel sicherzustellen.

Die Arbeitsteilung zwischen Trump und Pence im Weißen hatte jahrelang funktioniert. Der Präsident nannte seinen Stellvertreter einen "Fels in der Brandung". Als Leiter der Corona-Taskforce hielt Pence auch den Kopf hin, als die Wut über das Krisenmanagement von Trumps Regierung in der Pandemie hochkochte.

Pence galt als Gegenpol zum impulsiven Präsidenten. Im Laufe der Jahre entwickelte er reichlich Routine darin, Trumps Politik zu erläutern und die von seinem Chef erzeugten Wogen wieder zu glätten. Der Ex-Gouverneur und langjährige Kongressabgeordnete steuerte die politische Erfahrung bei, die dem früheren Immobilienunternehmer fehlte. Als evangelikaler Christ stellte der Vize zudem ein wichtiges Bindeglied zur religiösen Rechten dar.

Pence werden Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur 2024 nachgesagt. Offen ist, ob er die Gewalteskalation am Ende von Trumps Amtszeit auch politisch unbeschadet übersteht.

Kommentare (15)
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SoundofThunder
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🤔

Nach dem von Trump aufgestachelten Mob mit Todesopfern ist ihm nichts anderes mehr übrig geblieben. Und es würde mich nicht überraschen wenn es nach der Amtseinführung Bidens am Vorplatz des Weißen Hauses Randale geben wird. Sollte Pence dem Impeachementverfahren zustimmen kann Trump in 4 Jahren nicht mehr kandidieren. Das ist der einzige Grund für das Verfahren.

Hapi67
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Das wäre wohl das Wunschdenken aller Linken

Wünsche den Amerikaner viel Erfolg mit dem neuen sensiblen Sozialisten Biden.
Für mich zumindest genauso erschreckend wie ein Trump, wenn ein Mann antritt und gewählt wird, der kaum noch aufrecht stehen kann und das ist gar nicht böse gegenüber Biden gemeint.
Wer sich die Bilanz im Orf mit Settele über die Amtszeit Trumps angesehen hat, konnte wieder einmal den diametralen Unterschied der veröffentlichen Meinung und der Stimmung der knappen Hälfte erkennen. Nach deren Berichterstattung und Unfähigkeit hätte der gute Trump keine 20% kriegen dürfen.
Von der Bilanz des ersten schwarzen hochgelobten Obama will ich lieber erst gar nicht reden, wenn die Schwarzen ein Jahrzehnt später noch immer wirbeln.

Mein Graz
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@Hapi67

Dein Posting beweist, dass es sogar in Europa und hier auch noch in Österreich Leute gibt, die diesem unsäglichen Mann mit dem toten Viech am Kopf hinterher hecheln und seine Propaganda ohne zu hinterfragen weiter verbreiten.

Was bringt jemanden dazu, eine Person wie Trump, der die Menschen in den USA wie niemand vorher gespalten hat und sogar versucht hat eine Revolte anzuzetteln zu verteidigen und für gut zu empfinden?

Marcuskleine
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Joe Biden...

Ist vielleicht nicht "der beste verstellbare Kandidat"? Immerhin dürfte er aber seine Trotzphase hinter sich haben, was Trump in diesem Leben nicht mehr schaffen wird!

Imandazu
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Pence geht auf Distanz - um Jahre zu spät und nicht weit genug.

Und das ist keine „Heldentat“. Vielmehr hat er jahrelang jenen Opportunismus gepflegt, der überall im Umfeld übler Diktatoren zu finden ist.

MoritzderKater
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Was hätte Pence denn tun sollen?

Das einzige was er zu hören bekommen hätte, wäre:
*get fired`* gewesen - so wie 13 andere Gefolgsleute von Trump
und von jenen die Zurückgetreten sind und sonstige Ursachen vorhanden waren, die zum Bruch führten, ganz zu schweigen.
Ein Verrückter Präsident verdient so einen wie Pence überhaupt nicht.

Imandazu
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Kann ein us-vicepresident gefeuert werden?

Schließlich wurde er mit Trump zusammen gewählt, oder?

MoritzderKater
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@Imandazu

Natürlich ist es möglich, Trump wurde ja auch gewählt und doch kann man ihn durch das Impeachment Verfahren *entsorgen*

Imandazu
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Na klar, aber kann Trump ihn nach US-Rechtslage feuern?

Ich weiß das nicht. Ist aber eh egal. Als Evangelikaler muss Pence sowieso mit dem „jüngsten Gericht“ vertraut sein.

Patriot
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Vier Jahre hat er dem üblen Treiben seines Chefs zugeschaut

und nichts dagegen unternommen. Spricht nicht wirklich für ihn!

Lodengrün
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Und jetzt

ist es aus mit der Nibelungentreue. Ohnehin eine seltsame Person wenn man seine Vita anschaut.

pescador
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Wie war das mit den Ratten

und dem sinkenden Schiff?

VH7F
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Die Trump-Fans haben Pence im Capitol gesucht

und geschrien "Hängt Mike Pence auf". Seine Familie war auch dort. Dafür ist Pence eh noch sehr zurückhaltend.

voit60
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5 Tote hat es gegeben

wer übernimmt hierfür die Verantwortung. Der Mann gehört vor einen Richter gestellt, und danach einfach verurteilt. Hoffentlich passiert den Amerikaner so ein Wahnsinniger in Zukunft nicht mehr.

Patriot
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@volt60: Die Amis hätten es selbst in der Hand!

Aber mir schwant Übles.